Stadt fordert: Zeigt der NPD die kalte Schulter!

Der Plan der Nürnberger: Rollos runter. Die NPD-Demo keines Blickes würdigen. „Wir wollen jegliche Konfrontation vermeiden, damit die Polizei nicht in Bedrängnis kommt.“ Polizei fürchtet dennoch Auseinandersetzungen mit autonomen Gegnern
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Sie fordern die Nürnberger auf, den NPD-Aufzug entlang der Strecke zu ignorieren: Stephan Doll (DGB), OB Ulrich Maly, Arno Hamburger (Israelitische Kultusgemeinde), Dekan Robert Pappenheimer (v.l.).
Berny Meyer Sie fordern die Nürnberger auf, den NPD-Aufzug entlang der Strecke zu ignorieren: Stephan Doll (DGB), OB Ulrich Maly, Arno Hamburger (Israelitische Kultusgemeinde), Dekan Robert Pappenheimer (v.l.).

Der Plan der Nürnberger: Rollos runter. Die NPD-Demo keines Blickes würdigen. „Wir wollen jegliche Konfrontation vermeiden, damit die Polizei nicht in Bedrängnis kommt.“ Polizei fürchtet dennoch Auseinandersetzungen mit autonomen Gegnern

NÜRNBERG Stell dir vor, es ist NPD-Demo – und keiner geht hin. Das wäre der Wunsch von OB Ulrich Maly, Arno Hamburger, Chef der Israelitischen Kultusgemeinde, Dekan Robert Pappenheimer und Stephan Doll (DGB). Sie alle fordern die Nürnberger auf: Zeigt den Nazis die kalte Schulter, wenn die übermorgen zwischen Äußerer Bayreuther Straße und dem Rathenauplatz aufmarschieren. „Rollos runter, würdigen Sie diese Leute keines Blickes.“

Dieser Aufruf steckt heute in jedem Briefkasten, der auf der Route der NPD liegt – und das sind viele. Der Stadtteil Rennweg ist nahezu eingekesselt: Die Polizei muss, um ein Aufeinandertreffen von Autonomen und NPD zu verhindern, die Route komplett abriegeln (AZ berichtete). Maly wird heuer nicht zum „Spaziergang“ aufrufen, um den Neonazis an der Strecke Kontra zu geben: „Wir wollen jegliche Konfrontation vermeiden, damit die Polizei nicht in Bedrängnis kommt.“

Es ist fraglich, ob der Wunsch des demokratischen Bündnisses gegen Rechts aufgeht. Denn dass es Proteste von Links entlang der Strecke geben wird, vermutet nicht nur die Polizei, die mit 3000 Beamten absichert. Doch Gespräche mit den Autonomen seien nicht möglich gewesen, so Maly. „Außerdem haben Autonome im letzten Jahr die Demokraten als Schutzschilde benutzt, um von hinten Flaschen in Richtung Beckstein zu werfen, als der gegen die Neonazis eintrat.“ Auch heuer wird Ministerpräsident Günther Beckstein gegen Rechts reden – dort, wo es die Stadt ausdrücklich will. Am Hans-Sachs-Platz stand die Hauptsynagoge. Vor 70 Jahren wurde sie abgerissen, unter dem Beifall vieler Nürnberger Nationalsozialisten. Auch Arno Hamburger hat das als junger Zeitzeuge gesehen. „Für mich ist es ein Symbol, wenn hier heute Demokraten demonstrieren, wenn sie sich neben den Erben der Verbrecher sammeln für ein ,Nie wieder’.“

Ziel der Stadt ist, am Donnerstag so viele Menschen wie möglich um 13.30 Uhr zum Hans-Sachs-Platz zu bewegen – um anschließend auf dem Kornmarkt den 1. Mai zu feiern. Das ist das nahe Ziel. Auch beim fernen waren sich Doll, Maly, Hamburger und Pappenheimer einig: das Verbot der NPD. Denn so lange die „rassistische, nationalistische, fremdenfeindliche und antisemitische Partei“ – so Inhalt des Flugblatts – weiterhin erlaubt ist, werden Aufzüge wie am Donnerstag nicht verboten werden können.

sw

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