Sicherheitskonferenz-Chef wirbt für Waffengeschenke an Polen

Angesichts der Bedrohung durch Russland an der Nato-Ostflanke sollte Deutschland aus Sicht des Chefs der Münchner Sicherheitskonferenz seinem Nachbarn Polen Waffen schenken – etwa ein U-Boot, eine Fregatte oder einige Kampfpanzer. Die Verteidigungsleistung des "Frontstaats" Polen schütze auch Deutschland, sagte Wolfgang Ischinger der "Welt". "Und es gibt aus polnischer Sicht die ungelöste Reparationsfrage, die immer noch herumschwirrt."
Weiter sagte er, Deutschland habe jetzt viel Geld für Verteidigung. Davon könne ein kleiner Teil nach Polen gehen. "Den Gedanken finde ich zündend."
Der Umgang mit den Schäden der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg ist ein Dauerthema in den Beziehungen beider Länder. Weiterhin stehen polnischen Reparationsforderungen in Billionenhöhe im Raum, die zuletzt im September von Präsident Karol Nawrocki bei seinem Antrittsbesuch erhoben wurden.
"Sorge vor deutscher Dominanz"
Ischinger sagte weiter, die steigenden deutschen Verteidigungsausgaben könnten in den Nachbarstaaten auch zu Bedenken führen. "In Gesprächen mit Partnern in Paris und auch Polen spüre ich, dass manchmal alte Vorbehalte wieder hochkommen – die Sorge vor deutscher Dominanz."
Die Aufstockung sei militärisch nötig und politisch sinnvoll, doch müsse Deutschland dabei mit Fingerspitzengefühl vorgehen. Es komme darauf an, den Partnern klarzumachen: "Wir investieren nicht, um eine dominante Rolle zurückzugewinnen, sondern um Europa verteidigungsfähig zu machen."
Konferenz als "Marktplatz der Ideen"
Die Münchner Sicherheitskonferenz findet vom 13. bis 15. Februar statt, sie nennt sich selbst "das weltweit führende Forum für Debatten zu internationaler Sicherheitspolitik" und begreift sich als unabhängigen "Marktplatz der Ideen".