Strafzölle gegen die Türkei: Lira fällt weiter und setzt Bayerns Exporteure unter Druck

Ankara und Washington liegen im Clinch, seit Montag gelten neue Strafzölle gegen die Türkei. Die Lira brach daraufhin weiter ein. Die Folgen bedrohen auch bayerische Firmen.
| dpa
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München - Der Absturz der türkischen Währung Lira erschwert bayerischen Firmen den Handel. Bayerische Waren werden für türkische Unternehmen teurer, was sich negativ auf die Exporte auswirken wird, wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in München am Montag erklärte. Andererseits könnten die Importe zwar steigen, weil es durch die Abwertung der Lira für bayerische Unternehmen günstiger werde, türkische Erzeugnisse einzukaufen. Jedoch sei die türkische Wirtschaft stark von Vorprodukten aus dem Ausland abhängig, die sich durch den Lira-Verfall stark verteuern. "Dies relativiert den wechselkursbedingten Vorteil für unsere Importeure." 1440 bayerische Firmen hatten im vergangenen Jahr Geschäftsbeziehungen in die Türkei.

"Eine dauerhaft schwache Lira wird sich mittelfristig auf die Exporte der bayerischen Wirtschaft auswirken, da dadurch die Nachfragekraft der Türkei geschwächt und weniger im Ausland gekauft wird", sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt. "Konkret lässt sich dies derzeit nicht absehen. Grundsätzlich sehen wir besorgt auf die Türkei." In den Monaten Januar bis Mai dieses Jahres lagen die bayerischen Exporte in die Türkei zwar um 6,5 Prozent über dem Vorjahresniveau, die Importe aus der Türkei stiegen um 7,6 Prozent. Allerdings sei der Trend zuletzt ein anderer gewesen.

Bayerische Unternehmen importieren 2017 Waren im Wert von über 2,8 Milliarden aus der Türkei 

Seit Jahresbeginn hat der türkische Leitindex mehr als ein Viertel eingebüßt. Zuletzt hatte der Streit zwischen der Türkei und den USA den Weg für den weiteren, dramatischen Wertverfall der Lira geebnet. Am Montag gipfelte der Konflikt zwischen Washington und Ankara zunächst in verdoppelten US-Strafzöllen auf Stahl aus der Türkei.

Bayerische Unternehmen haben im vergangenen Jahr Waren im Wert von mehr als 2,8 Milliarden Euro aus der Türkei importiert. Damit steht die Türkei nach Ministeriumsangaben auf Rang 19 der Einfuhrländer. Zu den wichtigsten Importgütern zählen Fahrzeuge und Fahrräder (rund 966 Millionen Euro) und Textilien/Bekleidung (564 Mio.).

Bei den Ausfuhren liegt die Türkei den Angaben zufolge mit einem Exportvolumen von fast 3,0 Milliarden Euro auf Rang 18. Bayerische Firmen exportieren vor allem Fahrzeuge und Fahrräder (rund 1481 Mio.) sowie Maschinen (565 Mio.) in die Türkei. Vbw-Chef Brossardt machte deutlich: "Die Exportzahlen zwischen dem Freistaat und der Türkei sind 2017 im Vergleich zu 2016 um zehn Prozent gesunken."

Betroffen vom Lira-Verfall seien neben den exportierenden Unternehmen auch Firmen mit Niederlassungen beziehungsweise Produktionsstätten in der Türkei, sagte der Ministeriumssprecher. Schwerpunkt seien die Branchen Handel (21 Prozent), Maschinenbau (14) und Dienstleistungen (8). Eine gravierende Auswirkung im Bankenbereich sei wegen des relativ geringen Engagements in der Türkei nicht zu erwarten.

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