Stadt: Verdächtiger im Kinderporno-Fall hatte Pflegekinder

Jahrelang kümmert sich der Würzburger Logopäde aus dem Kinderporno-Fall um zwei Pflegekinder. Bis die Handschellen klicken. Die Stadt untersucht, ob die Kinder missbraucht worden sind.
| dpa
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"Praxis vorübergehend geschlossen" steht auf einem Zettel am Eingang zur einer Praxis für Logopädie. Foto: Daniel Karmann
dpa "Praxis vorübergehend geschlossen" steht auf einem Zettel am Eingang zur einer Praxis für Logopädie. Foto: Daniel Karmann

Würzburg (dpa/lby) - Im Würzburger Kinderporno-Fall hat der Verdächtige nach Angaben der Stadtverwaltung seit Jahren zwei Pflegekinder betreut. Anzeichen auf einen Missbrauch gebe es aber zunächst nicht, sagte Stadtsprecher Georg Wagenbrenner der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Zuvor hatte die "Main-Post" darüber berichtet.

Der 37-jährige Logopäde und sein Partner kümmerten sich um einen vierjährigen Jungen und ein fünfjähriges Mädchen, wie Wagenbrenner sagte. Im Zuge der Ermittlungen seien die Kinder zu Bereitschaftspflegeeltern gebracht worden. Ob sie dort am Wochenende noch waren und wie es für die Kinder weitergeht, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen.

Den Kindern gehe es den Umständen entsprechend gut. "Es haben sich keinerlei körperliche oder seelische Hinweise auf Missbrauch ergeben", sagte Wagenbrenner der "Main-Post". Die Untersuchung habe die Stadt veranlasst, bestätigte er der dpa.

Der Fall war am Donnerstag bekannt geworden und hatte bundesweit Aufsehen erregt. Der tatverdächtige Logopäde sitzt in Untersuchungshaft, sein Partner war nach ersten Ermittlungen wieder freigelassen worden. Der Verdächtige soll Kinderpornos mit kleinen Jungen im großen Stil angefertigt und im sogenannten Darknet verbreitet haben. Das Darknet ist ein abgeschirmter Bereich des Internets, in dem sich viele Kriminelle anonym fühlen.

Die Ermittler prüfen Hunderte Fotos und Videos und gehen dem Verdacht des schweren Kindesmissbrauchs nach. Der Sprachtherapeut hatte in verschiedenen Einrichtungen Kontakt zu Kindern. Bisher schweigt er zu den Vorwürfen.

Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern sagte, es deute derzeit nichts darauf hin, dass die Pflegekinder auch auf den Aufnahmen abgebildet sind. Er mahnte zu einer zurückhaltenden Berichterstattung. "Die sehr umfangreichen Ermittlungen laufen hinsichtlich der Opfer aber natürlich in alle Richtungen weiter", teilte der Beamte von der Zentralstelle, die in Bamberg angesiedelt ist, auf Anfrage mit. Neue Erkenntnisse zu dem Fall lägen zunächst nicht vor.

Nach Angaben der Stadt Würzburg engagierten sich der Logopäde und sein Partner seit 2014 als Pflegeeltern. Dafür seien sie ausführlich überprüft worden, sagte Wagenbrenner. Es habe "drei umfassende persönliche Gespräche" sowie Hausbesuche und Hospitationen gegeben. Ein Verdacht sei dabei nicht aufgekommen. Es sei ihr erstes Engagement als Pflegeeltern gewesen, sagte der Sprecher.

Wagenbrenner schloss nicht aus, dass nach dem Vorfall die Vorschriften für Pflegeeltern verschärft werden könnten. Für konkrete Maßnahmen sei es aber noch zu früh. Die Stadt habe zunächst den Fokus darauf gelegt, verunsicherte Eltern zu informieren und Telefonnummern zusammenzustellen, damit die Stadt auf Anfragen reagieren kann. Derzeit werden nach Angaben der Stadt Würzburg 98 Kinder in Pflegefamilien betreut.

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