Sechs Millionen extra Gäste: Flughafen München eröffnet neuen Flugsteig

Der Flughafen München eröffnet seinen neuen Flugsteig für Terminal 1. Die Politik erhofft sich davon eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts – und eine direkte ICE-Anbindung. Die AZ war bei der Eröffnung dabei und hat sich das neue Pier angesehen.
Maximilian Neumair |
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Der Gateway-Bereich im neuen Erweiterungsbau am Münchner Flughafen. Hier können Passagiere die Fuße hochlegen und aufs Vorfeld blicken.
Der Gateway-Bereich im neuen Erweiterungsbau am Münchner Flughafen. Hier können Passagiere die Fuße hochlegen und aufs Vorfeld blicken. © Peter Kneffel (dpa)

CEO Jost Lammers schwebt sichtlich auf Wolke sieben. Und das nicht nur metaphorisch: Der Chef des Flughafen Münchens und seine prominenten politischen Gäste feiern die Eröffnung des neuen Terminal-1-Piers auf einer Bühne, die über den Wolken liegt.
Zumindest sieht es so durch Luftballons aus, die in weißen Kunststoff eingehüllt mehrere fluffige Bündel bilden.

Die steigen während der Eröffnungszeremonie blau, gelb oder weiß leuchtend auf und ab: so wie die Flugzeuge der rund 40 Airlines, die ab nächsten Dienstag (21. April) etwa sechs Millionen zusätzliche Fluggäste in Länder oder von Ländern außerhalb des Schengenraums befördern. Dazu gehören unter anderem die USA, Asien und der Nahe Osten.

Prüfung von ICE-Anbindung bis Sommer 2026

Der Münchner Airport stärkt damit seine Rolle als Drehkreuzflughafen. Und könnte in Zukunft durch eine Fernverkehrsanbindung ein noch wichtigerer Verkehrsknotenpunkt werden als ohnehin schon. Das stellt zumindest Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) bei der Eröffnung in Aussicht: "Es wird geprüft, die Fernverkehrsanbindung des Flughafens weitgehend zu berücksichtigen."

Details könne er noch nicht nennen, aber Ergebnisse sollten voraussichtlich bis diesen Sommer vorliegen. Das heißt, Fahrgäste könnten mit ICEs den Flughafen direkt ansteuern und müssten nicht mehr den Umweg über den Hauptbahnhof wählen – wenngleich auch dieser mit Expressverbindungen für Regional- und S-Bahnverkehr laut Schnieder weiter gestärkt werden soll.

Prominente politische Gäste bei der Eröffnung des neuen Terminal-Piers (v. l.): Referent für Arbeit und Wirtschaft in München Christian Scharpf (CSU), Bayerischer Finanzminister Albert Füracker (CSU), Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Flughafen-Chef Jost Lammers.
Prominente politische Gäste bei der Eröffnung des neuen Terminal-Piers (v. l.): Referent für Arbeit und Wirtschaft in München Christian Scharpf (CSU), Bayerischer Finanzminister Albert Füracker (CSU), Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Flughafen-Chef Jost Lammers. © Maximilian Neumair

Finanzminister Albert Füracker (CSU), der Chef des Flughafen-Aufsichtsrats, greift Schnieders vorsichtige Ankündigung mit einem Augenzwinkern auf: "Wir sind sehr dankbar für die Zusage, die sie heute gegeben haben, dass die Fernbahnanbindung demnächst kommt!" Für ihn sei das die "Überraschung des Tages".

In ernsterem Ton fügt Füracker an: "Geben Sie uns bitte nicht nur ein Konzept bekannt, sondern sagen sie uns, wann wir damit rechnen können." Der fehlende Fernbahnhof, der ursprünglich mit dem Flughafen München geplant war, aber nicht gebaut wurde, ist nach wie vor ein großer Standortnachteil im Vergleich zu Frankfurt.

Münchens Wirtschaftsreferent: "Flughafen wichtiger Grund für Firmen, sich hier anzusiedeln"

Auch ohne solch einen Bahnhof ist das neue Pier ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung von "Bayerns Tor zur Welt". Ministerpräsident Markus Söder (CSU) preist bei der Eröffnung: "Wir wollen jungen Leuten die Möglichkeit geben, die Welt kennenzulernen. Wir wollen aber auch wirtschaftlich in der Welt als Exportnation stark sein." Ohne passende Infrastruktur könne Bayern als Standort nicht wachsen.

Christian Scharpf (CSU), der Referent für Arbeit und Wirtschaft der Stadt München, ergänzt: "Für internationale Firmen ist der Flughafen ein wesentlicher Grund, sich anzusiedeln." Fachkräfte hätten gute Verbindungen in ihre Heimatländer und die ausländischen Firmen zu ihren Zentralen.

Jost Lammers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH, nimmt an der Einweihung des Gateway-Bereichs im neuen Erweiterungsbau am Münchner Flughafen teil.
Jost Lammers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH, nimmt an der Einweihung des Gateway-Bereichs im neuen Erweiterungsbau am Münchner Flughafen teil. © Peter Kneffel (dpa)

Flughafen-Chef Lammers nennt den Airport ein "Aushängeschild": "Das erste, was Sie von Bayern sehen werden, ist dieses hochmoderne Gebäude." Es verkörpere den bayerischen Dreiklang aus "Qualität, Gastlichkeit und Identität".

Wer es durchquert, spürt dessen Dimensionen schnell in den Beinen. Der ganze Flughafen Hannover hätte in dem Erweiterungsbau Platz: Das neue Gebäude ist 96.000 Quadratmeter groß, inklusive Vorfeldflächen rund 120.000 Quadratmeter. Der Flughafen setzt auf viel Geräumigkeit – das sei, was die Gäste heutzutage wollen.

Der Sicherheitsbereich im Erweiterungsbau am Terminals 1 des Münchner Flughafens.
Der Sicherheitsbereich im Erweiterungsbau am Terminals 1 des Münchner Flughafens. © Peter Kneffel (dpa)

Der Erweiterungsbau ist auch sonst am Puls der Zeit: Die modernen CT-Scanner erfordern nicht länger, dass Flüssigkeiten und technische Geräte aus dem Handgepäck genommen werden. Heißt: Die Kontrollen gehen schneller und sind weniger nervig. Dazu soll auch die Anzahl der Kontrollen beitragen: An zehn Schlangen können sich Passagiere anstellen.

665 Millionen Euro teure Finanzierung ohne Staatshilfe

Ist der Sicherheitsbereich einmal durchquert, gelangen Passagiere in den für Flughäfen typischen Edel-Konsumtempel: 20 Shop- und Serviceflächen – darunter bekannte Marken wie FC Bayern, Lego, Boss oder Breitling –, fünf Restaurants wie etwa die Odeon-Bar von Käfer und zwei Lounges.

Zum einen die 900 Quadratmeter große Emirates Lounge, die exklusiv für Emirates-Passagiere ist. Zum anderen die für Business-Class-Reisende inklusive Airport Lounge World des Flughafens, die auf zwei Ebenen auf 1200 Quadratmeter Fläche Ausblick auf das Vorfeld und die Alpen gewährt.

Der DutyFree-Bereich im neuen Erweiterungsbau am Münchner Flughafen. Hier können Fluggäste bei bekannten Marken wie FC Bayern, Boss oder Breitlang einkaufen.
Der DutyFree-Bereich im neuen Erweiterungsbau am Münchner Flughafen. Hier können Fluggäste bei bekannten Marken wie FC Bayern, Boss oder Breitlang einkaufen. © Peter Kneffel (dpa)

Die Kosten belaufen sich auf rund 665 Millionen Euro – komplett finanziert aus den Mitteln des Flughafens, also ohne jeglichen staatlichen Zuschuss, wie Lammers, Söder und Füracker mehrmals stolz betonen. Ganz im geplanten Budget ist der Flughafen aber nicht geblieben: Ursprünglich sollte der Erweiterungsbau rund 500 Millionen Euro kosten.

Und auch die Eröffnung hätte schon 2022 stattfinden sollen, doch die Corona-Pandemie machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. An die neu gesetzte Frist habe man sich aber gehalten – keine Selbstverständlichkeit bei Flughäfen.

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