Sieben-Tage-Inzidenz: Warum dieser Wert in Wahrheit gar nicht viel aussagt

Die Corona-Kennzahl der Sieben-Tage-Inzidenz ist nicht so verlässlich, wie allgemein geglaubt wird. Aus folgendem Grund.
| Clemens Hagen
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Die Kennzahl der Sieben-Tage-Inzidenz ist nicht so verlässlich, wie allgemein geglaubt.
Die Kennzahl der Sieben-Tage-Inzidenz ist nicht so verlässlich, wie allgemein geglaubt. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

München – Corona kommt bekanntlich aus China - und es hat für uns Menschen eine ganze Menge Fachchinesisch im Gepäck. Viele dieser Begriffe haben etwas mit Zahlen zu tun, ob es die Inkubationszeit ist oder der Reproduktionswert. 

Die Zahl, um die sich bei der Bewertung des Infektionsgeschehens seit Wochen alles dreht, ist die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz. Sie bildet die Fälle der letzten sieben Tage pro 100.000 Einwohner ab und gilt als die harte Währung in Sachen Corona. Das ist sie aber bei genauerer Betrachtung keineswegs.

Wert beruht ausschließlich auf der Zahl der positiv auf Covid-19 getesteten Menschen

Warum? Zuerst einmal wird die Sieben-Tage-Inzidenz täglich vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen für alle bayerischen Städte und Landkreise ermittelt. Sie hat aber einen entscheidenden Nachteil, denn der Wert beruht ausschließlich auf der Zahl der positiv auf Covid-19 getesteten Menschen, setzt diese Zahl aber nicht in Bezug zu der Anzahl der insgesamt vorgenommenen Tests.

Was kompliziert klingt, wird anhand eines Beispiels verständlich:
Stadt A, die 100. 000 Einwohner hat, lässt jeden Tag 20.000 Einwohner testen, von denen in einer Woche insgesamt 50 positiv sind. So kommt man für Stadt A auf einen Inzidenzwert von 50.
Stadt B, die ebenfalls 100.000 Einwohner hat, lässt jeden Tag nur 1.000 Einwohner testen, von denen dann ebenfalls 50 positiv sind. Auch in der Stadt B lautet der Inzidenzwert 50.

Man muss kein mathematisches Genie sein, um zu erkennen, dass Corona in Stadt B deutlich schlimmer wüten muss als in Stadt A.

Wird in München viel oder wenig getestet?

Auf AZ-Anfrage bestätigt das LGL dieses Manko: "Eine Übermittlung der Laboruntersuchungen nach Landkreisen/Städten ist nicht vorgesehen. Daher liegen dem LGL keine Daten zu durchgeführten Sars-CoV-2-Untersuchungen aufgeschlüsselt nach einzelnen Landkreise bzw. Städten vor", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Nun ist es jedoch so, dass in Bayern - wie im restlichen Deutschland auch - alle Corona-Maßnahmen aufgrund der Sieben-Tage-Inzidenz getroffen werden. So wie zuletzt in München die Maskenpflicht, die erlassen wurde, nachdem die Landeshauptstadt den Grenzwert von 50 Infektionen pro 100 .000 Einwohner an mehreren Tagen hintereinander gerissen hat. Ob in München vergleichsweise viel oder wenig getestet wurde, das weiß wohl so recht niemand.

Denn selbst das Gesundheitsreferat der Stadt München bestätigt auf AZ-Anfrage, dass es nur über die Anzahl der Testungen im kommunalen Testzentrum auf der Theresienwiese Bescheid weiß - nicht aber über die Anzahl der Testungen im Hauptbahnhof, im ZOB, in Klinken und bei Ärzten.

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