Eheringe und Gorilla-Goldmünzen - Prozess um Paketdiebstähle

Goldmünzen, Barren, Luxusuhren, Schmuck und sogar Trauringe mit Gravur - das soll eine Diebesbande in Köln, Frankfurt, München und Erding aus Paketlieferfahrzeugen geklaut haben. Der Wert der kostbaren Beute: rund 359.000 Euro. In München steht deshalb nun ein 60-Jähriger vor Gericht. Im Prozess am Landgericht München ist er wegen schweren Bandendiebstahls und besonders schweren Diebstahls angeklagt.
Zum Auftakt legte der 60-Jährige ein vollumfängliches Geständnis ab. Sein Mandant bedauere das mittlerweile sehr, sagte sein Verteidiger. Er wisse jetzt, was Untersuchungshaft bedeute. Er wolle in Zukunft ein straffreies Leben führen, mit seiner Frau und seinen beiden Kindern, die in Spanien wohnten.
"Minutiös getaktete Tatausführung"
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte sich der Mann mit vier weiteren Personen zu der europaweit aktiven Bande zusammengetan. Ihr Vorgehen zeichne sich durch professionelles Zusammenwirken, eine detaillierte Vorbereitung der Tat, das Ausspähen von Tatgelegenheiten und eine minutiös getaktete Tatausführung aus, heißt es in der Anklage. Zwei Männer wurden deshalb bereits zu Haftstrafen von jeweils mehr als fünf Jahren verurteilt. Ein weiteres Mitglied ist noch unbekannt.
Die Anklage schildert, wie die Bande vorging: Die Mitglieder reisten demnach gemeinsam für mehrere Tage in die Zielregion und mieteten sich in Hotels oder Ferienwohnungen ein. In den Innenstädten sollen sie dann Luxusläden und Edelmetallhändler beobachtet haben. Ihr Ziel: die Paketdienste auszuspionieren, die dort Waren abholten.
Tresor mit Luxusuhren geknackt
In günstigen Momenten schlugen sie dann laut Anklage zu. So sollen sie etwa in Köln den Stopp eines Kurierfahrers genutzt haben, der in einem Laden weitere Pakete abholen wollte. In dieser Zeit sollen sie das Schloss des geparkten Fahrzeugs aufgebohrt und einen darin befindlichen Tresor geknackt haben.
Darin lagen unter anderem zahlreiche Uhren einer Luxusmarke, wie die Bande zuvor ausspioniert haben soll. Der Wert allein dieser Beute: mehr als 87.000 Euro. Der Anklage zufolge verschickten sie das Diebesgut dann mit Paketen nach Spanien und Frankreich, meist an einen Hehler in Barcelona.
Eheringe und Gorilla-Goldmünzen
Nicht nur für die betroffenen Paketdienste muss der Diebstahl ein Schock gewesen sein. Auch die Eheringe eines offenbar verlobten Ehepaares waren unter dem Diebesgut. "Lasergravur: Max & Erik", hält die Anklage fest.
Tierische Diversität gibt es bei den Prägungen gestohlener Goldmünzen. Gorilla-, Hasen- und Tiger-Motive listet die Tabelle auf, ebenso wie Auerochse oder Känguru. Und es gibt auch außerirdische Motive, eine Unze "Goldmünze Afrika Ghana Alien 2022" heißt es beispielsweise dort. Auch Münzen und Barren aus Silber oder Platin wurden laut Anklage erbeutet.
Eine Haftstrafe schon verbüßt
Der 60-Jährige wurde bereits in Frankfurt am Main ebenfalls wegen schweren Bandendiebstahls verurteilt und hat die Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten bereits abgebüßt. Zuvor war der 60-Jährige mit spanischer und ecuadorianischer Staatsbürgerschaft von Österreich nach Deutschland ausgeliefert worden.
Zu Prozessbeginn hatten Staatsanwaltschaft, Verteidigung und das Gericht eine Vereinbarung getroffen für den Fall eines vollumfänglichen Geständnisses. Demnach stimmte der Angeklagte einem Strafrahmen zwischen 3 Jahren sowie 3 Jahren und 9 Monaten zu.