Wirtshaussterben in Bayern: Freising setzt ein Zeichen gegen den Trend

Seit vielen Monaten arbeitet eine Gruppe Freisinger an nichts anderem: an der Rettung ihres Kult-Wirtshauses Furtnerbräu. Das geschichtsträchtige Gebäude liegt mitten in der oberbayerischen Stadt bei München und ist sehr sanierungsbedürftig. Millionen sind nötig, um das zentrale Areal zu erhalten. Ansonsten droht die endgültige Schließung.
Die Furtner-Fans mussten Tausende Unterstützer finden, damit sie den Kauf und die Renovierung angehen können. Bis Ende September lief die gesetzte Frist. Zittern, bangen, hoffen. Die Unterstützer wurden stetig mehr, die verbliebene Zeit weniger. Würde es am Ende wirklich reichen?
Seit Donnerstag (24. September) ist die Zukunft des Furtners besiegelt: Freising hat es geschafft! Der eigens gegründeten Genossenschaft ist es gelungen, das Wirtshaus samt altem Hotel in den Obergeschossen und stillgelegter Brauerei zu erwerben. Das teilt einer der Vorstände der Genossenschaft, Christian Fiedler, der AZ am Donnerstagnachmittag mit.
Genossenschaft jubelt: "Wir haben es geschafft"
Die Nachricht ist überschrieben mit: "Wir haben es geschafft." Demnach war die Genossenschaft nach sorgfältigem Blick auf die Zahlen beim Notar, der Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre sei unterzeichnet und das Gebäude gekauft. "Damit ist der Furtner langfristig – für mindestens 99 Jahre – für Freising gesichert."

Auch sein Bruder Reinhard Fiedler ist maßgeblich an der Furtner-Rettung beteiligt. Er sagt der AZ nach der finalen Entscheidung, dass man es noch gar nicht glauben könne. Er sei "sprachlos". "Heute war der entscheidende Stichtag." Der Tag, auf den sie seit Langem hingearbeitet haben.
Seit Tagen sei er in Freising schon darauf angesprochen worden, erzählt Reinhard Fiedler. "Jeder ruft über die Straße: Reicht’s denn? Schaffmas?" Nun gibt es die Antwort: Ja, Freising schafft es.
Fiedler sagt überwältigt: "Die größte Überraschung ist, wie viele zusammenhelfen. Das hätte wirklich niemand gedacht."

In einer Mitteilung lässt Reinhard Fiedler weiter wissen: "Der Furtner ist für die nächsten Generationen gerettet. Wir mussten heute diesen ersten Schritt gehen, damit auch die vielen Menschen nach uns die Möglichkeit haben, sich hier zu treffen, miteinander zu reden und Freunde zu finden. Wir sprechen von mehr als 500 Jahren Tradition – und wir waren kurz davor, all das zu verlieren." Der Eigentümer sei der Genossenschaft mit einer reduzierten Erbpacht entgegengekommen.
Feier des Erfolgs beim Furtner
Am Freitag (25. September) wollten sie abends den Furtner aufsperren, obwohl gerade wegen der Baustelle geschlossen ist. Auf der Straße möchten sie Bier verkaufen, anstoßen, den gemeinsamen Erfolg feiern.
Über Monate hatten sie Anteile an der Genossenschaft verkauft (je 500 Euro). Für den Kauf und die erste Bauphase. Dazu sammelten sie Unterstützer-Abos (zehn Euro im Monat). Diese sind für die laufenden Kosten notwendig. "Was wir im Sommer erreichen mussten, haben wir erreicht", sagt Fiedler.
Bis Ende des Jahres benötigen sie dann insgesamt 3000 Unterstützer-Abos, aktuell fehlten noch rund 13 Prozent. Dafür haben sie schon mehr Anteile verkauft als zunächst anvisiert. Auch Mitglied in der Genossenschaft kann man nach wie vor werden. "Das läuft weiter."

In den nächsten Monaten ab Anfang Oktober wollten sie im Nebenraum einen Baustellen-Betrieb laufen lassen, in der Kneipe selbst wird umgebaut. Die erste Bauphase umfasst etwa WC, Küche, Strom, Wasser und Abwasser.
Ideen für das frühere Hotel und die Brauerei
Sie wollen künftig aus dem Furtner mehr machen als ihre geliebte Boazn. Die früheren Hotel-Stockwerke sollen saniert werden, genauso die alte Brauerei. Für Kultur und Begegnung. Vorstellbar sind etwa Ausstellungsräume, Künstlerateliers, Co-Working-Spaces oder Büroflächen.

In der alten Brauerei könnten sie sich Führungen oder ein kleines Museum vorstellen. Aber auch eine eigene Bierproduktion wird nicht ausgeschlossen.
Dabei ist ihnen wichtig: Sie wollen das Wirtshaus nicht schick sanieren, der Charakter soll erhalten bleiben. Nämlich: als griabiges Wohnzimmer für Freising.
Das sind die nächsten Schritte
Zum Ende des Jahres soll der umfassende Bauantrag beziehungsweise der Antrag auf denkmalschutzrechtliche Erlaubnis vorbereitet werden. Wenn alles glatt läuft mit den Genehmigungen, soll im Sommer 2027 mit der großen Bauphase begonnen werden.
Die Genossenschaft betont, dass sie mit dem Meilenstein nicht "fertig" seien. "Jeder zusätzliche Geschäftsanteil stärkt das Eigenkapital der Furtnerbräu eG und reduziert damit den Betrag, der über Bankkredite finanziert werden muss", teilt die Genossenschaft mit.