Tödliche Kuh-Attacke: Wie man sich als Wanderer richtig verhält

In Tirol haben Kühe ein Ehepaar angegriffen. Die Hintergründe sind noch unklar. Es ist nicht der erste Fall. Wie reagiert man richtig und was sollte man unbedingt vermeiden?
Autorenprofilbild Rosemarie Vielreicher
Rosemarie Vielreicher
|
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Wanderer auf Almwiese in Tirol: Begegnungen mit Kühen können idyllisch wirken – doch immer wieder kommt es zu gefährlichen Angriffen.
Wanderer auf Almwiese in Tirol: Begegnungen mit Kühen können idyllisch wirken – doch immer wieder kommt es zu gefährlichen Angriffen. © imago/Chromorange/Weingartner

Warum hat eine Kuhherde in Österreich zwei Wanderer angegriffen? Diese Frage beschäftigt aktuell die Polizei in Tirol. Eine Frau (67) aus Österreich kam bei der Attacke am Sonntag (17. Mai) ums Leben. In dem ausgewiesenen Weidegebiet befand sich "eine mittlere zweistellige Anzahl von Kühen", so die Polizei.

Der Mann (65) des Opfers wurde schwer verletzt. Warum die Tiere in der Region Oberlienz aggressiv auf die beiden reagierten, muss nun geklärt werden. Wie die Tiroler Polizei der AZ am Montag mitteilte, konnte der schwer verletzte Mann bisher nicht vernommen werden.

Die Kuh-Attacke ist nicht der erste Fall

Es ist selten, aber nicht der erste derartige Fall. Ein paar Beispiele: Im Juni 2020 etwa kam es in Tirol innerhalb kurzer Zeit zu zwei Kuh-Angriffen. Eine Krankenschwester (37) aus Nürnberg, ein Mann (48) aus Ebersberg und ein Kind (4) aus Schwaben wurden dabei verletzt.

Eine Kuh steht an einem Warnschild vor Weidevieh in Tirol.
Eine Kuh steht an einem Warnschild vor Weidevieh in Tirol. © imago/Jürgen Schwenkenbecher

Diese Attacken spielten sich damals in einem Weidegebiet mit 44 Rindern beim Vilsalpsee ab. Zunächst war die 37-Jährige angegriffen worden, 90 Minuten später die zwei weiteren Familien aus Bayern. Auf derselben Wiese.

Österreicher (85) stirbt nach Kuh-Angriff

Im September 2025 starb in Österreich ein Wanderer (85), er wurde in Ramsau am Dachstein von einer Kuhherde angegriffen. Das Wiener Ehepaar samt Hund war den Mutterkühen mit Kälbern auf einem Forstweg begegnet.

Was kann Kühe angriffslustig machen? Und wie reagiert man als Wanderer richtig?

Wann Kühe sich bedroht fühlen können

Die AZ hat beim Deutschen Alpenverein nachgefragt. Ein Sprecher der Bundesgeschäftsstelle mit Sitz in München teilt am Montag mit: "Angriffe durch Kühe entstehen meistens dann, wenn sich die Tiere bedroht fühlen. Das kann der Fall sein, wenn Wandernde in ihren unmittelbaren Lebensraum eindringen und die Kühe keine Rückzugsmöglichkeiten haben."

Zu beachten: Besonders Mutterkühe reagierten sensibel, wenn sie ihre Kälber in Gefahr sehen. "Auch mitgeführte Hunde können bei Rindern Stress auslösen und als Bedrohung wahrgenommen werden."

Wie man gestresste Rinder erkennt

Wichtig ist deswegen: "Besonders zu Kälbern sollte deshalb unbedingt genug Abstand eingehalten werden." Der Sprecher nennt mindestens 20 bis 50 Meter als Richtlinie.

Das Schild weist darauf hin, dass man auf Kühe treffen könnte.
Das Schild weist darauf hin, dass man auf Kühe treffen könnte. © imago/Chromorange/Weingartner

Der DAV-Sprecher erklärt, auf welches Verhalten man bei Rindern achten sollte: "Ein Alarmzeichen kann es sein, wenn eine Kuh Wandernde lange in den Blick nimmt und nicht nur kurz aufsieht." Oder aber: "Unterbricht eine Kuh länger das Grasen, kann das ebenso als Alarmsignal gedeutet werden wie Scharren, Schnauben oder lautes Muhen."

Die Tierschützer von Vier Pfoten nennen zudem das Senken des Kopfes als Warnsignal: "Senken Rinder bei einer Konfrontation den Kopf, ist das eine unmissverständliche Drohgebärde."

Keine Panik verbreiten, nicht streicheln

Wie verhält man sich als Wanderer richtig? "Grundsätzlich ist Abstand und Ruhe von großer Bedeutung – Kühe, besonders auch Kälber, sind keine Streicheltiere und sollten nicht berührt werden. In der Nähe von Weidetieren sollte auf hektische Bewegungen und Lärm verzichtet werden, um die Tiere nicht zu erschrecken."

Eingezäunte Weiden sollten gar nicht erst betreten werden. "Auf Weidegebiet sollten Wanderwege nicht verlassen werden." Lieber einen Umweg in Kauf nehmen, um den Abstand wahren zu können.

In diesem Extremfall Hund laufen lassen

Eine wichtige Regel für Hundebesitzer: die Tiere immer anleinen, "außer im Fall eines Angriffs: Dann sollte der Hund laufen gelassen werden, um sich selbst nicht weiter zu gefährden".

Im Ernstfall gilt neben Ruhe: "Wenn sich eine Kuh tatsächlich aggressiv nähert, sollte dem Tier nicht der Rücken zugewendet werden und die Weidefläche ruhig und zügig verlassen werden."

Wenn ein solcher Rückzug nicht mehr möglich ist, könne man sich im Extremfall durch einen Schlag auf die Nase der Kuh verteidigen, etwa mit einem Wanderstock. Das sollte aber aus Sicht des Alpenvereins nur sehr selten nötig sein, wenn man mit Respekt und Ruhe agiert.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.