Roboter kocht an Tankstelle bis zu acht Gerichte zeitgleich

Greifarme, drehbare Herdplatten und eine eingebaute Spülmaschine: In München gibt es laut Betreiber nun einen öffentlich zugänglichen Kochroboter. Doch ganz ohne den Menschen geht es nicht.
Julian Degler, dpa |
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Von Käsespätzle bis Kaiserschmarrn: Kochroboter "emma" kann bis zu acht Gerichte gleichzeitig zubereiten.
Von Käsespätzle bis Kaiserschmarrn: Kochroboter "emma" kann bis zu acht Gerichte gleichzeitig zubereiten. © Felix Hörhager/dpa
München

Käsespätzle, Kaiserschmarrn oder Tom Kha Gai-Suppe: Seit September kocht an einer Tankstelle im Münchner Südosten ein Roboter. Nach Angaben des Betreibers Allguth ist es der erste öffentlich zugängliche Kochroboter in der bayerischen Landeshauptstadt. In rund fünf Minuten bereitet der autonome Koch aus verschiedenen Zutaten eine warme Mahlzeit zu. Der Kochroboter ist dem Familienunternehmen zufolge rund um die Uhr geöffnet.

Der kommerzielle Kochroboter heißt "emma" und kommt vom deutschen Unternehmen Goodbytz, das autonome Küchenroboter entwickelt. "Der Fachkräftemangel, steigende Betriebskosten und der Wunsch nach längeren Öffnungszeiten führen dazu, dass immer mehr Betreiber nach neuen Lösungen suchen", erklärt eine Sprecherin.

Kommerzielle Kochroboter sind oft große Kästen. Im Modell "emma" von Goodbytz sind eine Kühlung, Kochfelder und auch eine Spülmaschine verbaut. Hinter einer Glasfront führen zwei Greifarme die Kochschalen durch die einzelnen Arbeitsschritte. Sind die Zutaten im Topf, geht es auf eine drehbare Herdplatte. Bis zu acht Gerichte können so zeitgleich gekocht werden, pro Stunde schafft "emma" bis zu 120 Gerichte. Die Reinigung der Kochgefäße übernimmt der Roboter im Anschluss eigenständig.

Ganz ohne Menschen geht es bisher nicht

Doch ganz ohne menschliche Beihilfe geht es nicht: Die Zutaten müssen durch menschliche Hand vorbereitet und aufgefüllt werden. Gereinigt werden muss der Kochroboter ebenfalls von Menschen.

Die Küchenroboter von Goodbytz kommen bereits an mehreren Orten in Deutschland zum Einsatz: Unter anderem in einem Restaurant am Leipziger Hauptbahnhof, an der Universität Kaiserslautern oder im Universitätsklinikum in Tübingen. Ein Wettbewerber des 2021 gegründeten Unternehmens ist die ebenfalls deutsche Circus Group, die den Kochroboter CA-1 verkauft. Dieses System ist seit September 2025 ist in der Münchner Kantine der Facebook-Mutter Meta im Einsatz, wie die Circus Group auf ihrer Webseite schreibt.

Der Einsatz bei Allguth ist für Goodbytz der erste an einer Tankstelle. Damit erschließe man sich ein neues Feld, sagt Mitgründer Hendrik Susemihl. "Unser Ziel ist es, autonome Küchen als skalierbare Infrastruktur zu etablieren, die frisch zubereitetes Essen rund um die Uhr verfügbar macht, auch dort, wo klassische Gastronomiekonzepte an ihre Grenzen stoßen."

Dehoga Bayern: Kochroboter sind bisher Nischenlösung 

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Bayern sieht in Kochrobotern eine interessante Zukunftstechnologie, wie Landesgeschäftsführer Thomas Geppert erklärt. "Es kann Mitarbeiter entlasten und Arbeitsabläufe effizienter gestalten, aber wir werden es nicht pauschal auf alle Betriebe gleichermaßen anwenden können". Kochroboter seien bisher eine Nischenlösung und noch lang kein flächendeckender Standard. Es werde punktuell ausprobiert und getestet, berichtet Geppert.

An der Technischen Universität München forscht Berthold Bäuml dazu, wie Roboter mit Hilfe Künstlicher Intelligenz selbstständig lernen, geschickt mit ihren Händen umzugehen. Dass Kochroboter einmal einen Geschmackssinn wie Menschen aufweisen und Gerichte abschmecken können, sieht Bäuml zum aktuellen Zeitpunkt nicht. "Anders als bei der Intelligenz fehlt hier sogar noch die Hardware", also überhaupt das Verständnis wie die komplexe menschliche Sensorik nachgebildet und auf Kochroboter übertragen werden kann.

Roboter mit menschlicher Geschicklichkeit 

Was aber schon bald möglich sein könnte, ist, dass anstelle von mechanischen Greifarmen, die vorbereitete Zutaten verarbeiten, geschicktere Roboterhände etwa Zwiebeln oder Knoblauch frisch schälen und schneiden. "Wir gehen davon aus, dass man allerspätestens in fünf Jahren Roboter hat, die mindestens die Geschicklichkeit des Menschen erreicht haben", sagt Bäuml. Bei der Entwicklung könne man sich das dann zunutze machen, um auch Kochroboter mit deutlich mehr Geschicklichkeit und Feingefühl für die Zu- und Verarbeitung der Produkte auszustatten.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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