Statistik in Bayern: VdK nennt erschreckende Zahlen zur Altersarmut

Armut im Alter: Der Sozialverband VdK nennt erschreckende Zahlen – jeder fünfte Rentner ist bereits gefährdet.
| Paul Nöllke
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Der Sozialverband VdK beklagt, dass CSU und Freie Wähler im Koalitionsvertrag ambitionierte Ziele bei den Themen Armut und Barrierefreiheit noch nicht einmal aufgeschrieben haben.
Stephanie Pilick/dpa Der Sozialverband VdK beklagt, dass CSU und Freie Wähler im Koalitionsvertrag ambitionierte Ziele bei den Themen Armut und Barrierefreiheit noch nicht einmal aufgeschrieben haben.

München - "Ein ganz normales Leben kann schnurstracks in die Altersarmut führen", sagt die Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Bayern, Ulrike Mascher. Der Verband präsentiert eine erschreckende Statistik: So stieg die Armutsgefährdung der über 65-Jährigen in Bayern im Jahr 2017 auf ein Rekordhoch von 21,7 Prozent.

Auch dieses Jahr erwartet der VdK steigende Zahlen. Besonders betroffen von Altersarmut sind Frauen. Da sie sich oft um die Familie gekümmert haben, haben sie später weniger Rentenanspruch. Heute ist knapp jede vierte 65-jährige Frau in Bayern armutsgefährdet. Dies sei kein Zustand – gerade in einem so reichen Bundesland wie Bayern, erklärt Mascher.
 


Ulrike Mascher. Foto: VdK


Ulrike Mascher: "Die Enttäuschung überwiegt"

Denn Verbesserungen seien leicht möglich: bessere und fairere Löhne, ein höheres Rentenniveau und die Abschaffung der Erwerbsminderungsrenten. All dies seien Forderungen, die der VdK, schon seit Jahren an die Politik stelle. Zwar gebe es einzelne Verbesserungen in der Landespolitik, wie die Anhebung der Mütterrente, allgemein "überwiege aber die Enttäuschung".

So finde man im Koalitionsvertrag zum Beispiel nie das Wort "Armut". "Für die derzeitige Landesregierung ist Armut anscheinend kein Problem, was besonders angepackt werden muss", ärgert sich die Landesvorsitzende. "Wer Geld für Bavaria One raushaut und kein Geld für den Sozialstaat hat, bei dem fragt man sich schon, ob das Leben hier in Bayern oder auf dem Mars stattfindet", wundert sich auch die Präsidentin des VdK Deutschland, Verena Bentele.

Doch nicht nur die Altersarmut beschäftigt den VdK. So sei auch Krankheit ein immer größer werdender Faktor für ein Abrutschen in die Armut. Viele Menschen, die wegen einer Krankheit frühzeitig aus der Arbeit ausscheiden müssen, bekommen als Erwerbsminderungsrente nur unter 900 Euro pro Monat, da sie bis an ihr Lebensende jeden Monat 10,8 Prozent abgezogen bekommen. Dieser Betrag reiche aber kaum zum Leben.

VdK fordert größeres Engagement in der Armutsbekämpfung

All dies unterstelle diesen Menschen auch, dass sie freiwillig früher in Rente gehen, und nicht aus medizinischer Not. Dies sei aber oft der Fall. Auch die Zahl der Menschen, die im Alter Grundsicherung beziehen müssen, steigt seit Jahren. 2007 waren dies in Bayern schon 86.000 Frauen und Männer, zehn Jahre später sind es fast 126.000, die Tendenz ist weiterhin steigend.

Viele dieser Menschen sind dann auf die Generosität ihrer Mitmenschen angewiesen – und das, obwohl sie ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben. "Gerade um Weihnachten herum ist diese Altersarmut in der Mitte der Gesellschaft wieder etwas sichtbarer, wenn Hilfsorganisationen um Spenden bitten und auch Medien das Thema aufgreifen. Das ist zwar ein guter Anfang, aber nicht genug", so Mascher.

Von der Regierung wünscht sich der VdK deshalb ein größeres Engagement in der Armutsbekämpfung. Denn die Voraussetzungen für einen sozialeren Freistaat Bayern seien eigentlich so gut wie nie: Die Probleme sind erkannt, und auch das Geld ist vorhanden.

Ministerpräsident Markus Söder habe jetzt mit einer aktiven Sozialpolitik aus Sicht des VdKs gute Chancen, verlorenes Vertrauen der Wählerinnen und Wähler zurückzuerlangen. Es sei doch absurd, dass sich angesichts steigender Armut nichts ändere. Für den Fall, dass sich in der Politik auch nächstes Jahr nichts tut, hat der Verband aber auch schon einen Plan: Für 2019 ist ein großer Protest geplant. Da sollen "Rollatoren neben Kinderwagen zeigen, dass Altersarmut uns alle beschäftigt und so ein klares Zeichen setzen", so Verena Bentele.

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