Selbstbedienungs-Klinik in Fürth? Personalchef vor Gericht

In Nürnberg steht seit Mittwoch der ehemalige Personalchef des Fürther Krankenhauses vor Gericht. Er soll Konten geplündert haben.
| Helmut Reister, jrz
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Der Angeklagte am Mittwoch auf dem Weg in den Gerichtssaal.
Der Angeklagte am Mittwoch auf dem Weg in den Gerichtssaal. © M. Leibetseder

Nürnberg/Fürth - Für einen Porsche und den Audi Q7, den sich Berhane A. (45) zum Beispiel leistete, hätte er selbst als gutbezahlter Manager eines kommunalen Krankenhauses lange sparen müssen. Mit frei erfundenen Scheinrechnungen, die auch ohne Überprüfung anstandslos bezahlt wurden, soll der Ex-Personalchef des Fürther Klinikums dieses Problem aber umgangen haben.

Prozess gegen Klinik-Manager: Fast 500.000 Euro abgezweigt?

Deswegen steht der 45-Jährige nun vor dem Nürnberger Landgericht. Als Personalchef des Klinikums war er mit allen Vollmachten ausgestattet - und hat laut Staatsanwaltschaft die Konten der Klinik geplündert. Der Anklage zufolge stellte er zwischen 2018 und seiner Festnahme im Sommer 2020 insgesamt 64 fingierte Rechnungen aus, zum Beispiel zu Fortbildungsseminaren, die nie stattfanden. Er selbst zeichnete sie ab und beförderte dadurch genau 471.537,50 Euro auf seine Konten.

Er habe im Klinikum überdurchschnittlich viel gearbeitet und kaum Freizeit gehabt, ließ er gestern über seinen Rechtsanwalt verkünden, als er die Taten gestand. Dafür habe er eine Kompensation gewollt. Absender der Rechnungen an das Klinikum Fürth waren nach den Erkenntnissen der Ermittler zwei Firmen, die der Klinik-Manager nebenbei gegründet hatte.

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Angeklagter gründete Firmen und erfand Mitarbeiter

Ein Unternehmen beschäftigte sich laut seinen eigenen Angaben mit Stellenvermittlung und einer Jobbörse im Internet, das andere bot gastronomische Dienstleistungen an. Dazu gehörte ein Café in Erlangen, das seine Freundin als Geschäftsführerin betrieb. Als Geschäftsführerin taucht in den Akten auch die inzwischen verstorbene Mutter († 73) des Angeklagten auf. Nach den staatsanwaltschaftlichen Erkenntnissen wurde die betagte Frau allenfalls für Buchhaltungsarbeiten eingesetzt.

Andere angebliche Mitarbeiter, die in den Geschäftsunterlagen erwähnt sind, stellten sich bei den amtlichen Nachforschungen als Fake heraus. Außerdem wird A. vorgeworfen, in den Jahren 2016 bis 2019 keine Umsatzsteuererklärungen für seine Firma abgegeben zu haben.

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Dem Angeklagten drohen fünf Jahre Knast

Dem Sitzungsplan zufolge geht das Gericht von einem komplizierten Verfahren aus. Elf Verhandlungstage bis in den August hinein wurden bereits festgelegt. Der Staatsanwalt stellte zu Prozessbeginn eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren in den Raum.

Zu den Dutzenden Zeugen, die die Kammer vorgesehen hat, gehören auch Verantwortliche des Klinikums Fürth. Sie müssen vor allem erklären, warum es dem Personalchef mit seinen Betrügereien so einfach gemacht wurde - und warum es zwei Jahre dauerte, ehe die Schwindel-Rechnungen auffielen.

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