Auch in Ihrem Garten? Woran Sie diese eingewanderte Tierart und ihre "Superkolonien" erkennen

Klein, aber nicht harmlos: Die Große Drüsenameise stammt aus dem Mittelmeerraum und hat hierzulande schon erhebliche Schäden verursacht. Auch in Bayern wurde sie schon gesichtet.
Ralf Müller |
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Die invasive Große Drüsenameise ist an ihrer tiefschwarzen Farbe und der enormen Koloniebildung zu erkennen.
Die invasive Große Drüsenameise ist an ihrer tiefschwarzen Farbe und der enormen Koloniebildung zu erkennen. © Uli Deck/dpa

Im Untergrund tut sich etwas. Noch halten sich die Aktivitäten der "Großen Drüsenameise" (Tapinoma magnum) in Bayern in Grenzen, aber Genaues weiß man nicht. Die mutmaßlich invasive, also für heimische Arten und Biotope schädliche Art, eingeschleppt aus dem westlichen Mittelmeerraum und Nordafrika, treibt ihr Unwesen bislang vor allem in Baden-Württemberg, was bereits zu Strom- und Internetausfällen führte.

Inzwischen sind aber auch schon Kolonien in Hösbach bei Aschaffenburg und entlang von Bahnlinien in Unterfranken beobachtet worden. Auch im Bereich des neu entstehenden Campus der Technischen Universität Nürnberg haben es sich die Einwanderer nach Angaben des bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) eingerichtet.

Das mag man sich gar nicht vorstellen

Freiburger Forscher Volker Nehring

Von Horrorvisionen nach dem Muster des Science-Fiction-Klassikers "Phase IV", in dem sich Ameisen zu intelligenten Mega-Kolonien zusammenschließen, ist Tapinoma magnum zwar weit entfernt, aber von "Superkolonien" sprechen die Wissenschaftler durchaus. Man habe es mit verschiedenen genetischen Grundmustern zu tun, erläuterte der Freiburger Forscher Volker Nehring in der "Badischen Zeitung": "Das hat für uns Menschen einen Vorteil: Die einzelnen Kolonien halten sich in Schach. Wären alle genetisch identisch, würde es zu einer riesigen Superkolonie kommen – das mag man sich gar nicht vorstellen."

In Unterfranken wurden Kolonien an Bahnlinien entdeckt.
In Unterfranken wurden Kolonien an Bahnlinien entdeckt. © IMAGO/Ardan Fuessmann

Kinderspielplatz von kleinen Krabblern unterhöhlt

Aber auch anderenfalls können die Krabbler unangenehm werden. Sie unterhöhlen Natursteinmauern und Gehwege und dringen in die Nähe von Stromkästen vor. Auf Friedhöfen können sie Grabsteine zum Umkippen bringen und an Häusern Außentürschwellen zum Absacken. Im August 2024 musste ein Kinderspielplatz in Kehl (Baden-Württemberg) komplett gesperrt werden, weil die Ameisen den Boden einen Meter tief unterhöhlt hatten.

Auch auf Spielplätzen macht die Ameise Ärger.
Auch auf Spielplätzen macht die Ameise Ärger. © Christoph Jendral via imago-imag

Im Gegensatz zu heimischen Arten bildet die Große Drüsenameise Netzwerke mit Millionen von Arbeiterinnen und Tausenden von Königinnen. Die Tiere gelten als sehr aggressiv und bedrohen heimische Ameisenarten, von denen übrigens die meisten unter Naturschutz stehen.

Die Fachleute sind sich ziemlich einig über den Weg, den die Große Drüsenameise nach Mitteleuropa vermutlich weiterhin nimmt. Sie wandert nicht unterirdisch, sondern reist im Wurzelwerk von Zierpflanzen und Sträuchern, die beispielsweise über Baumärkte vertrieben werden. "Oft liegen die Fundorte in räumlicher Nähe zu Gartencentern, Baumschulen und Industriegebieten", berichtet das LfU. 

Aus dem Gartencenter verbreiten sich die Großen Drüsenameisen wohl weiter.
Aus dem Gartencenter verbreiten sich die Großen Drüsenameisen wohl weiter. © IMAGO

Fachleute raten Pflanzenkäufern daher dringend, das Wurzelwerk erworbener Pflanzen vor dem Einpflanzen genau zu untersuchen. Die beste Vorbeugung sei es, wenn zum Garteln heimische Pflanzen verwendet würden, so das LfU.

Wir werden sie nicht mehr ausrotten können

Ameisenforscher Manfred Verhaagh

Überall muss mit dem Auftauchen der Ameise gerechnet werden. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann die Krabbel-Invasion sich auch in Südbayern bemerkbar macht. Der Freistaat ist ohnehin schon umzingelt: Immer häufiger werden auch aus Hessen und Rheinland-Pfalz Sichtungen gemeldet. "Wir werden sie nicht mehr ausrotten können", sagte der Ameisenforscher Manfred Verhaagh vom Karlsruher Naturkundemuseum auf einer Konferenz.

Die Qualifizierung "magnum" (groß) in der lateinischen Bezeichnung der Ameisenart führt in die Irre. Die Arbeiterinnen sind gerade einmal zwei bis fünf Millimeter lang. Die unterschiedliche Größe der völlig schwarzen Tiere ist übrigens ein Erkennungszeichen der eingeschleppten Art. Ihr Biss ist für den Menschen ungefährlich, kann aber schmerzhaft sein.

Es gibt heimische Ameisenarten wie die Diebsameise oder die Pharaoameise, die noch kleiner, aber bernsteinfarben sind. Verwechslungsgefahr besteht schon eher mit der Schwarzen Wegameise, die dunkelbraun bis tiefschwarz und drei bis fünf Millimeter lang ist. Übrigens bildet die eindringende Große Drüsenameise "mehrspurige" Autobahnen und begnügt sich nicht mit schmalen Ameisensträßchen. Vorkommen von Tapinoma-Ameisen sind an zahlreichen Sandhügeln an Bordsteinen und Gehwegen zu erkennen, die freilich auch andere Ameisenarten erzeugen können.

Keine Panik – oder doch ein bisschen?

Bevor Haus- und Gartenbesitzer beim Anblick von kleinen tiefschwarzen Krabblern in Panik geraten, sollten sie erst einmal das örtliche Ordnungsamt oder Umweltreferat informieren. Nur Fachleute können zweifelsfrei entscheiden, um welche Ameisenart es sich handelt. Vor dem Einsatz von Chemikalien wird ausdrücklich gewarnt. Helfen soll ein Fluten der Nester mit heißem bis kochendem Wasser. Das bayerische LfU warnt vor der chemischen Keule: "Insbesondere beim Einsatz von Insektiziden muss ein ausreichender Schutz anderer Organismen gewährleistet werden."

Auf der offiziellen EU-Liste der "invasiven Arten" taucht Tapinoma magnum übrigens noch nicht auf. Das Bundesamt für Naturschutz erkennt noch keine Dramatik und hat die Ameise auf der Beobachtungsliste als "potenziell invasive Art" vermerkt. Auch in Bayern gibt es kein amtliches Meldeportal für Ameisen.

Der Evolutionsbiologe Nehring glaubt auch nicht, dass die Ameisenart in Mitteleuropa wieder verschwindet, aber "akzeptieren sollte man sie auch nicht", bemerkte der Wissenschaftler in der "Badischen Zeitung". Das sei schon nötig, um die "wahnsinnigen Massen einzudämmen". Und dann hielt der Forscher noch eine krabbelnde Schreckensvision parat: "Wenn wir an den grundlegenden Problemen wie der sinkenden Biodiversität nichts ändern, kommt irgendwann die nächste invasive Ameise zu uns. Dann kommt vielleicht die aus Südamerika stammende Feuerameise aus Sizilien zu uns – und dann haben wir ein viel größeres Problem."

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