Steinmeier: Deutschland ist Land mit Migrationshintergrund

München erinnert an die neun Todesopfer des rassistischen OEZ-Attentats vor zehn Jahren. Der Bundespräsident findet bewegende und deutliche Worte.
dpa |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Bundespräsident Steinmeier erinnert an die Opfer des OEZ-Attentats.
Bundespräsident Steinmeier erinnert an die Opfer des OEZ-Attentats. © Sven Hoppe/dpa
München

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat mit bewegenden Worten an die neun Todesopfer des rassistischen OEZ-Attentats vor zehn Jahren in München erinnert. Dabei wandte er sich entschieden gegen Rassismus und Antisemitismus – und gegen jede Einteilung von Menschen nur nach ihrer Herkunft. "Begreifen wir es endlich: Zuwanderungsgeschichte haben nicht nur einzelne Menschen - unser ganzes Land hat sie. Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund. Das macht uns aus", sagte Steinmeier.

Neun Menschen wurden getötet

Am 22. Juli 2016 hatte ein 18-Jähriger am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) acht Jugendliche und eine erwachsene Frau erschossen, Menschen, die seinem rassistischen Feindbild entsprachen. Weitere Menschen wurden verletzt. Als er gut zweieinhalb Stunden später von Polizeibeamten gestellt wurde, erschoss er sich selbst.

Steinmeier: Rassismus darf keinen Platz haben

Steinmeier sagte: "Diese rassistische Tat betrifft nicht nur die Opfer und ihre Angehörigen und Freunde, nicht nur die Stadt München, nicht nur den Freistaat Bayern, sie betrifft unser ganzes Land, und sie geht uns alle in diesem Land an." Er betonte: "Die Toten von München, sie bleiben in unserem Gedächtnis."

Der Hass und die Vernichtungsabsicht des Täters hätten sich gegen Menschen gerichtet, die er als minderwertig angesehen habe, denen er das Recht zu leben abgesprochen habe. "Diese Ideologie kennen wir. In der Geschichte haben Deutsche mit dieser Ideologie millionenfach gemordet", sagte der Bundespräsident und mahnte: "Niemals dürfen wir uns damit abfinden, dass solches Denken in unserem Land wieder Raum gewinnt. Nicht bei denen, die seit Generationen hier leben; nicht bei denen, die später zugewandert sind." Antisemitismus und Rassismus dürften keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. "Dafür zu sorgen, das ist unser aller Pflicht", sagte Steinmeier.

Niemand stehe aufgrund seiner Herkunft über jemand anderem, betonte das deutsche Staatsoberhaupt. "Bekämpfen müssen wir alle, jede und jeder auf seine Weise und an ihrem Ort, bekämpfen müssen wir ein Klima, das feindlich gegenüber Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist", sagte Steinmeier.

Rechtsextremes Motiv lange nicht anerkannt

Die Ermittlungsbehörden hatten vor zehn Jahren rasch von einem Amoklauf eines Einzeltäters gesprochen. Dabei deutete schon das Datum auf seine rechte, rassistische Überzeugung hin: Fünf Jahre zuvor, am 22. Juli 2011, hatte der Rassist Anders Behring Breivik in Norwegen 77 überwiegend junge Menschen getötet. Erst im Oktober 2019 – mehr als drei Jahre nach der Tat am OEZ – stuften die Ermittler diese als rechtsextremistisch motiviert ein.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen
lädt ... nicht eingeloggt
 
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.