Tanja ist erst 18 und kämpft gegen Leukämie: Jetzt sucht sie die lebensrettende Spende
Tanja aus Waging am See ist erst 18 Jahre alt. Alle Träume, alle Möglichkeiten liegen in diesem Alter noch vor einem. Doch bei der jungen Frau aus dem Landkreis Traunstein beginnt kurz nach Neujahr ein Albtraum.
Sie kommt an Silvester ins Krankenhaus, Anfang Januar erhält sie die Diagnose Leukämie. Von einem Tag auf den nächsten ist alles anders. Krankenhaus, Behandlungen und die Suche nach einem Stammzellenspender.
"Es war ein gscheider Schock", sagt ihr Bruder Simon Ostermann im Gespräch mit der AZ. Er beschreibt seine Schwester als lebensfrohen und hilfsbereiten Menschen. Sie ist BRK-Mitglied, engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich bei der Wasserwacht und gehört auch der Feuerwehr an. Auf Bildern aus sorgenfreien Tagen ist sie im Dirndl zu sehen oder in der Natur, umgeben von Bergen.
Eigentlich absolviert sie gerade eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Doch die muss jetzt erst einmal warten.
Möglichst wenig Kontakt mit vielen Menschen
Der Blutkrebs wird bei ihr eher zufällig entdeckt. Die 18-Jährige habe leichte Schmerzen am Knie gehabt. Daraufhin werden ihre Laborwerte genauer untersucht und die Leukämie festgestellt.
Nun sei sie viel im Krankenhaus, bekomme Chemotherapie und etwa auch eine Antibiotika-Medikation. "Es geht auch um die Isolation, weil ihr Immunsystem durch die Leukämie sehr geschwächt ist."
Große Unterstützung: So kann man helfen
Die Unterstützung vom Bayerischen Roten Kreuz, der Feuerwehr und der Wasserwacht hebt ihr Bruder im Gespräch hervor. Es gab bereits mehrere Typisierungsaktionen. Es ist aber noch kein passender Spender gefunden worden, innerhalb der Familie sei niemand geeignet.
Deswegen zählt jeder Einzelne, der sich für eine Stammzellspende registrieren lässt. "Man kann helfen, indem man sich bei der DKMS oder der AKB registriert. Es ist nicht nur für Tanja wichtig, sondern für alle Betroffenen, die an Leukämie erkrankt sind."
Je mehr sich registrieren, desto größer ist die Chance
Auch das Bayerische Rote Kreuz schreibt im Zusammenhang mit Tanjas Schicksal: "Je mehr Menschen typisiert sind, desto größer ist die Chance, für Betroffene einen genetisch passenden Spender zu finden." Über 1600 Personen haben den BRK-Aufruf allein bei Facebook schon geteilt.
Innerhalb des Bayerischen Roten Kreuzes gibt es zudem gerade eine zweite Leukämie-Patientin, Anne (38) aus dem Kreisverband Rosenheim. Bei ihr kam der Krebs zurück und auch sie braucht einen Stammzellspender.
Sie findet es stark, dass so viele helfen, und das macht sie glücklich. Sie würde sich am liebsten bei jedem Einzelnen bedanken
Eine Registrierung zur Stammzellspende sei "einfach, kostenlos und schmerzfrei", so das BRK. Man kann sich unter anderem bei der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) registrieren oder bei allen anderen anerkannten Stammzellspenderdateien.
Wie die AKB erläutert, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Typisierung: Für Zellen aus der Mundschleimhaut wird die Wange mit einem Tupfer abgestrichen, die zweite Möglichkeit für eine Probe ist durch Blutentnahme.
DKMS: Diese Altersbeschränkung gilt
Was man grundsätzlich wissen muss: Es gibt laut DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei, d. Red) eine Altersbeschränkung für die Registrierung als Spender. Jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren kann sich als potenzieller Stammzellspender registrieren lassen. 17-Jährige können sich schon eintragen lassen und werden ab dem 18. Geburtstag bei der Suche nach Spendern aktiviert. Die Altersgrenze nach oben für eine Spende liegt demnach bei 61.
Wie wahrscheinlich ist es, dass man wirklich zum Spender wird? Die DKMS schreibt auf ihrer Homepage: "Nach unserer Erfahrung kommt es bei etwa einem von 100 registrierten, potenziellen Stammzellspendern zu einer Stammzellspende. Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich Stammzellen zu spenden, liegt also bei etwa einem Prozent."

Was ist eigentlich Leukämie? Die DKMS erklärt: "Blutkrebs (Leukämie) ist ein Sammelbegriff für verschiedene bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems, bei denen Blutzellen entarten und sich unkontrolliert vermehren." Diese "entarteten Zellen" verdrängten dann die roten und weißen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen.
Das passiert bei Leukämie im Körper
Das hat gravierende Folgen: Rote Blutkörperchen transportierten normalerweise Sauerstoff, weiße Blutkörperchen bekämpften Infektionen. Die Blutplättchen wiederum stoppten Blutungen, wie die DKMS-Experten erklären. "Werden diese gesunden Blutzellen von funktionsuntüchtigen, kranken Zellen verdrängt, kann das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben nicht mehr übernehmen."
"Sie würde sich am liebsten bei jedem Einzelnen bedanken"
Tanjas Familie versucht gerade, möglichst viel Zeit mit ihr zu verbringen, erzählt ihr Bruder. Zum Beispiel beim gemeinsamen Essen, bei Spieleabenden oder auch beim Training mit ihrem neuen Hund. Wichtig: Kontakt zu großen Menschenmengen sollte sie nicht haben. "Das ist das Wichtigste, was wir einhalten müssen."

Zu groß wäre die Ansteckungsgefahr mit Erregern. An Fasching hätten sie zum Beispiel abgeschottet von einem Laden aus das bunte Treiben verfolgt, damit sie ein bisserl dabei sein kann, aber eben nicht mittendrin ist.
Die Unterstützung der Vereine und aller Spendenwilligen tue Tanja gut. Ihr Bruder sagt: "Sie findet es stark, dass so viele helfen, und das macht sie glücklich. Sie würde sich am liebsten bei jedem Einzelnen bedanken."
https://akb.de/akb-aktion/online-registrieren-tanja-traunstein/
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