Quietschende Züge im Oberland: Runder Tisch mit Ilse Aigner

Am Runden Tisch hagelt es Kritik an den Lint-54-Bahnen zwischen Bad Tölz und Bayrischzell. Ilse Aigner soll nun schlichten.
| Klaus Wiendl
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CSU-Bezirkschefin Ilse Aigner im Gespräch mit der Gmunder Bürgerinitiative "Endstation Lint".
CSU-Bezirkschefin Ilse Aigner im Gespräch mit der Gmunder Bürgerinitiative "Endstation Lint". © K. Wiendl

Holzkirchen - Vor dem Rathaus in Holzkirchen hatte sich bereits die Bürgerinitiative "Endstation Lint" postiert. Als betroffene Gleisanlieger in Gmund, wo die neuen Triebwagen in einer engen Kurve des Bahnhofs besonders laut quietschen, fordern ihre Mitglieder eine "drastische Lärmreduzierung".

Adressatin ihres Protests "Kreischgau" ist auch Ilse Aigner (CSU), die sich 2018 noch als Wirtschaftsministerin für die Lint-Züge des deutschen Herstellers Alstom eingesetzt hatte. "Wir hatten viel Ärger mit den alten Zügen", sagte die Landtagspräsidentin am Mittwoch als Moderatorin eines Runden Tisches zum Thema. Ausschlaggebend für einen Flottenwechsel sei damals das Votum der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) gewesen, die keine Alternative zum Zugtyp Lint gesehen habe. Nur dieser hatte als Dieselfahrzeug eine Zulassung für Deutschland und die alten Integral- sowie Talentzüge der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) mussten schnellstens ausgetauscht werden.

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Neue Züge bringen große Probleme mit sich

"Mit ihnen hatten wir anhaltende Betriebsprobleme. Sie machten einen zuverlässigen ÖPNV im Oberland unmöglich", räumte Fabian Amini als Geschäftsführer der Bayerischen Regionalbahn (BRB) ein. "Wir hatten jeden Monat fünf bis zehn Ausfälle."

Doch kaum sind die 25 geleasten Zuggarnituren seit Juni im Oberland im Einsatz, hagelt es massive Kritik von lärmgeplagten Trassen-Nachbarn und von Behinderten. Denn vor allem für Letztere wird das Bahnfahren zum Kraftakt. Sie sehen sich mit einer Höhendifferenz von gut 20 Zentimetern zwischen Bahnsteigkante und der tiefer liegenden Zugplattform beim Ein- und Aussteigen konfrontiert. Für Rollstuhlfahrer ein unüberbrückbares Hindernis, vor allem dann, wenn das Zugpersonal bei einem Fahrgastansturm keine Möglichkeit sieht, händisch eine "mobile Faltrampe auszulegen".

Die neuen Züge verfügen nicht über Barrierefreiheit, sie quietschen und hupen dafür umso mehr, ärgern sich Gleisanlieger im Oberland.
Die neuen Züge verfügen nicht über Barrierefreiheit, sie quietschen und hupen dafür umso mehr, ärgern sich Gleisanlieger im Oberland. © Klaus Wiendl

Dies hätte man verhindern können, beklagten die Vertreter der Menschen mit Einschränkungen am Runden Tisch, wenn man auf eine barrierefreie Nutzung der Züge geachtet hätte.

Landrat Niedermaier: Wir sind Versuchskaninchen

Aus ihrem Ärger über die Mängel der neuen Züge machten Landräte wie Bürgermeister keinen Hehl. "Wir waren schon bei der Einführung der alten Integralzüge Versuchskaninchen, nun sind wir es wieder", klagte der Landrat von Bad Tölz-Wolfratshausen, Josef Niedermaier (Freie Wähler). Seine Miesbacher Kollege Julian von Löwis (CSU) sieht sich mit "zunehmenden Beschwerden zur Lärmbelästigung auf der gesamten Strecke konfrontiert". Er wolle nicht, dass seine Bürger zu "Testpersonen" werden, schimpfte auch Alfons Besel (FW), Rathauschef in Gmund.

Das "Lärmkonzert bis Mitternacht" am Tegernseer Bahnhof für Anwohner kritisierte Orts-Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Gegen einen "Treppenwitz" im 21. Jahrhundert, wenn man eine Rampe für Behinderte per Hand auslegen müsse, wetterte Christoph Schmid (CSU), Bürgermeister in Holzkirchen.

"Diesen Nachteilen", entgegnen die Bahnbetreiber, "stehen viele Vorteile gegenüber". In vier Wochen wolle man sich im kleineren Kreis wieder treffen, vereinbarte Aigner am Ende der teils hitzigen Debatte. Ein Teilnehmer resigniert: "Dann wird die BRB wieder mit Nebelkerzen werfen."

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