Terror-Ermittlungen gegen 15-Jährigen aus Augsburger Umland

Er ist 15 Jahre alt, hat bei einer Explosion zwei Finger verloren – und soll einen Terroranschlag vorbereitet haben. Nun hat die Generalstaatsanwaltschaft München den Jugendlichen aus dem Landkreis Augsburg wegen Terrorverdachts angeklagt. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Die Vorwürfe: unter anderem Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, vorsätzlicher unerlaubter Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und gefährliche Körperverletzung. Verhandelt wird vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Augsburg.
Hausdurchsuchungen bereits im Oktober 2025
Ihren Ausgang soll die Sache an einem Dienstagabend Ende Oktober 2025 genommen haben, so berichtete es die "Augsburger Allgemeine", die sich mehrfach mit dem Fall beschäftigt hat, bereits Anfang Juni. An einem Ortsrand im Landkreis soll der Jugendliche eine mit Sprengstoff gefüllte Kugelbombe gezündet haben. Dabei soll er sich zwei Finger abgetrennt haben, ein Freund sei leicht verletzt worden.
Noch in derselben Nacht rückten der Recherche zufolge Spezialkräfte zu seinem Wohnhaus aus. In seinem Zimmer sollen Beamte Fahnen und Symbole gefunden haben, was genau sie zeigten, bleibt in den Berichten offen. Dafür wird es bei den digitalen Funden konkret: Inhalte mit Bezug zum sogenannten Islamischen Staat, darunter Videos von Hinrichtungen, Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen und Aufrufe zum militanten Dschihad, also dem bewaffneten Kampf zur Umgestaltung von Staat und Gesellschaft.
Diskussion um Motiv
Was Fragen aufwirft: Ein Dokument soll ein Anschlagsszenario auf eine Synagoge enthalten haben, an anderer Stelle sei darin aber auch von einer Moschee als möglichem Ziel die Rede gewesen. In der Garage sollen rund drei Kilogramm Böller gelagert haben.
Die Generalstaatsanwaltschaft hatte im vergangenen Monat mitgeteilt, der Jugendliche solle mit dem IS sympathisiert und pyrotechnische Gegenstände gehortet haben, um damit einen Anschlag insbesondere auf eine Synagoge zu verüben.
In ersten Vernehmungen habe er sich vom IS distanziert und Gewalt abgelehnt, was die Ermittler laut der "Augsburger Allgemeinen" für wenig glaubwürdig halten. In einer Chatgruppe mit anderen Jugendlichen soll er zudem vorgeschlagen haben, mit Autos in eine Menschenmenge zu fahren.
Verhandlung für September angesetzt
Mitte Dezember nahmen ihn Spezialkräfte demnach fest. Seither sitzt er in Untersuchungshaft, ein besonders junger Häftling und lange Ermittlungen bis zur nun erhobenen Anklage. Ein Einzelfall ist das nicht: Sicherheitsbehörden warnen seit Jahren vor einer wachsenden Radikalisierung schon unter Minderjährigen.
Der Prozess soll nach Angaben einer Gerichtssprecherin am 10. September beginnen. Angesetzt sind fünf Verhandlungstage, ein Urteil könnte am 1. Oktober fallen. Weil der Angeklagte minderjährig ist, verhandelt das Jugendschöffengericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit, so schreibt es das Jugendgerichtsgesetz vor. Dass gleichwohl schon vor Prozessbeginn zahlreiche Details öffentlich sind, steht zu diesem Schutzgedanken in einem gewissen Spannungsverhältnis.
Sein Verteidiger soll den Vorwurf eines geplanten Anschlags zurückgewiesen haben, konkrete Anschlagspläne habe es nicht gegeben. Ob solche existierten und wie konkret sie waren, dürfte die entscheidende Frage werden.