Straftaten im Internet nehmen zu: Pandemie-Tatort Internet

Durch Corona hat sich auch der Fokus Krimineller in Bayern verlagert, teilt der Innenminister mit. Und er vermeldet Erfolge.
| Ralf Müller
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Wie das Einkaufen verlagert sich auch die Tätigkeit Krimineller in der Pandemie mehr ins Internet, zeigen neue Zahlen.
Wie das Einkaufen verlagert sich auch die Tätigkeit Krimineller in der Pandemie mehr ins Internet, zeigen neue Zahlen. © Silas Stein/dpa

München - Die Corona-Pandemie hat sich in der Kriminalitätsentwicklung in Bayern im vergangenen Jahr deutlich bemerkbar gemacht. Bei etlichen Delikten wie Laden- und Einbruchsdiebstahl gingen die Zahlen der Straftaten zurück, bei Betrug im Internet und Subventionsbetrug zogen sie hingegen deutlich an. Das teilte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in München mit.

Straftaten in Bayern auf niedrigstem Stand seit 41 Jahren

Insgesamt sank die Zahl der Straftaten um 0,8 Prozent auf 563.187, wenn man die speziellen ausländerrechtlichen Verstöße, die nur Nichtdeutsche begehen können, herausrechnet. Wichtiger für die Beurteilung der Kriminalitätsbelastung ist die Häufigkeitszahl, welche die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner angibt. Weil Bayern stetig an Bevölkerung zunimmt, sank diese für 2020 um 1,2 Prozent auf 4291. Das sei der niedrigste Stand seit 41 Jahren, hob Herrmann hervor.

Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote (ohne ausländerrechtliche Delikte) um 1,4 Punkte auf 66,4 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 26 Jahren. Mit beiden Werten habe der Freistaat seine Spitzenstellung im Bereich der Inneren Sicherheit verteidigt, sagte der Minister. Einige Länder haben allerdings ihre Kriminalstatistik noch nicht vorgelegt. Wenn die Läden geschlossen sind, müssen sich auch Ladendiebe in Zurückhaltung üben. So erklärte Herrmann den Gesamtrückgang der Fallzahlen bei den Diebstählen um 8,7 Prozent auf 132.216. Wohl auch, weil die Menschen notgedrungen mehr Zeit in ihren eigenen vier Wänden verbringen mussten, sank die Zahl der Wohnungseinbrüche um 3,7 Prozent auf 4 181. Der rückläufige Trend halte allerdings schon seit sechs Jahren an, bemerkte Herrmann.

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Auswirkungen des Corona-Lockdowns auf die Zahl der Straftaten

Um 2,6 Prozent auf 54.443 Fälle ging die Rauschgiftkriminalität zurück, was nicht ganz der Realität entsprechen dürfte. Wegen der restriktiven Beschränkungen des öffentlichen Raums habe wohl der Konsum von Betäubungsmitteln mehr in privaten Räumen stattgefunden, vermutete Herrmann. Rauschgift werde außerdem zunehmend über das Internet geordert.

Nicht bewahrheitet hat sich laut den Zahlen die Befürchtung der Polizei, Lockdown und Ausgangssperren würden die häusliche Gewalt explodieren lassen. Insgesamt ging die Zahl der Gewaltdelikte im Vorjahr um 2,2 Prozent auf 19.507 zurück. Bei Straftaten gegen das Leben, also Mord und Totschlag sowie die Versuche dazu, wurde allerdings mit 594 Fällen ein Plus von 12,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert. 93,1 Prozent dieser schwersten Straftaten wurden aufgeklärt.

Computerkriminalität steigt um 17,2 Prozent

Rückenwind durch Corona erfuhren ganz offensichtlich Betrugs- und Internetkriminalität. Die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte nahm 2020 gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Prozent auf 113.274 Fälle zu. Die Pandemie sorgte dabei für zusätzliche Tatgelegenheiten. Um sich an den staatlichen Corona-Hilfsprogrammen zu bereichern, haben in einer Reihe von Fällen Unternehmer unberechtigterweise Ansprüche auf Hilfszahlungen vorgetäuscht oder Straftäter benutzten die Daten von hilfsberechtigten Betrieben, um Auszahlungen zu erschleichen. Die Zahl der Fälle von "Subventionsbetrug" lag 2020 mit 719 um das Zwanzigfache über dem Niveau des Vorjahres.

Wer sich zu Unrecht bedient hat, muss zittern: Das Bayerische Landeskriminalamt habe die Prüf- und Auszahlungsprozesse der Corona-Soforthilfen einer "umfassenden Schwachstellenanalyse" unterzogen, berichtete Herrmann. In letzter Zeit wurde die Polizei auf eine weitere Masche des Betrugs mit Corona-Bezug aufmerksam. Dabei zielen die Täter auf Bargeldzahlungen für angebliche Impfungen oder spezielle "Corona-Medikamente" ab. Die Fälle von Computerkriminalität kletterten im vergangenen Jahr um 17,2 Prozent auf 16.898. Seit einigen Jahren unterscheidet die bayerische Kriminalstatistik bei den Tatverdächtigen zwischen Deutschen, Nichtdeutschen und Zuwanderern.

Zunahme von Internetkriminalität in Bayern sei "besorgniserregend"

Der Anteil der Nichtdeutschen an der Gesamtzahl der 254.247 Tatverdächtigen ist zwar gegenüber dem Vorjahreswert auf 34,7 Prozent gesunken, liegt aber immer noch deutlich über dem Anteil der Nichtdeutschen an der Bevölkerung Bayerns. Der Innenexperte der SPD im Bayerischen Landtag, Stefan Schuster, nannte die Steigerungen bei der Internetkriminalität und besonders bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (plus 23,7 Prozent auf 11.197 Fälle) "besorgniserregend". Die Regierung müsse diesem Trend entgegen wirken, sagte Schuster. Nötig sei noch viel mehr Präventionsarbeit, um Kinder und Jugendliche vor Übergriffen zu schützen. Auch die Lehrkräfte müssten besonders geschult werden.

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