Tierärzte für Stopp von Viehtransporten in Nicht-EU-Länder

Tierschützern sind sie schon lange ein Dorn im Auge - Viehtransporte in Länder außerhalb der EU. Dass dabei die EU-Rechtsvorschriften eingehalten werden, darauf pochen auch viele Amtstierärzte - und appellieren jetzt an das Verantwortungsgefühl ihrer Berufskollegen.
| dpa
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Kälber werden auf einem LKW transportiert. Foto: Ulrich Perrey/Archivbild
dpa Kälber werden auf einem LKW transportiert. Foto: Ulrich Perrey/Archivbild

Nürnberg (dpa/lby) - Bayerische Tierärzte sprechen sich weiterhin für einen Stopp von Tiertransporten in Länder außerhalb der EU aus, solange die Einhaltung der gesetzlich geforderten Ruhe- und Umladezeiten für die Tiere nicht garantiert seien. Eine besondere Verantwortung trügen hier die Amtstierärzte in den sogenannten Sammelstellen; dort würden Langstrecken-Transporte von Rindern, Schafen, Schweinen und Ziegen zusammengestellt und von den Veterinären abgefertigt, sagte die Amtstierärztin des Landkreises Oberallgäu, Gabriele Fuchs, im Vorfeld des Bayerischen Tierärztetages an diesem Freitag (31. Mai) in Nürnberg.

Solange die von den Länderagrarministern im April vereinbarte Datenbank über Transportbedingungen und Schlachtpraktiken in Nicht-EU-Ländern nicht aufgebaut sei, könnten die Amtstierärzte in Sammelstellen Viehtransporte in Länder außerhalb der EU unmöglich abfertigen, sagte die Tierärztin. Sie will dafür auch auf dem Tierärztetag werben. Die Agrarminister hatten außerdem vereinbart, Länder, die gegen geltende Vorschriften verstoßen, zu listen und für Tiertransporte zu sperren. Auf dem Tierärztetag geht es außerdem noch um eine verbesserte Tierseuchen-Vorsorge.

Grundsätzlich muss nach Fuchs' Einschätzung dafür gesorgt werden, dass entlang von Viehtransportrouten, etwa nach Usbekistan, ausreichend zertifizierte Entlade-und Versorgungsstationen geschaffen würden. Nur so sei garantiert, dass die Fahrer die Tiere ordnungsgemäß füttern, tränken und nach einem längeren Transport vorübergehend entladen könnten, gab die Sonthofener Amtstierärztin zu bedenken. Darüber hinaus müsse auch mit technischen Mitteln überwacht werden, dass die Fahrer diese Versorgungsstationen auch nutzten und "nicht fünf Tage lang einfach durchfahren", sagte Fuchs.

Bisher behaupteten Transportunternehmen zwar immer wieder, sie würden auf solchen Langstreckentransporten über mehrere Tausend Kilometer die EU-Rechtsvorschriften einhalten. Nachforschungen hätten jedoch bisweilen ergeben, dass die Fahrer die verlangten Pausen mehr oder weniger vortäuschten. "Schaut man sich die GPS-Daten von Tiertransporten genauer an, dann befand sich die angebliche Entladestelle zum Ausruhen der Tiere in einem Wohngebiet, wo es weit und breit keinen geeigneten Stall für die Tiere gab", sagte Fuchs.

In Bayern sorgen Viehtransporte in Länder außerhalb der EU seit Monaten für Streit zwischen Tierärzten und Tierschützern einerseits und Viehzuchtverbänden andererseits. Nachdem amtliche Veterinäre immer häufiger Tiertransporte in Nicht-EU-Staaten die Genehmigung verweigerten, hatte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) im März eine Liste mit 17 Ländern erarbeitet, bei denen Zweifel bestünden, dass in diesen Ländern europäische Tierschutzstandards eingehalten würden. Zuchtverbände hatten sich gegen Einschränkungen gewehrt und mit einem Urteil des Verwaltungsgerichts München Rückdeckung bekommen.

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