Studie: Drei Viertel der Krankenhäuser in den roten Zahlen

Viele Krankenhäuser sind selbst Notfallpatienten – hohe Verluste bedrohen die Existenz. Düster sieht es bei den öffentlichen Häusern aus. Nur eine Minderheit schreibt noch schwarze Zahlen.
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Die meisten der teilnehmenden Häuser klagen über Verluste. (Symbolbild)
Die meisten der teilnehmenden Häuser klagen über Verluste. (Symbolbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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München

Die Not der deutschen Krankenhäuser wird immer größer: Im vergangenen Jahr haben nach einer Erhebung der Münchner Unternehmensberatung Roland Berger drei Viertel der Kliniken Verlust geschrieben, von den öffentlichen Einrichtungen sogar knapp 90 Prozent. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.

"Die Zahl der Krankenhäuser, die negative Ergebnisse schreiben, wird immer größer, und die Anzahl derjenigen, die Gewinn machen, wird immer geringer", sagte Peter Magunia, leitender Fachmann für das Gesundheitswesen bei Roland Berger. Die Unternehmensberatung veröffentlicht die Krankenhausstudie jährlich, für die neue Ausgabe wurden 850 Krankenhaus-Geschäftsführer und Führungskräfte befragt. 2023 arbeitete nach der damaligen Umfrage zumindest eine knappe Hälfte der Häuser noch wirtschaftlich.

Existenzbedrohende Verluste 

"Die Defizite sind teilweise sehr, sehr hoch, bei einzelnen Häusern sind es über 100 Millionen Euro Defizit", sagte Magunia. "Da geraten selbst starke öffentliche Träger an ihre Grenzen."

Die Zahl der Klinikinsolvenzen hat nach Worten des Beraters aber weniger stark zugenommen als erwartet. "Die Einrichtungen sind sich alle ihrer Verantwortung bewusst und versuchen natürlich, die Gesundheitsversorgung so lange wie möglich aufrechtzuerhalten", sagte Magunia. "Viele Kommunen schichten dafür Mittel um und verschieben dafür andere Vorhaben."

Zusammenschlüsse und Schließungen

Wahrscheinliche Folge der Krankenhauskrise werden nach Einschätzung der Unternehmensberatung mehr Fusionen und weitere Schließungen sein. "Was wir aktuell sehen, ist, dass vermehrt über Zusammenschlüsse nachgedacht wird, teilweise träger- und landkreisübergreifend", sagte Magunia. "Mehrere Träger tun sich zusammen, bilden einen Krankenhausverbund und schließen ein oder zwei ihrer Häuser." 

Zu wenig Geld für hohen Investitionsbedarf

Roland Berger erwartet größere Transformationen. "Um aus der Misere herauszukommen, reduzieren Krankenhäuser die Zahl ihrer Standorte, ändern ihr Leistungsportfolio, und investieren in den Ausbau der ambulanten Versorgung", sagte Magunia. "Wir schätzen den Investitionsbedarf in den nächsten Jahren auf 130 Milliarden Euro, für Baumaßnahmen, IT und Digitalisierung. Die vorhandenen Fördermittel reichten dafür nicht aus, selbst mit den 50 Milliarden Euro des Krankenhaustransformationsfonds nicht." 

Der Fonds geht noch auf die alte Bundesregierung zurück und soll die Kliniken bei der Modernisierung unterstützen. Für die nähere Zukunft erwarten viele Häuser laut den Beratern eine weitere Verschlechterung, längerfristig wieder eine Verbesserung – was nicht gleichbedeutend mit schwarzen Zahlen ist.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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