Trifft die Autokrise jetzt den Münchner Wohnungsmarkt?
Die deutsche Autoindustrie steckt in der Krise: Hersteller und Zulieferer bauen Zehntausende Stellen ab. Ob sich das auf den Wohnungsmarkt auswirkt, wollte das Portal Immowelt wissen und hat an 50 Auto- und Zuliefererstandorten Kaufpreise und Mieten gebrauchter Wohnungen mit dem Vorjahr verglichen.
Das Ergebnis der am Donnerstag veröffentlichten Auswertung: In München steigen die Wohnungspreise weiter, am niedersächsischen VW-Standort Salzgitter dagegen sind die Kaufpreise der Analyse zufolge um 5,4 Prozent gesunken.
Immowelt wertet solche Rückgänge als Indikator dafür, dass sich wirtschaftliche Unsicherheit vor Ort in den Wohnungspreisen widerspiegele. Das Portal erklärt das so: Kämen weniger Berater und Leiharbeiter in eine Stadt, würden weniger Wohnungen gebraucht. Belegt ist das nicht, die Daten zeigen nur ein zeitliches Zusammentreffen.
So ist der Trend in Bayern
Für die Modellwohnung, mit der das Portal rechnet (75 Quadratmeter, drei Zimmer), liegt der Kauf-Angebotspreis in München, dem Stammsitz von BMW, bei rund 605.000 Euro, etwa 9500 Euro mehr als vor einem Jahr (plus 1,6 Prozent). Deutlicher zogen die Mieten an: Wer dieselbe Wohnung neu vermietet, verlangt im Schnitt 1615 Euro kalt im Monat, 55 Euro mehr als im Vorjahr (plus 3,5 Prozent).
Die vorläufigen Zahlen des städtischen Gutachterausschusses, der Kaufverträge auswertet, zeigen für gebrauchte Wohnungen im ersten Halbjahr 2026 im Mittel ein Plus von einem Prozent.
Auch an den elf anderen bayerischen Standorten der Auswertung sind Kaufpreise und Mieten gestiegen. Bei den Mieten liegt Nürnberg vorn (plus 3,7 Prozent). In der Audi-Stadt Ingolstadt kostet die Modellwohnung rund 885 Euro kalt (plus 2,7). Am schwächsten stiegen die Mieten im niederbayerischen Kreis Dingolfing-Landau, in dem BMW sein größtes Europa-Werk hat (plus 1,0).
Auffällige Preiskorrekturen?
Deutschlandweit ist das Bild damit uneinheitlich: Fünf der zwölf bayerischen Standorte bleiben unter dem bundesweiten Mietanstieg von 2,5 Prozent. An sechs der 50 deutschlandweiten Standorte sanken die Kaufpreise, neben Salzgitter etwa in Braunschweig, Zwickau, Chemnitz und Stuttgart. Immowelt-Chef Theo Mseka sagt: "In einzelnen Regionen zeigen unsere Daten auffällige Preiskorrekturen, die zeitlich mit den Umbau- und Sparmaßnahmen der dort ansässigen Automobilindustrie zusammenfallen."
Der Baufinanzierungsvermittler Interhyp sieht in einer Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für ihn erstellt hat, Hinweise, dass die Lage der Autoindustrie auf regionale Immobilienmärkte durchschlage. Junge Familien würden sich "genauer als früher überlegen", ob sie an einem Autostandort ein Haus kaufen, sagt Interhyp-Chef Jörg Utecht.
Weiterer Verlauf wird sich noch abzeichnen
In München seien die Preise für Einfamilienhäuser binnen eines Jahres um gut zwei Prozent gesunken, wird IW-Ökonom Michael Voigtländer in einer Mitteilung von Interhyp zitiert. Er nennt die Stadt als Beispiel dafür, dass sich die Preise in teuren Großstädten zuletzt abgeschwächt haben.
An anderen Autostandorten hänge die Entwicklung dagegen stark vom Umbau der Branche ab, schreibt das IW. Und der ist längst nicht abgeschlossen: Audi baut bis 2029 bis zu 7500 Stellen ab, VW will konzernweit weitere rund 50.000 streichen.
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