Tragischer Wildunfall: Extremsportler verunglückt in Berchtesgaden

Der Extremradsportler und Wahl-Salzburger Max Riese hat die Rocky Mountains überstanden und das Hochgebirge Kirgisistans. Gestorben ist er auf der Bergstraße vor seiner Haustür am Roßfeld. Nach einem Zusammenstoß mit einem Hirsch.
Eine Autofahrerin fand ihn kurz nach 20 Uhr. Der Mann lag schwer verletzt auf der Fahrbahn der Roßfeld-Höhenringstraße, einen Kilometer vor der Mautstelle Nord.
Die Feuerwehren aus Au und Berchtesgaden rückten aus, ein Rettungshubschrauber landete, das Rote Kreuz kämpfte um ihn. Für Max Riese kam am Dienstag (15. September) jede Hilfe zu spät. Er starb noch an der Unfallstelle. Er wurde nur 36 Jahre alt.
Ermittlungen laufen: Was ist genau passiert?
Was genau geschah, rekonstruiert derzeit ein Sachverständiger im Auftrag der Polizeiinspektion Berchtesgaden. Zeugen gibt es bislang keine. Sicher ist nur: Riese fuhr bergab, und am Unfallort fanden die Beamten Haare von Rotwild.

Die Ermittler nehmen deshalb an, dass ein Tier in einer langgezogenen Kurve die Straße querte. Ob es ein Hirsch war, Alttier oder Kalb, ist offen. Verletzt haben dürfte es sich ebenfalls, eine nächtliche Nachsuche mit einem Jäger blieb erfolglos.
Brunftzeit: Polizei warnt vor Wildwechsel in der Dämmerung
Es ist die Art von Unfall, die in keiner Statistik auftaucht: Der Deutsche Jagdverband zählt jährlich rund 230.000 Stück Schalenwild, das im Straßenverkehr stirbt, der weitaus größte Teil davon Rehe. Rotwild kommt darin selten vor, und noch seltener trifft es einen Radfahrer.
Ein Hirsch wiegt bis zu 200 Kilo. Wer die Nordrampe des Roßfelds hinunterrollt, fährt 60 bis 70 Stundenkilometer. Mitte September beginnt in den Alpen die Brunft, das Rotwild wechselt dann weiträumig und unvorsichtig, oft in der Dämmerung. Die Polizei weist nach dem Unfall ausdrücklich darauf hin.
Max Riese gründete die Plattform gravgrav
Max Riese wurde am 1. Juni 1990 in Dresden geboren, aufgewachsen ist er in Hamburg und Würzburg, gelandet in Elsbethen bei Salzburg. Bis Anfang 20 fuhr er Straßenrennen im Leistungsbereich und hörte auf, weil ihm die Szene zu verbissen war. Er studierte Recht und Wirtschaft und machte sich während der Pandemie selbstständig.

Was danach kam, ist im Radsport einigermaßen einzigartig. Riese wurde Ultradistanzfahrer, gründete die Plattform gravgrav, ein europäisches Magazin und Netzwerk für Gravel und Bikepacking, also für Touren mit geländegängigem Rennrad und Radreisen mit Minigepäck. Er beriet Regionen beim Aufbau von Radrouten und entwarf mit dem Wossa-Trail eine 567 Kilometer lange Strecke durch Salzburg und das Salzkammergut.
Eine Lücke, die sich nicht füllen lässt
Im August 2025 fuhr er 95-mal den Gaisberg hinauf, 26.553 Höhenmeter in 37 Stunden und 37 Minuten, dreimal die Höhe des Mount Everest. Weltrekord, fast drei Stunden schneller als die alte Bestmarke.
Warum ausgerechnet der Hausberg? "Überraschungen zu beseitigen ist Leistung", hat er später erklärt. Im Mai gewann er das Hellenic Mountain Race in Griechenland. Ende August wurde er Zweiter beim Silk Road Mountain Race in Kirgisistan, gut 2000 Kilometer und 35.000 Höhenmeter über Pässe jenseits der 4000 Meter, in acht Tagen und 14 Stunden, und das krank. Er kam vor drei Wochen zurück. Im Oktober wollte er in der Türkei starten.
In den Sozialen Netzwerken trauert seither eine ganze Szene, unter dem Nachruf auf Instagram sammelten sich binnen eines Tages Hunderte Beileidsbekundungen aus aller Welt. Sein Kollektiv gravgrav schrieb dort, Riese hinterlasse "eine Lücke, die sich nicht füllen lässt", vor allem bei seiner Familie und seiner Partnerin.
Die frühere Rad-Profisportlerin Iris Slappendel, mit der er zuletzt das Projekt Lynx Trail aufgebaut hatte, schrieb, sie habe ihn als jemanden gekannt, "für den keine Herausforderung zu groß war". Er habe alles "mit einem breiten Lächeln" getan.
Weggefährten verabschieden sich von Max Riese
Der französische Ultraradfahrer Sofiane Sehili, mit dem Riese Südafrika und Namibia durchquert hatte, schrieb: "Vielleicht war er Außenstehenden nicht der Bekannteste, aber für alle, die Bikepacking leben, war er eine Säule. Er war Max."
Die Roßfeld-Höhenringstraße ist die höchste durchgehend befahrbare Straße Deutschlands. Von Elsbethen aus ist sie eine naheliegende Trainingsrunde. Riese ist sie unzählige Male gefahren.