Recherchestelle: Mehr antisemitische Vorfälle gemeldet

Hasskommentare, NS-Vergleiche, Bedrohungen: In Bayern wurden in der ersten Jahreshälfte einer Recherchestelle zufolge mehr antisemitische Vorfälle gemeldet - besonders bei Protesten zum Gaza-Konflikt im Mai. Der Zentralrat der Juden nennt die Entwicklung "beunruhigend".
| dpa
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Ein Jude trägt eine Kippa mit einer Davidstern-Klammer.
Ein Jude trägt eine Kippa mit einer Davidstern-Klammer. © Fredrik von Erichsen/dpa/Symbolbild
München

In Bayern sind in der ersten Jahreshälfte einer Dokumentationsstelle zufolge mehr Fälle von Antisemitismus gemeldet worden als im Vorjahreszeitraum. "Natürlich nehmen antisemitische Vorfälle zu", sagte die Leiterin der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Bayern, Annette Seidel-Arpaci, bei einer Pressekonferenz am Freitag in München.

Besonders bei Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Gaza-Konflikt im Mai 2021 zwischen der islamistischen Hamas und Israel war Antisemitismus in Bayern einem RIAS-Bericht zufolge weit verbreitet. Bei allen 22 beobachteten Kundgebungen seien antisemitische Inhalte gemeldet worden, teilte die Recherchestelle mit. So sei der Staat Israel bei Reden in die Nähe des NS-Regimes gerückt worden, Demonstranten hätten "Kindermörder Israel" skandiert.

"Dass Antisemitismus nie weit entfernt ist, wenn Israel im Fokus der Weltöffentlichkeit steht, ist nicht überraschend", sagte Seidel-Arpaci. Vor dem erneuten Aufflammen des Nahost-Konflikts im Mai war es in Bayern demnach vor allem im Zusammenhang mit Corona-Verschwörungstheorien zu antisemitischen Vorfällen gekommen.

Auch abseits der Proteste registrierte RIAS zwischen 11. Mai und 11. Juni im Freistaat Fälle von Antisemitismus, darunter eine Bedrohung und eine gezielte Sachbeschädigung. Der Vorsitzende des Verbands jüdischer Studenten in Bayern, Michael Movchin, sprach von "einer ganz neuen Dimension von Hass und Hetze" im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt. Dazu gehörten auch Tausende Hasskommentare im Internet bei Solidaritätsbekundungen mit Israel.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sprach von einer beunruhigenden Entwicklung: "In einem besorgniserregenden Ausmaß hat sich in Deutschland eine ablehnende Haltung gegenüber Israel breitgemacht, die häufig nichts anderes ist als verkappter Antisemitismus." Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) sagte, die Vorfälle im Mai 2021 hätten sie "sehr erschüttert". Vor allem junge Menschen müsse man "stark machen gegen Antisemitismus, in all seinen unterschiedlichen Formen".

Die Zahl antisemitischer Straftaten im Freistaat hat sich zwischen 2013 und 2020 mehr als verdreifacht. 2020 wurden laut Polizei 353 judenfeindliche Straftaten festgestellt, 2013 waren es 109.

© dpa-infocom, dpa:211001-99-439866/3

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