Fast fünf Millionen Euro investiert: Dieses historische Wirtshaus im Chiemgau ist ein echtes Schmuckstück

Der Berggasthof Streichen über Schleching im Achental ist zurück: Nach dem Tod des letzten Wirts retteten Bürger und die Stiftung der Familie Wilde das Mesnerhaus. Saniert wurde es für unter 5 Millionen Euro - neuer Wirt ist Markus Schmiedhuber.
von  Robert Braunmüller
Kunstminister Markus Blume (in der Tür) bei der Eröffnung des Berggasthofs Streichen im Juli.
Kunstminister Markus Blume (in der Tür) bei der Eröffnung des Berggasthofs Streichen im Juli. © Thomas Dashuber/Kulturerbe Bayern

"Mein Tipp: Unbedingt selbst einmal hinaufwandern, einkehren und den herrlichen Blick über das Achental genießen! Das ist Bayern von seiner schönsten Seite - ein Ort, den man einfach ins Herz schließen muss“, sagt Bayerns Kunstminister Markus Blume begeistert.

Und bei allem Willen zur kritischen Berichterstattung: Es ist schwierig, da ein Haar in der Suppe zu finden, denn der Ausblick über das Tal hinüber zum Geigelstein ist eine Sensation. Und jenseits der Landschaft übertreibt niemand, der das historische Ensemble aus dem Mesnerhaus und der Streichenkapelle oberhalb von Schleching samt Natur als bayerisches Gesamtkunstwerk lobt.

Hinzu kommt, dass das Mesnerhaus nach dem Tod des letzten Streichenwirts Franz Strohmayer vor sechs Jahren in beispielhafter Weise dank einer bürgerschaftlichen Initiative gerettet wurde. Die in Schleching ansässige Yvonne und Thomas Wilde Familienstiftung und die gemeinnützige Initiative Kulturerbe Bayern erwarben das Haus, unterstützt von der Bürgerinitiative Streichenfreunde. Sie sanierten es behutsam und verpachteten es an die Augustinerbrauerei. Die hat mittlerweile Markus Schmiedhuber als Wirt gewonnen, der auf bayerische Wirtshauskultur mit regionalen Produkten und ehrlicher Küche setzt.

Photovoltaik und Hackschnitzel

Bei der Sanierung spielte Nachhaltigkeit eine große Rolle, wie Nikolaus Walther erläutert. „Die mittelgroße Photovoltaikanlage liefert 19,3 Kilowattstunden und kann je nach Wetterlage und Belegung des Berggasthofes bis zu 75 Prozent der täglichen Stromversorgung übernehmen“, so der Vorsitzende der Stiftung Kulturerbe Bayern, der als Jurist und gelernter Spengler eine bekannte Münchner Dachdeckerei leitet.

Das Produkt eines Schweizer Herstellers ist voll in das Dach des historischen Mesnerhauses integriert. Sie wirkt optisch wie eine Kupfer-Spiegeldeckung. Wärme im Gebäude liefern CO2-neutrale Hackschnitzel, bei der Sanierung des Inneren wurde mit Lehmputz und Wandheizungen gearbeitet.

Die Eröffnung des restaurierten Berggasthofs am Streichen bei Schleching im Chiemgau im Juli 2026.
Die Eröffnung des restaurierten Berggasthofs am Streichen bei Schleching im Chiemgau im Juli 2026. © Thomas Dashuber

Die ältesten Teile des Gebäudes stammen vielleicht noch aus dem späten 17. Jahrhundert. Um 1747, nach der Brandschatzung im Österreichischen Erbfolgekrieg, wurde es neu gebaut. 1948 begann der Kriegsheimkehrer Franz Strohmayer senior Kaffee auszuschenken, 1951 wurde der Stall in ein Wirtshaus umgebaut.

Die Sanierung versuchte, den Zustand des Gebäudes von vor 100 Jahren wiederherzustellen. Sie kostete „unter fünf Millionen Euro“, so Walther, wobei ins Dach allein 450.000 Euro investiert wurden. Ein Sechstel kam aus öffentlichen Fördertöpfen.

Leicht erreichbar

Die Stiftung Kulturerbe versteht die nachhaltige Sanierung des Mesnerhauses als Leuchtturmprojekt, um künftig neue Spender, Sponsoren, Zustiftungen oder Erbschaften einzuwerben. In Schleching selbst spricht der Bürgermeister Peter Oster vom „kulturellen und emotionalen Krönchen einer herausragenden Dorferneuerung“.

Die Streichenkirche St. Servatius mit dem Mesnerhaus in einer Aufnahme von 2015.
Die Streichenkirche St. Servatius mit dem Mesnerhaus in einer Aufnahme von 2015. © Voll im Fokus/Wikimedia

Die 2018 als gemeinnütziger Verein in Verbindung mit einer Stiftung gegründete Initiative Kulturerbe Bayern versteht sich als Gegenstück zum britischen National Trust. Sie möchte gebautes, gewachsenes und gelebtes Kulturerbe in Bayern erhalten und erlebbar machen. Neben dem Mesnerhaus wurden auch die Gebäude Judengasse 10 in Rothenburg ob der Tauber sowie Häuser in Dillingen und Murnau erworben und saniert. Ein weiteres Projekt ist Schloss Erkersreuth bei Selb, der einstige Wohnsitz des Porzellanunternehmers Philip Rosenthal. Hier soll künftig Erdwärme genutzt werden.

Das Ensemble aus dem Mesnerhaus und der Kirche St. Servatius mit ihrer stimmigen und ziemlich einmaligen spätgotischen Ausstattung einschließlich Fresken und eines Flügelaltars ist wie bisher über einen Schotterweg vom kostenpflichtigen Parkplatz (5 Euro) oberhalb von Schleching in zehn Minuten erreichbar. Neu eingerichtet wurde der familienfreundliche „Hutschn-Steig“ mit Bänken und Schaukeln (bairisch: „Hutschn“), der vom ehemaligen Zollamt an der Straße zwischen Schleching und Kössen in einer halben Stunde zur Streichenkirche führt.

Bayerns Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume bei der Besichtigung des restaurierten Wirtshauses.
Bayerns Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume bei der Besichtigung des restaurierten Wirtshauses. © Thomas Dashuber

Daher ist es ganz einfach, sich davon zu überzeugen, ob Blume wirklich recht hat, wenn er sagt: „Hier stimmt die ganze Mischung! Der Berggasthof Streichen ist ein historisches Schmuckstück, das auch in Sachen Nachhaltigkeit glänzt.“

Berggasthof Streichen bei Schleching, Di/Mi Ruhetag. Übernachtung in einfachen Zimmern möglich. Infos unter: berggasthof-streichen.de

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