Streit um Hütten-Neubau in Österreich: Verein aus Bayern stemmt sich gegen Pläne
Im Nachbarland Österreich sorgt der Einspruch des Wildtierschutzvereins Wildes Bayern gegen einen Naturschutzbescheid für Verzögerungen eines geplanten Hütten-Neubaus. So konnte der Alpenverein Leoben in der Steiermark seine geplanten Bautätigkeiten für "Abbruch und Ersatzbau" der Reichenstein-Hütte auf 2128 Metern Seehöhe "nicht wie vorgesehen Mitte Juni starten", heißt es in einer Mitteilung des Österreichischen Alpenvereins.
Grund sei der von der bayerischen Naturschutzorganisation "eingebrachte Einspruch gegen den Naturschutzbescheid, der seitens der Behörde bereits bewilligt gewesen" sei. Derzeit ist die besagte Hütte in der Steiermark geschlossen, denn eigentlich hätten die Abbrucharbeiten gestartet sein sollen – nun allerdings verzögern sie sich. "Der Einspruch umfasst Fragen zum Verfahren, die nun vom Landesverwaltungsgericht Steiermark zu prüfen sind", schreibt der Österreichische Alpenverein in seiner Mitteilung.
Hütten-Neubau in Österreich: Verein aus Bayern nicht mit den Plänen einverstanden
Was hat den Verein Wildes Bayern zu seinem Einspruch gegen den Naturschutzbescheid bewogen? Die AZ hat bei der Mitbegründerin und Vorsitzenden des Vereins mit Sitz in Miesbach, Christine Miller, nachgefragt. Als Grund nennt sie vor allem die zahlreichen Hubschrauberflüge, die Abriss und Neubau der Hütte mit sich brächten.
Und: "Man sollte die Größe der Hütte prüfen", so Miller zur AZ. Diese liege schließlich "mitten in einem Naturschutzgebiet mit einer Reihe von geschützten und bedrohten, sehr sensiblen Tierarten" – wie zum Beispiel Alpenschneehühner, Birkhühner oder Steinböcke.

Gerald Zagler, Sprecher des Österreichischen Alpenvereins, sagte auf AZ-Nachfrage: "Den Einspruch nehmen wir natürlich ernst" – weil es auch dem Österreichischen Alpenverein ein Anliegen sei, "einen Ersatzbau wie die Reichenstein-Hütte so naturverträglich wie möglich" umzusetzen. "Jetzt ist das Landesverwaltungsgericht Steiermark damit befasst, sich dieses Einspruchs anzunehmen", so Zagler. Der Alpenverein Leoben als Vorhabenträger hoffe, dass es schnell zu einer Klärung kommt, damit man mit dem geplanten Bau der Hütte beginnen könne.
Angesprochen auf die Hubschrauberflüge im Zusammenhang mit dem geplanten Ersatzbau sagt Zagler zur AZ: "Wir haben selbst ein großes Interesse daran, so wenige Flüge wie möglich durchzuführen." Die Hubschrauberflüge hätten jetzt im Sommer zu einem begrenzten Zeitraum stattgefunden, so der Sprecher – "für ein Gebäude, das dann viele Jahrzehnte steht".
Einspruch verzögert Baubeginn der neuen Reichenstein-Hütte
Aus Sicht des Vereins Wildes Bayern sind die Hubschrauberflüge und Störungen allerdings nicht tragbar. "Die Behörde hätte alternative Möglichkeiten prüfen müssen", sagt Miller, was ihrer Meinung nach nicht ausreichend gemacht wurde. "Man hätte zum Beispiel schauen können, ob man künftig mit Quads oder mit Mulis die Versorgung der Hütte gewährleisten kann", sagt sie. Oder ob man den Weg "geringfügig ausbauen" kann, so Miller. "Oder ob man eine Materialseilbahn raufbaut."
Der Verein Wildes Bayern sei im österreichischen Alpenraum auch als Naturschutzorganisation anerkannt, sagt Miller – "und wir bringen uns da auch ein". Es gehe darum, wie man mit den Alpen umgehe. Ob die österreichischen oder die bayerischen Alpen: "Das ist der gleiche Naturraum."
Eine Materialseilbahn zu errichten oder einen neuen Weg zu bauen, sei in dem Fall keine Option, sagt Gerald Zagler unterdessen auf AZ-Nachfrage. Denn es würden dadurch "zusätzliche Flächen verbaut", so Zagler, und zur Errichtung einer Materialseilbahn wären ebenfalls Hubschrauberflüge erforderlich, sagt er.
Österreicher Alpenverein: Es gehe um einen "Ersatzbau einer bereits bestehenden Schutzhütte"
Bei dem Bauprojekt der Reichenstein-Hütte handele es sich "nicht um eine Neuerschließung", gibt Zagler außerdem zu bedenken – "sondern um den Ersatzbau einer bereits bestehenden Schutzhütte".
Beim Alpenverein Leoben hofft man trotz des Einspruchs auf einen baldigen Beginn der Bauarbeiten. "Natürlich möchten wir mit dem Bau so rasch wie möglich beginnen", sagt Claudia Schagerl, Vorsitzende des Alpenvereins Leoben laut der Mitteilung. Im vergangenen Jahr hatte die Sektion demnach nach einem Architekturwettbewerb den Ersatzbau der in die Jahre gekommenen Reichenstein-Hütte beschlossen.
Das Bauvorhaben, das strenge Vorgaben zu Umweltverträglichkeit und Energieeffizienz erfülle, sei mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt worden, heißt es zudem. Fachgutachten hätten zuvor ergeben, dass eine Sanierung der alten Hütte keine Option sei.
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