Tötung von Bahn-Mitarbeiter: Bayerischer Verkehrsminister warnt vor Aktionismus

Die Tram hält. Der Fahrer erklärt in einer Durchsage, dass er mit Bierflaschen angegriffen worden sei und jetzt auf die Polizei warte. Derlei Angriffe wie am Dienstagabend in München zeigen, dass die Tötung des Bahnmitarbeiters in Rheinland-Pfalz weder ein Einzelfall noch auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn oder gar ein bestimmtes Bundesland beschränkt ist – wenngleich das Ausmaß der Gewalt im Fall von Serkan C. natürlich durchaus außergewöhnlich war.
Bayerische Regierungspolitiker zeigen sich betroffen. Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) teilt der AZ mit: "Diese grausame Tat zeigt, dass wir die Sicherheit im Öffentlichen Personenverkehr mit konsequenten Maßnahmen weiter stärken müssen. Beschäftigte und Fahrgäste müssen sich im Schienen-und Nahverkehr jederzeit sicher fühlen können."
Berneiter: Auch mit zwei Zugbegleitern keine 100-prozentige Sicherheit
Der Bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), der auch Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz ist, warnt allerdings vor Aktionismus: "Wir müssen überlegen, was wirklich faktisch zu einer Erhöhung der Sicherheit beitragen kann."
Es komme stark auf die Umstände an, wie viele Zugbegleiter eingesetzt werden, wie etwa die Fahrtdauer, die Größe des Zugs und die durchschnittliche Anzahl an Gästen.

Er teilt der AZ mit: "Auch mit zwei Zugbegleitern kann man nicht für hundertprozentige Sicherheit sorgen. Da gibt es nicht die perfekte Lösung von einem Tag auf den anderen." Über entsprechende Maßnahmen wollen die Verkehrsminister ihm zufolge in der nächsten Konferenz aber ausführlich beraten.
Momentan ist es so, dass auf manchen Teilstrecken im Freistaat laut der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) die Eisenbahnunternehmen gar keine Zugbegleiter einsetzen. Die derzeitige Quote von gerade einmal 25 Prozent der Züge, die mit Begleitern besetzt sind, soll demnach auf 100 Prozent erhöht werden. Einen Angriff wie in Rheinland-Pfalz würde das aber nicht verhindern.
Verpflichtendes Sicherheitspersonal in Regionalbahnen
Die BEG teilt auf Nachfrage der AZ jedoch mit, dass sie verpflichtend Sicherheitspersonal seit Beginn der S-Bahn-Verträge vorschreibe – in Nürnberg also seit 2019 und in München seit 2021. Dieses sei "im Rahmen eines konkreten Stundenkontigents in Doppelstreife einzusetzen". Das heißt, um Geld zu sparen, können die Einsatzstunden nicht einfach reduziert werden. Diese Regelung gilt seit 2023 flächendeckend auch in allen Regionalverkehrsnetzen.

Außerdem sind laut BEG alle Fahrzeuge im Schienenpersonennahverkehr videoüberwacht – mit Ausnahme der Alex-Wagen der Länderbahn. Aus Datenschutzgründen handelt es sich dabei allerdings um Aufzeichnungen und nicht um Echtzeitübertragungen.
Von den rund 3000 verbalen und körperlichen Angriffen auf Bahnpersonal dürfte auch ein großer Teil auf das zweit-einwohnerreichste Bundesland Bayern entfallen. Zahlen, die nach den Ländern und Regionen unterscheiden, gibt es jedoch nicht, wie die DB Bayern auf Nachfrage der AZ mitteilt.
Auch die Bundespolizei kann bis Redaktionsschluss auf Anfrage keine konkreteren Zahlen nennen. Dieselbe unklare Datenlage gilt auch für den Öffentlichen Nahverkehr in München.
Wie hoch die Anzahl an Angriffen auf Personal in Bus, Tram und U-Bahn ausfällt, muss laut Polizei erst ausgewertet werden, wie es auf Nachfrage heißt. Die MVG äußert sich zu konkreten Zahlen ebenfalls nicht.