So hart trifft der Zoll-Hammer Bayerns Unternehmen

Von BMW bis MAN: Die Bilanz der Trumpschen Wirtschaftspolitik fällt ernüchternd aus. So gehen bayerische Firmen mit der schwierigen Situation um.
Ralf Müller |
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Setzt mit Zöllen auch die deutsche Wirtschaft unter Druck: US-Präsident Donald Trump spricht während eines Pressebriefings im Weißen Haus in Washington.
Setzt mit Zöllen auch die deutsche Wirtschaft unter Druck: US-Präsident Donald Trump spricht während eines Pressebriefings im Weißen Haus in Washington. © Mark Schiefelbein/dpa

"Wir müssen durch dieses Loch durch“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Damit meint er die europafeindliche Zoll- und Wirtschaftspolitik unter der US-amerikanischen Trump-Administration. Doch in den Unternehmensetagen ist man sich sicher, dass es so gut wie vor Trump nicht mehr werden wird. "Die Zollregelungen sind gekommen, um zu bleiben“, erwartet Ishita Aggarwal, Vizechefin von Siemens USA. Aggarwal war am Dienstagabend Teilnehmerin einer vbw-Veranstaltung zur wirtschaftspolitischen Bilanz nach einem Jahr "Trump 2.0“.

Und die fiel nicht gut aus. Beinahe mehr als die Zölle beklagen die in den USA tätigen deutschen Unternehmen den völligen Wegfall der Planungssicherheit. Die Prognose der Deutsch-Amerikanerin Cathryn Clüver Ashbrook von der Bertelsmann Stiftung, der zollpolitische Schuss von Präsident Donald Trump werde "nach hinten losgehen“ und die US-Wirtschaft werde "in diesem Jahr bröckeln“, konnte die Unternehmer nicht trösten. Ein schwächelndes Amerika ist nicht das, was sie sich für den Absatz ihrer Produkte wünschen.

Ausfuhren gingen um mehr als sechs Prozent zurück

Trumps Zoll-Hammer war schon im vergangenen Jahr für die bayerische Wirtschaft schmerzhaft spürbar. Weil die bayerischen Exporte durch den Basis-Zoll deutlich teurer geworden sind, gingen die Ausfuhren aus dem Freistaat in die Vereinigten Staaten 2025 um mehr als sechs Prozent zurück, berichtete vbw-Hauptgeschäftsführer Brossardt.
Die Wirtschaft im Freistaat wird durch die US-Zölle wegen ihres hohen Exportanteils besonders getroffen. Bundesweit gehen zehn Prozent aller Exporte in die USA, in Bayern liegt diese Quote bei 13 Prozent. Mit einem Volumen von 29 Milliarden Euro sind die USA für die bayerische Wirtschaft der größte Exportmarkt – und der bröckelt: In den ersten elf Monaten 2025 lagen die bayerischen Exporte in die USA um 8,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). © Matthias Balk/dpa


Mit dem im vergangenen Jahr vereinbarten Basis-Zoll von 15 Prozent ist es für zahlreiche Produkte nicht getan. Das liegt an den Sonderzöllen von 50 Prozent auf Stahl und Aluminium, die beispielsweise alle Maschinen und Ausrüstungen oder Motoren beinhalten. Der Anteil von Stahl oder Aluminium an diesen Produkten wird mit 50 Prozent versteuert, nur der Rest mit den 15 Prozent.

Auch US-Ableger bayerischer Unternehmen können nicht entkommen

Tochterunternehmen in den USA können die Zoll-Schmerzen lindern. Ablesen lässt sich dies am Beispiel der bayerischen Autobauer BMW und Audi. BMW betreibt in den USA das größte Werk und konnte dort seine Auslieferungen im vergangenen Jahr sogar um fünf Prozent auf fast 418.000 Pkw steigern. Audi hingegen musste dort einen Absatzrückgang von 12,2 Prozent auf 202.100 Fahrzeuge hinnehmen. Doch auch die US-Ableger bayerischer Unternehmen können dem Trumpschen "Zoll-Chaos“ (Brossardt) nicht entgehen.
Hauptbetroffene der Zölle sind Unternehmen des Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbaus wie Kuka, MAN und Rohde & Schwarz, außerdem die im bayerischen Chemiedreieck beheimatete chemische und die Pharma-Industrie. 2024 gingen nach Angaben der vbw 30 Prozent aller Pharmaexporte Bayerns in die USA. Der US-Anteil an allen Autoexporten lag 2024 noch bei 19,4 Prozent.

Oliver Zipse, Vorstandschef BMW. Mit seinem Werk in den USA konnte der Autobauer seine Auslieferungen sogar steigern.
Oliver Zipse, Vorstandschef BMW. Mit seinem Werk in den USA konnte der Autobauer seine Auslieferungen sogar steigern. © Sven Hoppe/dpa


Überdurchschnittlich belastet sind auch die Hersteller von Elektronik und Sensorik (US-Exportanteil der Branche: 18,2 Prozent) wie Infineon und Sick. Überwiegend handelt es sich allerdings um mittelständische Firmen, darunter etliche "Hidden Champions“ mit wichtigen Nischenprodukten. Beispiel für einen massiv betroffenen mittelständischen Betrieb ist das Augsburger Traditionsunternehmen "J. N. Eberle“ mit etwa 260 Beschäftigten. Die USA sind für dessen Bandsägen und Bandstahlprodukte ein wichtiger Absatzmarkt, sagt Geschäftsführer Gernot Egretzberger. Beim Export in die USA würden bis zu 50 Prozent Zoll und zusätzliche Kosten im sechsstelligen Bereich fällig.

"Erheblicher Mehraufwand"

Außerdem müsse in der Abwicklung ein "erheblicher Mehraufwand“ betrieben werden; im Unternehmen wurde dazu eigens ein "Zoll-Team“ eingerichtet. Die US-Zölle seien ein "echter Wettbewerbsnachteil, den wir zwar zum Großteil, aber nicht vollständig an unsere Kunden weitergeben können“, berichtet Egretzberger.

Viele der mittelständischen Unternehmen in Deutschland sind mit Tochtergesellschaften auch in den USA aktiv. Christoph Schemionek, Präsident der Delegation der deutschen Wirtschaft in Washington, bezifferte deren Zahl auf etwa 6200 Tochterunternehmen in allen 50 US-Staaten. Einer vbw-Studie zufolge gibt es 701 bayerisch kontrollierte Unternehmen in den USA, also Firmen, an denen bayerische Investoren mehr als 50 Prozent halten.

Diese sorgen direkt und indirekt für über 728.000 Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten und generieren insgesamt eine Wertschöpfung von 131,5 Milliarden Euro. "Daher sollte es auch im Interesse der USA sein, die Unsicherheiten rund um das Thema Zölle schnellstmöglich zu beenden“, mahnte Brossardt.

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