Saufen bis zum Umfallen, auch im Alter

Besonders viele Komatrinker kommen aus Bayern. In einer Statistik stehen unter den ersten 15 Plätzen neun bayerische Städte und Kreise, in denen die Jugendlichen gerne zum Alkohol greifen.
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BERLIN - Besonders viele Komatrinker kommen aus Bayern. In einer Statistik stehen unter den ersten 15 Plätzen neun bayerische Städte und Kreise, in denen die Jugendlichen gerne zum Alkohol greifen.

Angetrunken durch den Lebensabend: Alkoholismus wird zum Problem unter Senioren, berichtet das Bundesgesundheitsministerium. Sogar das Komasaufen ist kein Privileg junger Menschen. Fast 2200 Menschen zwischen 70 und 75 mussten 2008 in der Klinik behandelt werden, weil sie sich teils bis zur Bewusstlosigkeit betrunken hatten.

Das Komatrinken ist allerdings quer durch die Altersgruppen auf dem Vormarsch. Bayern weist die höchste Zahl an jugendlichen Komasäufern auf. Spitzenreiter sind pro Einwohner die Städte Bamberg und Hof. Auffällig: In kleineren Städten ist das Problem massiver als in großen.

Fachleute sind allerdings auch über die steigende Zahl alkoholabhängiger Senioren besorgt. 430 Menschen zwischen 80 und 85 wurden 2009 ins Krankenhaus eingeliefert, dreimal soviele wie 2000. Siegfried Weyerer, Professor am Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, warnt: „Es spricht Einiges dafür, dass Alkohol- und andere Suchterkrankungen im höheren Alter überproportional ansteigen werden.“

Unter den trinkenden Senioren sind auffallend viele mit hoher Bildung

Ein Grund dafür ist die Veränderung der Altersstruktur. Weil der Anteil der Menschen über 60 steigt, steigt auch die Zahl der betagten Trinker. Dazu kommen die veränderten Trinkgewohnheiten der Nachkriegszeit, berichtet Weyerer. Nach 1945 stieg der Alkoholkonsum der gesamten Bevölkerung deutlich an. Menschen, die heute ins Rentenalter kommen, sind also seit ihrer Jugend den häufigeren Griff zur Flasche gewohnt. Besonders auffällig: Anders als bei jüngeren Trinkern finden sich unter älteren Abhängigen auffallend viele Menschen mit hoher Bildung.

Weyerer warnt davor, den Alkoholkonsum von Senioren zu verharmlosen. Weil der Stoffwechsel im Alter anders funktioniere, könne die gleiche Menge, die ein junger Mensch ohne Probleme konsumiere, im Alter fatal sein. Mit anderen Worten: Über 60 verträgt man nicht mehr so viel und sollte deswegen seinen Konsum einschränken. Ansonsten drohen im schlimmsten Fall Wechselwirkungen mit anderen Alters-Erkrankungen oder Stürze.

Maßvoll zu trinken, kann freilich schwerfallen, vor allem, wenn die soziale Kontrolle fehlt. „Wenn ein Berufstätiger mit einer Fahne in die Arbeit kommt, fällt das auf“, sagt Weyerer. Bei einem alleinstehenden Rentner bemerkt dagegen niemand den morgendlichen Alkoholkonsum. Weyerer plädiert deswegen für mehr Aufklärung – damit Senioren wissen, wie gefährlich der Alkohol für sie werden kann.

sun

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