Stellenabbau bei VW: So hart trifft es Bayern

Deutschlands größter Autohersteller hat 2025 fast nur halb so viel Gewinn gemacht wie im Vorjahr. VW will deshalb die Kosten senken. Der Konzern bestätigte den Plan, 50.000 Stellen abzubauen – auch in Bayern.
Frank Johannsen, man |
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Bei Volkswagen läuft es schlecht: Die Zahlen der Jahrespressekonferenz zeigen, warum der Konzern an seinem Stellenabbau festhält.
Bei Volkswagen läuft es schlecht: Die Zahlen der Jahrespressekonferenz zeigen, warum der Konzern an seinem Stellenabbau festhält. © Julian Stratenschulte (dpa)

Bevor das für Deutschlands größten Automobilkonzern schwierige Jahr 2025 überhaupt begonnen hat, steckte das Unternehmen bereits tief in der Krise: Ende 2024 war erstmals bekannt geworden, dass die VW Gruppe – zu der unter anderem die in Ingolstadt ansässige Tochter Audi gehört – bis 2030 50.000 Stellen streicht. Im Geschäftsbericht für 2025, den das Unternehmen im Zuge ihrer Jahrespressekonferenz am Dienstag veröffentlichte, bekräftigt es nun diese Pläne.

Finanzchef Arno Antliz sagte, VW werde "weiter konsequent unsere Kosten senken". Das heißt unter anderem: Jobs müssen weg. Ein Blick in die neuen Geschäftszahlen zeigt, warum der Autohersteller diesen Weg geht: Der Gewinn brach 2025 um knapp die Hälfte ein.
Im Vergleich zum Vorjahr sei das Konzernergebnis nach Steuern um rund 44 Prozent von 12,4 Milliarden Euro auf 6,9 Milliarden Euro gesunken. Der Umsatz fiel um 0,8 Prozent auf knapp 322 Milliarden Euro.

Strategiewechsel und US-Zöllenbelasten die Gruppe

Im dritten Quartal 2025 war der Konzern tief in die roten Zahlen gerutscht und hatte mehr als eine Milliarde Euro Verlust verbucht. Grund waren vor allem die Belastungen bei der Tochter Porsche wegen des Strategie-Schwenks zur Verbrenner-Verlängerung, die auf die Konzernmutter durchschlugen. Hinzu kamen Milliardenbelastungen aus den US-Zöllen.

"Das Jahr 2025 war geprägt von geopolitischen Spannungen, Zöllen und hoher Wettbewerbsintensität", sagte Finanzvorstand Antlitz. Vor Sondereffekten und US-Zöllen hätte das operative Ergebnis aber bei 17,7 Milliarden Euro gelegen, was eine Marge von 5,5 Prozent bedeutet hätte.
Laut Betriebsrat belastete allein Porsches Strategie-Schwenk die Konzernbilanz mit fast fünf Milliarden Euro. Mit rund drei Milliarden schlugen die US-Zölle zu Buche.

Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, spricht bei der Jahrespressekonferenz. VW verkaufte weniger Autos in USA und China.
Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, spricht bei der Jahrespressekonferenz. VW verkaufte weniger Autos in USA und China. © Julian Stratenschulte (dpa)

Bei den Verkäufen war der Konzern 2025 knapp unter die Marke von neun Millionen gerutscht: Weltweit lieferte der Konzern 8,98 Millionen Fahrzeuge aller Konzernmarken aus, 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In Europa legte VW zwar zu. Das konnte Rückgänge in China und Nordamerika aber nicht ausgleichen. Die einstige Ertragsperle Porsche verdiente 2025 im Autogeschäft operativ nur noch 90 Millionen Euro. 2024 waren es noch 5,3 Milliarden Euro gewesen.

Die Kernmarke VW verbesserte sich dagegen leicht von 2,59 auf 2,61 Milliarden Euro operatives Ergebnis, Audi verschlechterte sich von 3,9 auf knapp 3,4 Milliarden Euro. Die auch in Bayern ansässige Tochter Cariad schrieb nach wie vor Verlust (2,2 Milliarden Euro), aber zumindest weniger als noch 2024 (2,4 Milliarden Euro).

VW schraubt Ziele für 2030 zurück

Die Unternehmensgruppe steckt in der Krise – wenngleich zumindest das vierte Quartal 2025 wieder besser lief. Für 2026 strebt der Konzern wieder mehr Profitabilität an. Die operative Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern soll sich in diesem Jahr auf 4,0 bis 5,5 Prozent erholen. Vergangenes Jahr war sie um 3,1 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent abgerutscht. Beim Umsatz peilt der Konzern null bis drei Prozent Zuwachs an.

Weil das Umfeld schwieriger geworden ist, nahm VW allerdings seine Ambitionen für 2030 etwas zurück. Statt neun bis elf Prozent Gewinnmarge dürften es wohl nur acht bis zehn Prozent werden.

Cariad ist die Automobil-Software-Marke im Volkswagen-Konzern. Sie schrieb auch 2025 wieder Verluste, wenn auch weniger als im Vorjahr.
Cariad ist die Automobil-Software-Marke im Volkswagen-Konzern. Sie schrieb auch 2025 wieder Verluste, wenn auch weniger als im Vorjahr. © IMAGO/Stefan Zeitz (www.imago-images.de)

Um den Konzern langfristig zu stabilisieren, hat sich VW dazu entschieden, beim Personal einzusparen. Das Unternehmen hat sich dafür mit der IG Metall auf einen sozialverträglichen Abbau geeinigt: mit Vorruhestandsregelungen und ohne Werkschließungen oder betriebsbedingten Kündigungen.

Audi: 7500 Stellen sollen sozialverträglich abgebaut werden

Bei Audi gilt etwa eine Zukunftsvereinbarung, die den Beschäftigten bis 2033 Job-Sicherheit geben soll, wie die IG Metall Bayern der AZ mitteilte. Ein Sprecher von Audi ergänzte auf Nachfrage der AZ: "Die Vereinbarung sieht außerdem einen sozialverträglichen Stellenabbau von 6000 Stellen bis 2027 und weiteren 1500 Stellen bis 2029 vor."

Wie viele Jobs des Standorts in Ingolstadt betroffen sind, steht demnach noch nicht fest. Das hänge davon ab, wo welche Mitarbeiter die Angebote annehmen, vorzeitig aus dem Unternehmen auszuscheiden.

Eine auf Rot stehende Ampel ist vor dem Audi-Forum zu sehen. Der Gewinn ist auch bei VW-Tochter Audi zurückgegangen.
Eine auf Rot stehende Ampel ist vor dem Audi-Forum zu sehen. Der Gewinn ist auch bei VW-Tochter Audi zurückgegangen. © Daniel Löb (dpa)

Das Software-Unternehmen Cariad, das unter anderem Standorte in München, Ingolstadt und Nürnberg unterhält, baute bis Ende vergangenen Jahres bereits 1600 Arbeitsplätze ab – das entspricht rund 30 Prozent der gesamten Belegschaft. Betroffen war in Bayern der Standort in Ingolstadt. Weitere Stellenstreichungen sind aber nicht geplant.

CEO Blume: "Wir werden jeden Stein umdrehen"

VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume kündigte an, neben den Ausgaben für das Personal auch in anderen Bereichen zu sparen: "Wir werden jeden Stein umdrehen." Er verspricht sich weitere Kostensenkungen in den Bereichen Beschaffung, Entwicklung, Material, Produktion und Vertrieb.
Zwar komme VW mit den 2024 aufgelegten Effizienzprogrammen gut voran, sagte Finanzvorstand Arno Antlitz. Im vergangenen Jahr seien die Gesamtkosten dadurch bereits um 1,5 Milliarden Euro gesunken. Doch das werde angesichts neuer Belastungen etwa durch die US-Zölle nicht reichen.

Das schwache Geschäft drückt auch beim Konzernchef selbst auf den Verdienst: Einschließlich Altersvorsorge und variabler Vergütung für mehrere Jahre erhielt er im vergangenen Jahr 7,4 Millionen Euro, fast drei Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Gründe waren vor allem eine Bonuskürzung bei VW und der komplette Ausfall der variablen Vergütung bei Porsche, wo Blume bis Ende 2025 ebenfalls Vorstandschef war. 

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  • Newi83 vor 3 Stunden / Bewertung:

    Strategieschwenk ist der Todesstoß. Keine vernünftigen Verbrenner und keine vernünftigen E Autos. Jedes Jahr überlegt man etwas anderes. Aber die deutsche Politik als Totengräber will das ja so.

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  • OnkelHotte vor 2 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Newi83

    Hat das. Bällebad schon wieder geschlossen, wenn man solch einen Müll erzählt.
    .
    Ich glaube wirklich eher, du bist von der Erdfrucht der zweite login

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