Tag der Archive mit Briefen von Luther und Goethe

Handgeschriebene Briefe oder Zeichnungen waren früher die Wege der Kommunikation, und ihre Überbringung konnte schon mal Wochen dauern. Heute geht eine Nachricht in Sekundenbruchteilen um die Welt. Ein Thema auch für die Archivare.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Zeichnungen von Johannes Formschneider (etwa 1480) sind im Archiv des Deutschen Museums zu sehen. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild
dpa Zeichnungen von Johannes Formschneider (etwa 1480) sind im Archiv des Deutschen Museums zu sehen. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild

München (dpa/lby) - Der radikale Wandel der Kommunikation ist in diesem Jahr Hauptthema am Tag der Archive. Unter dem Motto "Von der Depesche zur E-Mail" öffnen dazu am Wochenende mehrere Hundert Einrichtungen bundesweit ihre Magazine für die Öffentlichkeit.

Mit Ausstellungen, Führungen und Präsentationen zeigen Archive im Freistaat Kommunikationsformen von damals und heute. "Archive sind unser kollektives Gedächtnis. Gerade in Zeiten von Fake News und wachsendem Populismus sind unsere Archive eine wichtige Anlaufstelle der Erinnerung und der Wahrheit", sagte Kunst- und Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU).

Im Staatsarchiv München etwa liest der Schauspieler Winfried Frey aus Akten zu kuriosen Betrugsfällen in Oberbayern. Das Staatsarchiv Coburg etwa präsentiert am Montag Unterlagen aus seinen Beständen, die Spanne reicht vom Briefeschreiber Martin Luther über Coburger Pioniere, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit Radio- und Funkwellen experimentierten, bis zur Kommunikation an der deutsch-deutschen Grenze in der Zeit des Kalten Krieges. Das Bayerische Hauptstaatsarchiv bietet unter anderem Führungen durch die Restaurierungswerkstatt sowie Kurzvorträge zu NS-Kunstraub und Provenienzforschung.

Im Deutschen Museum sind eine 1929 aus einem Zeppelin abgeworfene Karte aus der Luft ebenso zu sehen wie der weltweit erste Unterwasserbrief. Der U-Boot-Konstrukteur Wilhelm Bauer schrieb 1856 einen Brief an seine Eltern - aus einer Tiefe von 15 Fuß, nicht mal fünf Meter.

Die Dokumente enthüllen auch, dass Johann Wolfgang von Goethe nicht nur dichtete, sondern auch Steine sammelte. Im Januar 1832 kündigte er einem Daniel Knoll per Brief eine Sendung gesammelter Steine an. Johann Wolfgang von Goethe wollte laut Archivleiter Wilhelm Füßl in Karlsbad die Mineralien an Kurgäste verkaufen lassen. Aus der Souvenir-Idee wurde aber nichts - Johann Wolfgang von Goethe starb im März, bevor die Kursaison begann.

Passend zur Corona-Thematik gibt es im Deutschen Museum auch ein Schreiben, das im 19. Jahrhundert wegen der damals grassierenden Cholera zur Desinfektion erst einmal ausgeräuchert wurde. Das nach seiner Ausstellungsfläche größte Wissenschafts- und Technikmuseum der Welt hat sein Archiv nicht im Keller, sondern im dritten Stock - zum Schutz wertvoller Dokumente auf der Museumsinsel vor Hochwasser der Isar. Es umfasst 4,7 Regal-Kilometer. Dort lagern unter anderem Handschriften, Pläne, Zeichnungen, Stiche und Grafiken, aber auch 1,4 Millionen Fotos, 3000 Medaillen und 3000 Filme und Videos.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren