Raumfahrt in Bayern: Rettet die Branche unsere Wirtschaft?

Die Raumfahrtindustrie wächst drastisch – und Europa ist laut der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) in vielen Bereichen führend. Welche das sind, was das für die Wirtschaft bringt und warum Bayern als Standort so wichtig ist.
Maximilian Neumair |
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Die computergenerierte Darstellung des Wettersatelliten Meteosat Third Generation Sounder (MTG-S1). Dieser wird Europas Wetterdienste mit Hochfrequenzdaten versorgen. Satelliten sind das Herzstück der Raumfahrt-Industrie.
Die computergenerierte Darstellung des Wettersatelliten Meteosat Third Generation Sounder (MTG-S1). Dieser wird Europas Wetterdienste mit Hochfrequenzdaten versorgen. Satelliten sind das Herzstück der Raumfahrt-Industrie. © P. Carril (ESA)

Solarenergie, Batterietechnologie und E-Mobilität sind typische Beispiele für wirtschaftliche Bereiche, in denen die internationale Konkurrenz Deutschland abhängt – oder es schon längst getan hat. Die Raumfahrt soll sich da nicht einreihen. Tatsächlich ist Europa in der Branche in einigen Bereichen weltweit führend, etwa in der Forschung oder bei der Satellitennavigation, bei der das dafür zuständige System Galileo sogar präziser als das US-amerikanische Pendant GPS ist.

Darauf ist Dietmar Pilz sichtbar stolz. Er ist der Leiter des weltweit größten Standorts der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) in den Niederlanden. Er wurde von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) eingeladen, am Mittwochabend einen vertiefenden Einblick in die Bedeutung der Raumfahrt für die Industrie zu geben.

Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt sagt: "Die Transformation der Branche ist in vollem Gange und besonders eindrucksvoll zeigt sich das in Bayern." Der Freistaat hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der leistungsfähigsten Raumfahrtstandorte Europas entwickelt und ist führend in Deutschland. Rund 38.000 Beschäftigte erwirtschaften in mehr als 550 Unternehmen einen Jahresumsatz von rund zwölf Milliarden Euro.

Raumfahrt: Für jeden investierten Euro 3,50 bis vier Euro zurück

Dass ausgerechnet Bayern in der Raumfahrt so weit vorne liegt, ist zum einen auf die hier schon lange angesiedelten Institutionen zurückzuführen. Etwa das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Columbus-Kontrollzentrum (Col-CC) und die Technische Universität München. Zum anderen fördert der Freistaat die Branche als Schlüsseltechnologie stark und schafft Planungssicherheit für Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Im Doppelhaushalt 2024/2025 sind rund 423 Millionen Euro für Luft- und Raumfahrt eingeplant.

Markus Söder hat 2018 das Programm "Bavaria One" aufgesetzt. Schon früh hat er das Potenzial der Branche erkannt.
Markus Söder hat 2018 das Programm "Bavaria One" aufgesetzt. Schon früh hat er das Potenzial der Branche erkannt. © Screenshot Twitter @Markus_Soeder

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erkannte schon früh das Potenzial der Branche: Im Jahr 2018 hatte er insgesamt 700 Millionen Euro mit dem Programm "Bavaria One" für die Luft- und Raumfahrt in Aussicht gestellt. Damals ist er noch belächelt worden. Später wurde die Initiative Teil von Bayerns "Hightech-Agenda".

Die hohen Investments in die Branche sind keinesfalls ein Selbstzweck. "Jeder Esa-Mitgliedstaat kann sich darauf verlassen, dass das Geld in die Wirtschaft des Landes zurückkommt", sagt Pilz von der Esa. Für jeden investierten Euro fließen demnach zwischen 3,50 und vier Euro zurück. Nicht nur in die Raumfahrt selbst, sondern auch in andere Wirtschaftszweige. Etwa in die Telekommunikation, in die Rüstungs- sowie die Metall- und Elektroindustrie.

ESA: "Raumfahrtmarkt ist durch Investoren entdeckt worden"

Wirtschaftlich spannend ist laut Pilz vor allem der sogenannte Downstream-Markt, also die Verwertung der Satelliten-Daten durch Software und Dienste. "Je näher ich an der Erde bin, desto mehr sind die kommerziellen Aspekte da", sagt Pilz. Das Herzstück der Raumfahrtindustrie seien daher Satelliten, die sich im Orbit der Erde befinden. Sie ermöglichen Beobachtung, Navigation und Telekommunikation. "Der Raumfahrtmarkt ist die letzten zehn Jahren durch Investoren entdeckt worden", sagt der Esa-Leiter. Das prognostizierte Marktvolumen bis 2040: rund zwei Billionen Euro.

Die Ariane-6-Rakete der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) mit dem Erdbeobachtungssatelliten Sentinel 1-D vor dem Start. Das europäische Unternehmen ArianeGroup hat auch einen Standort in Ottobrunn.
Die Ariane-6-Rakete der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) mit dem Erdbeobachtungssatelliten Sentinel 1-D vor dem Start. Das europäische Unternehmen ArianeGroup hat auch einen Standort in Ottobrunn. © Ronan Lietar/AFP/dpa

Die Raumfahrt wirkt zudem als Innovationstreiber für die Wirtschaft. Ein Beispiel sind etwa die Materialwissenschaften: "Wir haben ganz spezielle Anforderungen an den Start und an das Gewicht", sagt Pilz. Die Folge: Neue Herstellungstechniken entstehen, die auch für andere Bereiche nützlich sind.

Laut Pilz hat die Raumfahrtindustrie sogar das Potenzial, Arbeitsplätze zu erhalten. "Ich sehe nicht, warum ein guter, flexibler Ingenieur, der lange Jahre als Konstrukteur in der Automobilindustrie gearbeitet hat, nicht in die Raumfahrtindustrie wechseln könnte." Die Branche ist im Vergleich mit der Automobilindustrie zwar noch eine relativ kleine, aber sie wächst. 

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