Superfood statt Rauschmittel: Hanf-Snacks aus Bayern

Eine Zwei-Mann-Firma will den Hanf aus der Kifferecke holen - und macht Snacks daraus.
| V. Tielich
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Daniel Baumann (l.) und Markus Kneißl winken aus einem ihrer Hanffelder. Insgesamt kommen sie auf eine Anbaufläche von rund 40 Hektar. Die ungeschälten Hanfsamen sehen Erdnüssen ähnlich.
Daniel Baumann (l.) und Markus Kneißl winken aus einem ihrer Hanffelder. Insgesamt kommen sie auf eine Anbaufläche von rund 40 Hektar. Die ungeschälten Hanfsamen sehen Erdnüssen ähnlich. © Hanfbayer/Kneißl/Valerie Tielich

Mamming - Nachmittags irgendwo in Mamming im Landkreis Dingolfing-Landau. Daniel Baumann bahnt sich einen Weg durch ein Feld aus drei Meter hohen sattgrünen Hanfpflanzen. Es liegt verborgen hinter anderen Feldfrüchten. Illegal ist der Hanf nicht, den er hier anbaut. Vielmehr soll die versteckte Lage verhindern, dass Neugierige durch das Feld trampeln.

Auf der Suche nach einem Cannabis-Trip würden die ungebetenen Besucher jedoch nicht fündig werden. Denn Baumann baut auf seinem Feld Nutzhanf an, dessen berauschende Wirkung gleich null ist. Die Pflanze enthalte nur einen sehr geringen Anteil an Tetrahydrocannabinol (THC) und sei deshalb für die Erzeugung von Haschisch und Marihuana ungeeignet, sagt er.

Baumann und sein Kompagnon Markus Kneißl wollen Nutzhanf wieder hoffähig machen und aus der Kifferecke holen. Auf eine Anbaufläche von rund 40 Hektar (etwa 56 Fußballfelder) - verteilt auf Niederbayern, die Oberpfalz und Oberbayern - kommen die beiden jungen Landwirte.

Die Flächen gehören nicht alle ihnen, sondern werden von Partnern bewirtschaftet. "Wir sind eine Anbau- und Erntegemeinschaft."

Hanf-Öl, Hanf-Tee und Hanf-Proteinpulver

Aus dem Hanf stellen sie fünf Produkte her: Öl, Tee, Proteinpulver sowie geschälte und karamellisierte Samen. Die Produkte verkaufen sie über den Onlineshop ihrer Firma "Der Hanfbayer".

Kennengelernt haben sich Baumann und Kneißl bei ihrem Studium in Weihenstephan. In die Tat setzten sie ihre Geschäftsidee mit Nutzhanf um, als sie 2018 beim Gründerwettbewerb Plan B innerhalb weniger Monate ihr erstes Hanfprodukt bis zur Marktreife brachten. 2019 gründeten sie ihre Firma. Seit Juli dieses Jahres ist Baumanns Landwirtschaft bio-zertifiziert.

Hanf benötigt wenig Pflege und Pflanzenschutz. Heiße Tage, wie zuletzt, sind für den Nutzhanf laut Baumann kein Problem. "Wetterextreme stören den Hanf wenig." Lange Trockenperioden übersteht er mithilfe seiner Pfahlwurzeln, die tief ins Erdreich gehen.

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Vor über 100 Jahren sei der Hanfanbau so normal gewesen wie der Anbau von Getreide, sagt Baumann. Hanf ist für die Herstellung von Seilen, Dämmmaterial oder Textilien verwendet worden. Nach und nach haben aber erdölbasierte Produkte den Hanf verdrängt. Zusätzlich ist der Hanf während der Prohibition in Verruf geraten und wurde weltweit verboten. Zu Unrecht, sagt Baumann. "Denn Nutzhanf tut dem Menschen gut." Er stärke die Abwehrkräfte, helfe, wenn man sich unwohl fühle.

Hanfsamen als Gesundheitsbooster

Die Hanfsamen haben eine langanhaltende, sättigende Wirkung und enthalten unter anderem Kalium, Kalzium, Eisen, Magnesium, Vitamin E und hohe Anteile an Vitamin B. Das Hanföl enthält Omega-3-Fettsäuren. Der Anbau von Nutzhanf ist seit 1996 in Deutschland wieder erlaubt und erlebt eine Renaissance.

Laut bayerischem Landwirtschaftsministerium wuchsen die Anbauflächen von 2010 bis 2019 von 15 auf rund 360 Hektar. Die Zahl der anbauenden Betriebe stieg von 13 auf 129.

Der Anbau von Nutzhanf ist nur landwirtschaftlichen Betrieben erlaubt und wird von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung streng kontrolliert. Anfang August etwa hatte Baumann Besuch von einem Kontrolleur, der den THC-Gehalt der Pflanzen überprüfte.

Hanfstroh als Verpackungsmaterial

Von ihren Hanfpflanzen verwerten die Jungbauern bislang die Blätter (Ernte: 500 Kilo pro Jahr) und die Samen (30 Tonnen pro Jahr). Die Weiterverarbeitung übernehmen die Hanfbayern selbst sowie in Zusammenarbeit mit Partnerfirmen. Baumann und Kneißls Ziel ist es aber, auch das sehr reißfeste Hanfstroh weiterzuverarbeiten. Es eignet sich zum Beispiel als Füll-, Verpackungs- und Dämmmaterial.

Zu 100 Prozent leben können die beiden Hanfbauern noch nicht von ihrer Firma. "Aber wir sind zuversichtlich, dass das kommen wird."

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