Regensburger Domspatzen: Missbrauch auch unter den Buben

Der Skandal bei den Domspatzen weitet sich aus. Jetzt spricht ein Ehemaliger von Übergriffen – älteren Schüler sollen sich an den Jüngeren vergriffen haben.
| Ruth Schormann
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Bei den Regensburger Domspatzen kam es auch untereinander zu sexuellen Übergriffen.
dpa Bei den Regensburger Domspatzen kam es auch untereinander zu sexuellen Übergriffen.

Der Skandal bei den Domspatzen weitet sich aus. Jetzt spricht ein Ehemaliger von Übergriffen – ältere Schüler sollen sich an den Jüngeren vergangen haben.

Regensburg - Mit dem über 400 Seiten starken Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal im Regensburger Sängerknaben-Internat ist der Skandal anscheinend noch lange nicht aufgearbeitet – und in allen Teilen bekannt.

Der Bericht wurde vergangenes Jahr vorgestellt, sexuelle Gewalt unter Mitschülern war nicht Bestandteil der Aufklärungsarbeit für den Bericht. Doch jetzt kommen genau dazu neue Details ans Licht, ein Ehemaliger bricht sein jahrzehntelanges Schweigen.

Regensburger Domspatzen: Sex-Übergriffe auf Reisen und im Internet

Wie das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" berichtet hat, soll es im Knabenchor auch Übergriffe untereinander gegeben haben – von älteren auf jüngere Schüler. In dem Fernsehbeitrag, der am Dienstagabend gezeigt wurde, kommt ein ehemaliger Domspatz zu Wort. Thomas M. erhebt schwere Vorwürfe. "Für mich war diese Zeit sehr traumatisch", sagt der Mann, der in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren Schüler der Institution war.

Er meint aber nicht die Gewalt und die sexuellen Übergriffe von Lehrern und Geistlichen, die der vom Bistum eingesetzte Sonderermittler untersucht hat. Thomas M. sagt, er sei von älteren Schülern missbraucht worden. "Ich weiß, dass es System hatte und auch gängige Praxis war, dass sich ältere Schüler sich an jüngeren Schülern vergriffen haben", sagt der Ehemalige. "Und nicht nur einer mit einem", schiebt er nach.

Man habe sich gegenseitig mit der Hand befriedigt, aber auch Oral- und Analverkehr habe es gegeben. Die Übergriffe hätten sowohl auf Konzertreisen als aber auch im Internat stattgefunden, sagt Thomas M. Über derartige Vorfälle liegen "Report Mainz" weitere Hinweise vor. Denn ein ehemaliger Schüler des Domspatzen-Gymnasiums sei 2016 wegen schweren sexuellen Missbrauchs verurteilt worden – bei den Opfern handle es sich auch um Ehemalige. Es könnte sein, dass sich ein Missbrauchsfall schon während der Zeit auf dem Internat zugetragen habe.

Ein Bistumssprecher teilte am Mittwoch mit, man habe den Beitrag mit "Erschütterung und Bedauern" gesehen. Thomas M. solle sich mit dem Missbrauchsbeauftragten des Bistums wenden.

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