Prozessauftakt nach Betrug mit falschem Bauland

Um knapp 900 000 Euro sollen sie Kaufinteressenten im Münchner Umland geprellt haben - mit der Reservierung von Bauland, das es überhaupt nicht gab. Vor dem Landgericht II in München hat nun der Prozess gegen eine 37-Jährige und einen 61-Jährigen begonnen.
| dpa
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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild
dpa Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild

München (dpa/lby) - Sie sollen Hunderttausende Euro für die Reservierung von Bauland im teuren Münchner Umland genommen haben - obwohl es dieses Bauland gar nicht gab: Seit Dienstag sitzen eine 37 Jahre alte Frau und ein 61 Jahre alter Mann auf der Anklagebank des Landgerichts II in München. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen konkret vor, zwischen 2017 und 2018 Kaufinteressenten und einen Architekten bei falschen Bauprojekten um insgesamt rund 900 000 Euro geprellt zu haben. An dem Betrug soll auch ein 83 Jahre alter Mann beteiligt gewesen sein - wegen seines Alters sind für ihn aber gesonderte Verhandlungen von begrenzter Dauer angesetzt.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, in den Gemeinden Wörthsee und Gräfelfing Interessenten Grundstücke auf zwei Bauarealen zur Reservierung angeboten zu haben, ohne Eigentümer des Grundes gewesen zu sein. Als Bauland sollen die Grundstücke der Staatsanwaltschaft zufolge zudem nicht vorgesehen gewesen sein. Die Angeklagten sollen außerdem auf weitere Zahlungen von knapp 200 000 Euro abgezielt haben.

Zum Prozessauftakt schilderten die Angeklagten, wie sich ihre Zusammenarbeit entwickelt hatte. Der wegen Betrugs vorbestrafte Mann gab an, seit Jahrzehnten wechselnde Gewerbe im Bereich Haus- und Grundstücksberatung und Gartenarbeiten zu betreiben. 2012 sei er dann durch Zufall beruflich mit der Frau in Kontakt gekommen, später habe sich eine etwa einjährige Affäre entwickelt. Sie hingegen sagte, es sei eine langjährige Liebesbeziehung gewesen, die erst mit der Festnahme im Februar 2019 geendet habe.

Über einen langen Zeitraum habe die 37-Jährige immer wieder als Geliebte mit dem 61-Jährigen, seiner Ehefrau und den beiden Töchtern unter einem Dach gelebt. Es habe gemeinsame Wochenendausflüge mit ihrer Mutter und der ganzen Familie des 61-Jährigen gegeben, so die 37-Jährige. Durch den Tod ihres Vaters habe sie Halt gesucht, den sie bei dem Angeklagten vermeintlich gefunden habe, sagte sie: "Ich glaube, dass ich ziemlich geblendet war."

Seit Jahren ist die Immobiliensituation in der Region angespannt und Bauland stark nachgefragt. Nach Daten des Immobilienverbands Süd (IVD) hat sich innerhalb von 20 Jahren die Durchschnittsmiete im Freistaat um 80 Prozent erhöht. Gleichzeitig haben sich die Preise für Bauland mehr als verzweieinhalbfacht, die Kaufpreise für fertige Wohnungen haben sich mehr als verdoppelt. In München ist diese Entwicklung noch viel dramatischer verlaufen: Die Baulandpreise haben sich vervierfacht.

Der Prozess soll mit den konkreten Ausführungen der beiden Angeklagten zu den Betrugsvorwürfen weitergehen. Um den mutmaßlichen Betrug im Detail aufzuklären, sind zunächst noch 13 weitere Verhandlungstermine angesetzt.

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