Update

Söder kündigt Geisterspiele an: Fußball in Bayern wieder ohne Zuschauer

Bayerns Ministerpräsident prescht vor und will im Freistaat wieder einen Fan-Lockdown in den Stadien einführen: "Macht keinen Sinn, wieder Zuschauer zuzulassen." Ziehen die anderen Länder nach?
| AZ/dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
26  Kommentare Artikel empfehlen
Bald wieder die Realität? Markus Söder in einem leeren Fußballstadion. (Archivbild)
Bald wieder die Realität? Markus Söder in einem leeren Fußballstadion. (Archivbild) © Christian Charisius/dpa

München - In den Bundesligastadien wird es ab dem Wochenende wohl wieder gespenstisch still, es drohen bundesweit Geisterspiele.

"Man kann davon ausgehen, dass die Bundesliga ohne Zuschauer weiterspielen soll. Das ist eine richtige Entscheidung", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach den Bund-Länder-Beratungen am Dienstag. Eine endgültige Entscheidung soll am Donnerstag auf einer kurzfristig angesetzten Ministerpräsidentenkonferenz fallen.

Markus Söder fordert Geisterspiele: Auch bayerischer Alleingang möglich

Es gebe zwar noch "unterschiedliche Ansätze", berichtete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), doch alle seien sich einig gewesen, "dass im Fußball etwas passieren muss".

Söder sprach sich dafür aus, "bis zum Jahresende in den Profiligen ohne Zuschauer auszukommen". Sollte sich nicht auf eine bundeseinheitliche Regelung verständigt werden, würde man "in Bayern einen Alleingang" machen. Söder sperrt zu Auch Baden-Württemberg sprach sich schon für Geisterspiele aus.

Söder begründete den Schritt damit, "dass die hohe Mobilität bei der An- und Abreise aktuell nicht verantwortbar ist". Der Fußball habe "eine große Vorbildfunktion".

Daher müsse man "überall Kontakte reduzieren". Da Bayern mit zahlreichen Infektions-Hotspots zu kämpfen hat, war die Zahl der erlaubten Besucher in den Stadien zuletzt schon stark reduziert worden.

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr designierter Nachfolger Olaf Scholz (SPD) berieten ab Dienstagmittag dreieinhalb Stunden mit den Regierungschefs der Länder über die Corona-Lage.

Anzeige für den Anbieter Twitter über den Consent-Anbieter verweigert

Die Rufe nach einer Verschärfung der Schutzmaßnahmen und Beschränkungen waren in den vergangenen Tagen nochmals lauter geworden. Grund sind die hohen Infektionszahlen und die Verbreitung der neuen Omikron-Variante.

Helge Braun: "Wir müssen Freizeitveranstaltungen deutlich zurückfahren"

Dass die Geisterspiele oder zumindest starke Zuschauer-Beschränkungen wieder eingeführt werden, war bereits am Dienstagmorgen ein offenes Geheimnis. Neben dem Fußball sind auch die anderen Sportarten betroffen. Schließlich ging es um das Thema der Großveranstaltungen in seiner Gesamtheit.

"Wir müssen Freizeitveranstaltungen deutlich zurückfahren", sagte der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) schon im ZDF-Morgenmagazin: "Dass es am letzten Wochenende noch große Bundesligaspiele mit Zigtausenden von Besuchern gab, ist angesichts der dramatischen Lage im Land nicht mehr zu verantworten."

Robert Habeck: "Die Bundesliga muss nicht in vollen Stadien spielen"

Ähnlich äußerte sich Grünen-Chef Robert Habeck. "Die Bundesliga muss nicht in vollen Stadien spielen. Das ist jetzt schon möglich und hätte auch schon am letzten Wochenende untersagt werden können", sagte Habeck: "Es war ein Fehler, dass die Bundesliga am letzten Spieltag in vollen Stadien gespielt hat. Das ist völlig klar, das hätte man unterbinden sollen."

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Vor allem das Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach (4:1) am Samstag vor 50.000 Zuschauern hatte die Debatte um die Geisterspiele entscheidend befeuert. Zahlreiche Spitzenpolitiker und Experten äußerten ihr Unverständnis.

Die flächendeckende Rückkehr der Begegnungen vor leeren Rängen, deren Ende vor einem halben Jahr von der Politik proklamiert worden war, schien deshalb nur eine Frage der Zeit zu sein.

Dass sich Klubverantwortliche wie Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart ("Geisterspiele sind für uns wirklich dramatisch") und Alexander Wehrle vom 1. FC Köln ("Wir sind nicht die Hotspots als Großveranstaltungen") gegen die Geisterspiele wehrten, erschien ohnehin keine Aussicht auf Erfolg zu haben.

Schließlich war die Vorstellung von 67.500 Zuschauern beim Topspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern am Samstag für weite Teile der Politik und im Lager der Experten nicht mehr mehrheitsfähig.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 26  Kommentare – mitdiskutieren Artikel empfehlen
26 Kommentare
Artikel kommentieren