Rätselraten um bayerischen Phantom-Bär: Ist "Bruno II" jetzt unterwegs?

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Wiederholt sich in diesem Sommer in Bayern ein Tier-Drama wie es sich 2006 um den schließlich erschossenen Braunbären "Bruno" abgespielt hat? Das Landesamt für Umwelt (LfU) gibt bedingte Entwarnung: Es konnten "keine Anhaltspunkte gefunden werden, die die Anwesenheit eines Bären bestätigen würden, teilte ein Sprecher der Behörde auf Anfrage mit.
Experten untersuchen eine Wetzstelle und Trittabdrücke
Vor zwei Wochen berichtete ein Wanderer, dass er am Sondersberg nahe der bekannten und viel besuchten Winklmoosalm bei Reit im Winkel einen Bären gesehen habe. Fachleute des "Netzwerks Große Beutegreifer" entdeckten nach Angaben des Landratsamts Traunstein tatsächlich vor Ort "Spuren" wie "eine Wetzstelle und Trittabdrücke". An einem Baum wurden Tierhaare gefunden, die zwischenzeitlich vom Senckenberg-Institut für Wildtiergenetik untersucht wurden.

Das Institut kam zu keinem Ergebnis, berichtete jetzt das LfU. Die Probenqualität der Haare lasse "keine Artbewertung zu". Es gebe keine Beweise für die Anwesenheit eines Bären, so das LfU. Weitere Sichtungen wurden auch nicht bekannt. Seit Jahren gibt es in der Region keine Risse von Wild- oder Weidetieren, die auf Bären hindeuten würden.
CSU-Politiker warnt schon mal
Die Nähe zum österreichischen Bundesland Tirol lässt jedoch immer wieder die Befürchtung aufkommen, dass ein neuer Problembär vom Schlage Bruno nach Bayern eindringen könnte. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Siegfried Walch zeigte sich alarmiert und rief schon mal zur Wachsamkeit auf: "Mit der Rückkehr Großer Beutegreifer wächst die Sorge um die Sicherheit von Weidetieren und die Zukunft traditioneller Almflächen", so Walch. Der Schutz von Mensch und Tier sowie die Bewahrung der Almwirtschaft hätten "Vorrang".
Bei zwei toten Pferden in Tirol besteht Bärenverdacht
In Tirol ist es schon ernst geworden. Vor zwei Wochen meldete die Landesregierung in Innsbruck den Tod eines Ponys bei Landeck, das vermutlich ein Bär auf dem Gewissen hat. Zuletzt wurde Ende Juli und Anfang August im Gemeindegebiet von Pfunds (ebenfalls Bezirk Landeck) ein Bär nach dem Riss von zwei Eseln mit Bild- und Videomaterial als Täter nachgewiesen. Auch bei einem weiteren toten Pferd im Gemeindegebiet von Pfunds besteht Bärenverdacht. Man weiß noch nicht, ob es sich um eines oder mehrere Tiere handelt.

Dennoch bestehe auch in Tirol derzeit keine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung durch Bären, beruhigen die Behörden Einheinmische und Wandertouristen aus Bayern. Alle Bären, die in Tirol in den letzten Jahren festgestellt wurden, hätten scheues Verhalten gezeigt: "Die Wahrscheinlichkeit, in Tirol einem Bären zu begegnen, ist zudem äußerst gering."
Regierung in Innsbruck ordnet "Besenderung" an
Dennoch sieht sich die Tiroler Regierung zum Handeln veranlasst. "Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung und der Almwirtschaft sehr ernst und beobachten die Lage sehr genau", betonte der stellvertretende Landeshauptmann Josef Geisler. Die Regierung in Innsbruck hat kürzlich eine "Verordnung zur Vergrämung und Besenderung eines Bären" in Bezirk Landeck erlassen.
Vor zwei Jahren war zuletzt nachweislich ein Bär aus Tirol in die bayerischen Alpen westlich des Inntals und dann über die Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land wieder nach Österreich gewandert. Im österreichischen Bundesland Salzburg wurde er schließlich von einem Zug überfahren.
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