Sohn wollte Mutter erstechen – aber sie hält weiter zu ihm!

Florian (17) muss sich wegen versuchten Mordes vor dem Würzburger Landgericht veranworten. Familie und Freunde stehen vor einem Rätsel
WÜRZBURG Mutterliebe kennt wirklich keine Grenzen! Ihr Sohn (17) hat ihr ein Fleischermesser in den Rücken gerammt und sie ganz nah an den Rand des Todes gebracht. Doch Christiane K.* (54) hat ihrem Buben verziehen. Wenn am Donnerstag der Prozess gegen ihn beginnt, sitzt sie im Gerichtssaal ganz nah bei ihm – und hofft auf die Gnade der Richter...
Florian muss das Gericht davon überzeugen, dass er seine Mutter nicht umbringen wollte. Das ist eine schwierige Aufgabe. Rein vom Tatablauf, den der Azubi (Kfz-Mechatronik) bereits eingeräumt hat, sieht die Attacke auf seine Mutter eher wie ein besonders heimtückisches Verbrechen aus. Die Staatsanwaltschaft hat ihn deshalb auch wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der zweitägige Prozess findet wegen des jugendlichen Alters des Angeklagten hinter verschlossenen Türen statt.
Das Messer verfehlte ganz knapp die Wirbelsäule
Den Ermittlungen zufolge hatten sich die beiden über die Finanzierung des Mopedführerscheins gestritten, den Florian möglichst schnell haben wollte. Die Mutter war anderer Ansicht – das brachte den jungen Mann derart in Rage, dass er sich kurzerhand in der Küche das Fleischermesser schnappte und es ihr von hinten in den Rücken rammte. Das Messer verfehlte ganz knapp die Wirbelsäule und wichtige Lebensorgane. Christiane K., die trotzdem in Lebensgefahr schwebte, konnte sich mit letzter Kraft zu Nachbarn schleppen.
Die Polizei nahm den damals 16 Jahre alten Florian in seinem Zimmer fest. Der saß dort auf der Couch und schaute in aller Seelenruhe Fernsehen, während seine Mutter mit dem Tod rang. Das tief im Rücken steckende Messer konnte erst durch eine Not-Operation im Krankenhaus entfernt werden.
„Florian wollte mich bestimmt nicht töten. Da bin ich mir ganz sicher“, sagte seine Mutter wenige Stunden vor Beginn des Prozesses zur AZ. Eine Erklärung für seinen Ausraster hat sie allerdings nicht: „Was ihn zu der Tat bewogen hat, wissen seine Freunde nicht, ich weiß es nicht – und er selbst weiß es auch nicht.“ Auch die Nachbarn in der kleinen Gemeinde im Kreis Main-Spessart schütteln fassungslos den Kopf. Eine Nachbarin sagt: „Er war wirklich ein netter aufgeschlossener Junge.“
Helmut Reister
* Name geändert