Touristensee in Bayern: Friert er diesen Winter wieder zu?

Die Schifffahrt am Königssee ist wegen Vereisung derzeit eingestellt – aber friert der See in diesem Winter wirklich zu? Zuletzt war das vor 20 Jahren der Fall – welche Bestimmungen gelten könnten.
Maximilian Neumair |
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Menschen laufen über den zugefrorenen Königssee im Berchtesgadener Land im Jahr 2006. Seitdem ist der See kein einziges Mal so zugefroren, dass er zum Begehen freigegeben worden ist.
Menschen laufen über den zugefrorenen Königssee im Berchtesgadener Land im Jahr 2006. Seitdem ist der See kein einziges Mal so zugefroren, dass er zum Begehen freigegeben worden ist. © IMAGO/imageBROKER/Torsten Fleer (www.imago-images.de)

Am Königssee geht gerade nichts mehr: Die Schifffahrt ist wegen teilweiser Vereisung bis auf Weiteres eingestellt, heißt es auf der Webseite der Schifffahrt Königssee. Und plötzlich ist sie wieder da, diese große Winter-Frage im Talkessel: Friert er diesmal wirklich zu? Der letzte Winter, in dem der Königssee mit Eis bedeckt und offiziell freigegeben war, liegt inzwischen genau 20 Jahre zurück.

Winter 2005/2006: Damals wurde aus dem berühmtesten bayerischen Bergsee für kurze Zeit ein begehbarer Weg nach St. Bartholomä. An insgesamt 29 Tagen war der Königssee offiziell für Fußgänger freigegeben. Die Eisdecke erreichte stellenweise bis zu 40 Zentimeter. Der See wurde zum Winter-Ausflugsziel: Menschen spazierten nach St. Bartholomä, manche schoben Kinderwagen, andere kamen mit Langlaufskiern oder sogar mit dem Fahrrad. Für zehntausende – teils pro Tag – wurde die Fläche zur Promenade.

Königssee: In 135 Jahren nur zwölfmal freigegeben

Das Zufrieren des Königssees gilt als so selten, dass ein Leben kaum reicht, um es an zwei Händen abzuzählen. Der bayerische Bergsee friert wegen seiner Größe und Tiefe nur in sehr kalten, zugleich windstillen Phasen komplett zu.

Winter 2006: Menschen spazieren über die weite Eisfläche des Königssees, die Sonne steht grell über dem Talkessel.
Winter 2006: Menschen spazieren über die weite Eisfläche des Königssees, die Sonne steht grell über dem Talkessel. © Ulrike Goßner

Vor 2006 wurde die Eisfläche offiziell in den Jahren 1997, 1987 und 1985 freigegeben, jeweils in Wintern, in denen der See ausreichend stark und zusammenhängend zufror. Ein Maß für die Seltenheit liefert der Blick ins Archiv. In den vergangenen mehr als 135 Jahren sei der Königssee nur zwölfmal zum Betreten freigegeben worden, berichtete einst der Gemeindearchivar Erhard Moldan von Schönau am Königssees in einer ServusTV-Sendung.

Der Königssee ist kein kleiner Weiher, der nach ein paar Frostnächten "dicht" macht und begehbar wird. Er ist groß, tief und beim Zufrieren maximal träge. Bis zu 190 Meter reicht er nach unten, über sieben Kilometer zieht er sich fjordartig durchs Tal, eingeklemmt zwischen steilen Berghängen.

Beliebtes Ausflugsziel am Westufer des Königssees ist die Wallfahrtskirche St. Bartholomä. Ist der Königssee zugefroren, spazieren Menschen über das Eis zur Kirche.
Beliebtes Ausflugsziel am Westufer des Königssees ist die Wallfahrtskirche St. Bartholomä. Ist der Königssee zugefroren, spazieren Menschen über das Eis zur Kirche. © IMAGO/Zoonar.com/Torsten Fleer (www.imago-images.de)

Damit sich hier eine tragfähige Eisdecke bilden kann, braucht es neben Minusgraden eine längere Kältephase und möglichst windstille Tage, damit die Wasserumwälzung gering bleibt und sich das Eis bilden kann. Der Deutsche Wetterdienst nennt als Richtwert für stehende Gewässer mindestens 15 Zentimeter Eisdicke, um diese betreten zu können.

VW Käfer bricht in den Königssee ein

Kommt es tatsächlich zur Freigabe, wie vor 20 Jahren, gelten klare Regeln, die eine Eiskommission festlegt. In früheren Jahren wurde für Fußgänger und Langläufer ein markierter Weg über den See angelegt, mit eigener Spur für Hin- und Rückweg. Wer ihn verlässt, verlässt die dickste Eisschicht.

Skiläufer und Radfahrer sind im Jahr 2006 auf dem zugefrorenen Königssee unterwegs.
Skiläufer und Radfahrer sind im Jahr 2006 auf dem zugefrorenen Königssee unterwegs. © IMAGO/imageBROKER/Torsten Fleer (www.imago-images.de)

Wie gefährlich das Betreten des Sees sein kann, zeigt eine Geschichte aus dem Winter 1963/64: Ein Einheimischer fuhr trotz Sperrung mit einem VW Käfer über das Eis Richtung St. Bartholomä. Auf dem Rückweg brach der Wagen in der Nähe der Falkensteinerwand an einer nicht zugefrorenen Stelle ein. Das Wrack wurde erst Jahrzehnte später entdeckt, mit Hilfe eines U-Boots. Auch heute noch liegt das Fahrzeug am Grund des Königssees. 

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