Sabbatical: Mit dem Motorrad von Bayern bis nach Thailand

Riesige Schlaglöcher, Matsch-Wege, klauende Affen: Florian Pollinger (34) hat seinen Traum wahr gemacht. Von seiner Heimat Bayern aus ist er nach Thailand und mittlerweile sogar bis Malaysia gefahren. Was er auf seiner Sabbatical-Reise erlebt hat und wie es für ihn weitergeht.
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Florian Pollinger (34) aus dem Landkreis Kelheim ist im August 2025 von Bayern in Richtung Thailand aufgebrochen.
Florian Pollinger (34) aus dem Landkreis Kelheim ist im August 2025 von Bayern in Richtung Thailand aufgebrochen. © privat

Mit dem Motorrad von Bayern bis nach Thailand fahren – der Traum dieser besonderen Reise hat über Jahre in Florian Pollinger (34) geschlummert. Im August 2025 traut er sich: Der 34-Jährige aus Irnsing im Landkreis Kelheim steigt auf seine 31 Jahre alte Maschine und düst los in Richtung Asien. Die Strecke ist nicht einfach eine Route von A nach B. Sondern ein Abenteuer fürs Leben.

Warum nicht einfach mit dem Flugzeug nach Thailand fliegen? Aus seiner Sicht nimmt man auf dem Motorrad die Umwelt intensiver wahr, man fühle mehr und komme auch besser mit den Menschen ins Gespräch. Und: "Beim Motorradfahren ist der Weg das Ziel. Mich haben die Länder dazwischen genauso interessiert."

Über ein Dutzend Stationen: Türkei, Russland, China, Laos

Auf die Frage, wie viele Länder er bis Thailand durchquert hat, muss er selbst nachzählen. Moment. Er kommt auf 17. Unter anderem war er in Albanien, der Türkei, Russland, Kirgistan, China und Laos.

In Motorradkluft auf Reisen: Florian Pollinger ist seit August unterwegs, hier ist er in China zu sehen.
In Motorradkluft auf Reisen: Florian Pollinger ist seit August unterwegs, hier ist er in China zu sehen. © privat

Als die AZ mit ihm telefoniert, ist er sogar schon über sein eigentliches Ziel Thailand hinaus. Der Bayer hält sich gerade in Malaysia auf, von dort will er sein Motorrad nach Italien verschiffen lassen. Um dann zu einem späteren Zeitpunkt in Afrika weiterzufahren. Marokko steht auf seiner Liste, vielleicht auch Senegal.

Sabbatical: Wie der Traum von Thailand zustandekam

Sein Sabbatical läuft noch bis Juli. Wenn Pollinger nicht gerade ein Abenteuer mit dem Motorrad unternimmt, arbeitet er bei Audi in Ingolstadt.

"From Germany to Thailand" steht hinten auf dem seinem Gefährt. Das Kelheimer Kennzeichen dürfte in Asien selten zu sehen sein.
"From Germany to Thailand" steht hinten auf dem seinem Gefährt. Das Kelheimer Kennzeichen dürfte in Asien selten zu sehen sein. © privat

Die Idee von Thailand mit dem Motorrad überkam ihn, als er nach einer mehrwöchigen Backpacking-Reise in dem asiatischen Land ("die beste Zeit meines Lebens") wieder im Flieger saß. So erzählt er es rückblickend. In seinem Kopf war plötzlich der Gedanke: "Beim nächsten Mal fahre ich mit dem Motorrad über den Landweg hierher." Erst war das nur ein Traum. "Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich es wirklich mache."

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Über ein Jahr hat er sich aktiv darauf vorbereitet. Papierkram erledigt, Fitness-Training absolviert, sich mental gestärkt. Denn so eine Individualreise ist durchaus auch anstrengend. "Es ist kein Pauschalurlaub. Manchmal überlege ich schon: Warum machst du das Ganze?"

Die Reise abbrechen? Keine Option

Gerade wenn es etwa den ganzen Tag regnet, der Schlaf schlecht war und die Straßen auch. Wenn die Sicht im Dschungel wegen des Wasserdampfs extrem eingeschränkt ist und die Straßen rutschig werden. Aber das sind nur kurze Phasen.

Ein Motorrad, ein Zelt, ein Bayer: Der 34-jährige Florian Pollinger erlebt seit August das Abenteuer seines Lebens.
Ein Motorrad, ein Zelt, ein Bayer: Der 34-jährige Florian Pollinger erlebt seit August das Abenteuer seines Lebens. © privat

Am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder anders aus, wenn der 34-Jährige etwa an einem verlassenen Strand sitzt und in den Sonnenuntergang schaut. Aufhören und früher heimfahren? Darüber hat er noch nie ernsthaft nachgedacht.

Reise-Burnout vorbeugen: Sich mehr Zeit einräumen

Aber er hat auf der Reise auch dazugelernt. "Ich habe irgendwann angefangen, langsamer zu reisen und länger an einem Ort zu bleiben. Denn ich war kurz vor einem Reise-Burnout. Der Körper hat so viele Eindrücke, dass er sie nicht mehr verarbeiten kann." Deswegen hat er sein Reise-Tempo angepasst.

Weite Landschaften mit Blick auf die Berge beeindrucken den 34-Jährigen aus dem Landkreis Kelheim an Kirgisistan besonders.
Weite Landschaften mit Blick auf die Berge beeindrucken den 34-Jährigen aus dem Landkreis Kelheim an Kirgisistan besonders. © privat

Wenn er von seiner Reise spricht, klingt das nach Freiheit, Grenzenlosigkeit und Abenteuer. Er erzählt von Lagerfeuern, einsamen Stränden, Kokosnüssen. Von zwei Schlafsäcken (je nach Temperatur), Töpfen und einer Kaffeemühle im Gepäck. Von riesigen Schlaglöchern (Laos) bis Linksverkehr (Thailand). Von Straßen durch den Dschungel, mit Blick auf den Himalaya, und Einheimischen, die den Motorrad-Reisenden zum Essen einladen. Und Affen, die ihm Klopapier klauen.

In der Türkei sind die Menschen ihm zufolge besonders gastfreundlich. In Kasachstan muss man schauen, dass man eine Tankstelle findet. In Malaysia kostet Benzin 50 Cent, in Pakistan nur zehn Cent. Die schlechtesten Straßen mit dem meisten Matsch und Schlaglöchern sind in Laos. Hier hat er schon mal für 200 Kilometer acht Stunden gebraucht.

Deutschland hat aus seiner Sicht nicht die besten Straßen

Und die besten Straßen? "Thailand hat mittlerweile die besten Straßen." Auf der ganzen Route? "Ja. Thailand hat in der Zwischenzeit viele neue Straßen gebaut und hat bessere als in Deutschland." Er kann den Zustand mit seiner ersten Thailand-Reise vergleichen.

Ein Land in Zentralasien ist für Florian Pollinger ein Geheimtipp: "Eindeutig Kirgistan!" Die Berge und die Landschaft haben ihn besonders beeindruckt. Das Land (offiziell auch Kirgisistan geschrieben) sei wenig besiedelt, dennoch sei die Infrastruktur gut, erzählt er. "Ich kann jedem nur raten, nach Kirgistan zu fahren. Die Straßen sind fordernd, aber das ist ja das Schöne am Motorradfahren."

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Aber auch die Ankunft in Thailand zählt zu seinen schönsten Momenten bisher. "Ich habe mir einen einsamen Strand gesucht, dort bin ich mehrere Tage geblieben." Eine Frau habe ihm mehrere Kokosnüsse geschenkt. "Abends beim Lagerfeuer hatte ich den thailändischen Strand ganz für mich allein, es war kein Mensch weit und breit. Ich habe einfach die Zeit und die Ruhe genossen."

Malaysia stand eigentlich nicht auf seiner Liste

Malaysia hatte er eigentlich nicht auf dem Schirm, allerdings will er wegen der politischen Lage in Indien und Pakistan (Kaschmir-Konflikt) umdisponieren. Er wird sein Motorrad bald nach Italien verschiffen lassen (am günstigsten) und reist damit später in Marokko weiter. So der neue Plan.

Florian Pollinger (34) nutzt ein Sabbatical für die Reise seines Lebens.
Florian Pollinger (34) nutzt ein Sabbatical für die Reise seines Lebens. © privat

Angesichts der langen Route und der vielen Länder überraschend: Bisher kam es nur einmal zu einer kleinen Panne. "Mein Motorrad hat grundsätzlich das Problem, dass der Heckrahmen gern reißt. Das ist mir kurz vor China passiert, als mein Zeitfenster knapp war, damit ich den Guide nicht verpasse." Denn in China sei ein begleitender Guide verpflichtend. Aber er habe die Maschine noch rechtzeitig reparieren können.

Warum sein Motorrad schon über 30 Jahre alt ist

Sein Gefährt mit dem bayerischen Kennzeichen "KEH - FP - 91" ist schon 31 Jahre alt. Warum? "Ich habe bewusst ein altes Motorrad genommen, weil ich daran alles reparieren kann. Es funktioniert rein mechanisch."

Florian Pollinger sagt über sich selber, dass er ein geübter und guter Motorradfahrer ist, aber so manche Schlammstraße stellt auch ihn vor Herausforderungen. Die schlechtesten Straßen waren in Laos.
Florian Pollinger sagt über sich selber, dass er ein geübter und guter Motorradfahrer ist, aber so manche Schlammstraße stellt auch ihn vor Herausforderungen. Die schlechtesten Straßen waren in Laos. © privat

Was er anderen Reise-Interessierten mitgibt: "Man muss bei solchen Reisen auf seinen Körper hören. Gerade auf dem Motorrad. Man muss sich Zeit geben." Und noch ein wichtiger Tipp: "Das Gepäck sollte man immer gut sichern, wenn Affen in der Nähe sind. Auch den Schlüssel sollte man abziehen, denn die Affen klauen alles. Wenn sie sehen, wie man den Reißverschluss aufmacht, können sie es auch." Bei ihm hatten sie es auf Klopapier und Chilis abgesehen. Er lacht.

Ansonsten sollte man die Einsamkeit nicht unterschätzen. "Man hat zwar immer wieder kurze Begegnungen, aber teilweise ist man zwei, drei Wochen für sich." Er komme gut damit zurecht. Der Abenteurer wirkt ausgeglichen, zufrieden, glücklich.

Bei Instagram kann man seine Reise unter kaffeemuehle_auf_dem_motorrad verfolgen.

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