Trauer um den Landshuter Alt-OB Josef Deimer

Er war der Marathonmann der bayerischen Kommunalpolitik: 35 Jahre lang stand Josef Deimer an der Spitze der Stadt Landshut. Jetzt ist er im Alter von 90 Jahren gestorben.
Ute Wessels, dpa |
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Landshuts Altoberbürgermeister Josef Deimer ist im Alter von 90 Jahren gestorben. (Archivbild)
Landshuts Altoberbürgermeister Josef Deimer ist im Alter von 90 Jahren gestorben. (Archivbild) © picture alliance / dpa
Landshut

Josef Deimer war das Gesicht und die Stimme seiner Heimatstadt Landshut, ein Kämpfer für die Kommunen in Bayern, ein unermüdlicher Sozial- und Bildungspolitiker und - darauf war er besonders stolz - ein früher Atomkraftgegner. 1970 wurde Deimer mit 33 Jahren in Landshut zu Deutschlands jüngstem Oberbürgermeister gewählt. 35 Jahre später hörte er als der bundesweit dienstälteste Rathauschef auf. Am Mittwoch ist Deimer 90-jährig gestorben, wie der Bayerische Städtetag mitteilte.

Sechsmal wählten die Bürger in Landshut den CSU-Politiker Deimer zum Oberbürgermeister, schenkten ihm ihr Vertrauen. Der Tiefbau-Ingenieur galt als hartnäckig, sozial, visionär und dabei stets bürgernah und menschlich.

Und: Er galt als CSU-Rebell, auch das mag ihm Sympathien eingebracht haben. Er setzte etwa Umweltthemen auf seine politische Agenda zu einer Zeit, als es die Grünen noch gar nicht gab. Er positionierte sich klar gegen Kernkraft und gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf.

Für Überzeugungen eingestanden

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete Deimer als einen der prägendsten Kommunalpolitiker in der Geschichte des Freistaats. "Bürgernah, mutig, eigenständig und unbeirrt verkörperte er das, was die kommunale Familie so stark macht: Zusammenhalt, Verlässlichkeit und Bodenständigkeit."

Weiter sagte Söder, Deimer sei gegenüber Land und Bund unnachgiebig für die kommunalen Belange eingetreten und sei ein glaubwürdiger Förderer von Kultur, Umwelt und sozialem Zusammenhalt innerhalb der Stadt gewesen. "Die Wählerinnen und Wähler honorierten das ein ums andere Mal."

Unerschrocken sei er für seine Überzeugungen eingestanden - gegenüber politischen Freunden und Gegnern. "Dabei hatte er keine Angst vor Widerspruch - weder ihn zu leisten noch ihn zu bekommen", sagte Söder.

Von Finanzen bis Schulpolitik

Daran erinnerte auch der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, Markus Pannermayr (CSU): Deimer habe Mut vor dem Parteifreund bewiesen und im Rückblick auf sein Wirken "auf seine frühe hartnäckige Gegnerschaft zur Atomkraft" verwiesen.

Das Wirken Deimers umfasst aber so viel mehr. Knapp 30 Jahre lang war er Vorsitzender des Bayerischen Städtetags und später dessen Ehrenvorsitzender. "In sämtlichen Feldern der Kommunalpolitik war Josef Deimer ein sachkundiger Experte - für Daseinsvorsorge, Finanzausgleich, Europa, Energie, Mobilität, Sparkassenwesen, Bildungspolitik und Schule", so Pannermayr.

Deimer sei hartnäckig für eine angemessene Finanzausstattung der Kommunen und für das Konnexitätsprinzip eingetreten. Er habe die Folgen ungezügelter Privatisierung angemahnt und frühzeitig erkannt, welche problematischen Effekte der Verkauf kommunaler Ressourcen wie Wohnungen, Stadtwerke, Krankenhäuser oder Verkehrsbetriebe nach sich ziehe.

Liebenswürdig und herzlich

Pannermayr attestierte Deimer auch ein "enormes soziales Gespür". Der Alt-OB habe Sozialpolitik gelebt und im Sinn der christlichen Soziallehre an die Belange von Menschen gedacht, die auf der Schattenseite des Lebens standen. Deimer habe gleich Bildungschancen für alle gefordert und sich für die Ganztagsschule, für Erwachsenenbildung und für Volkshochschulen starkgemacht.

Zudem würdigte der Städtetag Deimer als Pionier im Einsatz für Naturschutz, Umweltbelange und Landesplanung. "Den Verbrauch von Fläche und Natur, die Versiegelung der Landschaft mit Beton und Asphalt wollte er mit einer gezielten Landesplanung bremsen."

Bei allen politischen Auseinandersetzungen sei Deimer liebenswürdig, optimistisch und fröhlich geblieben, unterstrich Pannermayr. Für sein Wirken wurde der Alt-OB mit einer Vielzahl an Ehrungen bedacht. In Landshut erinnert zudem ein nach ihm benannter Straßentunnel an die Ära Deimer.

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