Statistik zu Bergunfällen: 30 Tote 2016 - die Hauptgefahren laut DAV

Eine positive Entwicklung gibt es: 2016 verunglückten so wenige DAV-Mitglieder wie noch nie tödlich. Doch viele Bergsportler überschätzen sich, zeigt der neue Vereinsbericht.
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Eine Bergwanderin steht vor der Kulisse des Watzmanns im Berchtesgadener Land.
Wolfgang Kumm/dpa Eine Bergwanderin steht vor der Kulisse des Watzmanns im Berchtesgadener Land.

München - Für 30 Mitglieder des Deutschen Alpenvereins (DAV) hat ihr Ausflug in die Berge 2016 tödlich geendet. Seit der DAV Bergunfälle aufzeichnet, hat es nie so wenige tödlich verunglückte Mitglieder gegeben wie im Jahr 2016. Das ist die gute Nachricht des gestern veröffentlichten Unfallreports.

Doch andere Zahlen geben zu denken: Noch nie nie gab es so viele Bergunfälle wie im vergangenen Jahr. "Der scheinbare Widerspruch erklärt sich ganz einfach", sagt Florian Hellberg von der DAV-Sicherheitsforschung. "Immer mehr Menschen werden gerettet, bevor die Lage für sie lebensbedrohlich wird."

1.182 DAV-Mitglieder, also rund 0,1 Prozent, waren zwischen November 2015 und Oktober 2016 von Un- und Notfällen betroffen. Hellberg erklärt, dass das Unfallrisiko im Vergleich zu den Vorjahren auf sehr niedrigem Niveau bleibe. Seit zwei Jahrzehnten zunehmend ist allerdings das Risiko von Blockierungen.

Welche Notlagen kommen besonders häufig vor?

"Blockierungen sind Situationen, aus denen sich die Bergsportlerinnen und Bergsportler nicht mehr selbst befreien können und auf die Bergrettung angewiesen sind – obwohl sie keine Verletzungen haben", so Hellberg.

Mehr als die Hälfte aller Rettungseinsätze an Klettersteigen gehen auf Blockierungen zurück. "Klettersteige suggerieren mit ihren installierten Drahtseilen eine trügerische Sicherheit. Wenig geübte Klettersteiggeher muten sich deshalb oftmals zu schwierige Touren zu."

Sind Kletterhallen eine sichere Alternative?

Auch abseits von Gipfeln und Gletschern kann das Klettern gefährlich werden – jedoch deutlich seltener. Indoorklettern ist sehr sicher. Angesichts der vielen hunderttausend Aktiven ist die Zahl der schweren Unfälle in Kletterhallen sehr gering.

Seit der Jahrtausendwende sind insgesamt drei DAV-Mitglieder in Kletterhallen gestorben, ein tödlicher Unfall ereignete sich im vergangenen Jahr. Alle drei Todesfälle gingen auf Einbindefehler zurück, also darauf, dass der Knoten am Gurt des Kletternden nicht richtig geknüpft war.

Wann passieren die meisten Unfälle?

Laut DAV-Statistik sind im März und im August die meisten Unfälle passiert. Das liege an den Ferien- und Urlaubszeiten, natürlich dem Wetter und der Tourenaktivität.

Bei welchem Bergsport passiert am meisten?

Beim Skifahren: 298 Unfälle, überwiegend Stürze, hat der DAV hier verzeichnet. Aber auch das Wandern (269) fordert Opfer. Hier machen Stürze und die bereits erwähnten Blockierungen die meisten Einsätze aus. Für die bevorstehende Saison appelliert Hellberg an Bergsportler: "Verlasst euch nicht darauf, im Zweifel gerettet zu werden. Der wirksamste Schutz vor schweren Bergunfällen sind eine gute Tourenplanung und ausreichende Reserven – sowohl zeitlich als auch körperlich!"

Die DAV-Statistik

In der DAV-Bergunfallstatistik werden ausschließlich die Unfälle von Mitgliedern erfasst – unabhängig davon, wo diese Unfälle passieren. Eingang in die Statistik finden Unfälle, die die Mitglieder an die Versicherung des DAV melden, um beispielsweise Bergungskosten erstattet zu bekommen.

Aufgrund ihres Umfanges und der bereits langjährigen Erhebung liefert die DAV-Bergunfallstatistik eine gute Grundlage, um Entwicklungen und Tendenzen für den gesamten Bergsport abzulesen und die entsprechenden Konsequenzen daraus zu ziehen.

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