Söder gegen WM-Boykott – Olympia 2036 "historische Chance"

Deutschland würde gerne wieder Olympische Spiele ausrichten. Aber ausgerechnet 2036? Bayerns Ministerpräsident hat dazu seine eigene Meinung – wie auch zur Fußball-WM im Sommer.
von  AZdpa
Markus Söder: Keine "Moralprediger am Spielfeldrand". (Archivbild)
Markus Söder: Keine "Moralprediger am Spielfeldrand". (Archivbild) © Kay Nietfeld/dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder würde Olympische Spiele 2036 in Deutschland entgegen etwa der Meinung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßen. "Ich schätze den Bundespräsidenten sehr, vertrete hier aber eine andere Auffassung. Aus meiner Sicht wären Olympische Spiele 2036 in München sogar eine historische Chance. Als Spiele der Lebensfreude und des Miteinanders könnten sie das Gegenstück zu Berlin 1936 sein", sagte Söder (CSU) der "Bild" in einem Interview.

Sport verbinde Menschen und Völker, das sei "eine starke Botschaft gerade in der heutigen Zeit. Deutschland sollte sich in der Bewerbungsphase nicht vorschnell selbst einschränken. Es ist überhaupt nicht klar, in welchen Paketen die Spiele 2036 bis 2044 ausgeschrieben werden", sagte Söder weiter.

Nazi-Spiele 1936

Steinmeier lehnt Olympia in Deutschland 2036 aus historischen Gründen ab: 1936, also genau 100 Jahre zuvor, war das nationalsozialistische Deutschland Ausrichter der Sommerspiele. Die Nazis missbrauchten die Spiele hemmungslos für ihre Propaganda.

Steinmeier sehe das Jahr 2036 als "historisch problematisch" für eine deutsche Olympia-Bewerbung an, sagte zuletzt ein Sprecher in Berlin. Er hoffe aber, dass Deutschland die Spiele in den Jahren 2040 oder 2044 ausrichten könne. Zuvor hatte der "Spiegel" darüber berichtet. 

Die letzten Olympischen Spiele in Deutschland fanden im Sommer 1972 in München statt. Nun wollen für 2036, 2040 oder 2044 wiederum München sowie Hamburg, Berlin und die Region Rhein-Ruhr für Sommerspiele kandidieren. Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet im September, welchen nationalen Bewerber er ins Rennen schickt.

Die Sommerspiele 2028 sind nach Los Angeles vergeben, 2032 ist Brisbane der Gastgeber. Für 2036 gilt Asien als aussichtsreich bei der Vergabe durch das Internationale Olympische Komitee, Indien und Katar haben Interesse angemeldet.

Söder: DFB-Truppe "braucht Rückdeckung"

Söder hält nichts von Debatten über einen möglichen Boykott der Fußball-WM in diesem Sommer. "Die Nationalmannschaft braucht Rückendeckung.“ Diskussionen über die Außenumstände wie bei der WM in Katar oder die Farbe der Kapitänsbinde spalten die Mannschaft und schwächen das Team. Damit ist niemandem geholfen", meinte Söder. Die WM findet vom 11. Juni bis zum 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada statt.

Daher sei auch "der Versuch wenig sinnvoll, eine Debatte über einen WM-Boykott im Sommer anzuzetteln. Es ist besser, die Welt durch Erfolg und eigene Stärke positiv zu verändern, anstatt immerzu als Moralprediger am Spielfeldrand zu stehen. Das sollte das Motto sein – dann können wir etwas erreichen. Ich wünsche es der Mannschaft. Sie soll sich auf den Fußball konzentrieren dürfen", sagte Söder.

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