Prozess: Dominik R. - Der Messerstecher aus Freyung schweigt

Dominik R. macht keine Angaben dazu, warum er seine Ex-Freundin Lisa H., die Mutter des gemeinsamen Sohnes, umgebracht hat.
| Hubert Denk
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Kahl rasiert und gleichgültig: Dominik R. beim Prozessauftakt vor dem Passauer Landgericht.
dpa Kahl rasiert und gleichgültig: Dominik R. beim Prozessauftakt vor dem Passauer Landgericht.

Dominik R. macht keine Angaben dazu, warum er seine Ex-Freundin Lisa H., die Mutter des gemeinsamen Sohnes, umgebracht hat.

Der erste Prozesstag im Passauer Landgericht dauert exakt zwölf Minuten. Als Staatsanwalt Sebastian Nagel die Anklageschrift verliest, sitzt ihm der Angeklagte Dominik R. (23) mit gefalteten Händen und erhobenem Kinn gegenüber, in trotziger Pose. Als die Messerstiche zur Sprache kommen, runzelt er kurz die Stirn, lässt seinen Blick hinauf zum Deckengemälde des Saals schweifen. Es zeigt Jesus Christus Himmelfahrt.

Mit einem Küchenmesser soll er sie getötet haben

Dominik R. trägt denselben grauen Adidas-Hoody, den er auf der Flucht mit seinem damals 18 Monate alten Sohn Luca getragen hat. Er hatte ein Handyfoto ins Netz gestellt, auf dem Arm seinen Buben, ein Gruß aus Paris, dass es der Familie gut geht. Das Bild sollte vertuschen, dass die Mutter Lisa H. (20) nicht mehr am Leben ist. Mit einem Küchenmesser soll R. sie im niederbayerischen Freyung getötet und die Leiche in einem Plastiksack versteckt haben. 

Punkt 9 Uhr betreten die Richter den Saal. Als der Vorsitzende Wolfgang Hainzlmayr beim Angeklagten nachfragt, ob der Beruf "Bauhelfer" richtig sei, korrigiert ihn dieser: Er sei auch Fitnesstrainer. Zum Vorwurf, er solle die Mutter seines Sohnes erstochen haben, macht R. aber keine Angaben.
Auf der Nebenklagebank sitzen drei Anwälte. Einer vertritt die Mutter der Getöteten, einer den Vater. Dieser wirkt ruhig und gefasst. Der Angeklagte vermeidet jeden Blickkontakt. 

Auch der heute zwei Jahre alte Luca wird von einem Anwalt vertreten. Der Bub wohnt bei seiner Oma. Sie hatte am 12. November des Vorjahres die Leiche ihrer Tochter in deren Wohnung gefunden. 

Den Rechtsbeiständen der Hinterbliebenen zufolge hat R. im Laufe der vergangenen Monate keinen Kontakt mit den Eltern der Frau und dem Sohn gesucht. Der Staatsanwalt schildert, wie heimtückisch und grausam der Täter vorgegangen ist. Messerstiche in Kopf und Hals hätten Arterien durchtrennt, in der Tiefe die Hals Wirbelsäule erreicht, Knochen seien gesplittert und zwei Zähne herausgebrochen. Schnittwunden an den Händen würden belegen, dass das Opfer versuchte, sich zu wehren. 

Verlustängste und Eifersuch nennt die Anklage als Motiv für die Bluttat

Nach der Trennung im September 2016 hatte Lisa H. dem Vater ihres Kindes gestattet, in ihrer Wohnung zu bleiben. Sie sei ein neues Verhältnis mit einem anderen Mann eingegangen, so der Staatsanwalt. Verlustängste und Eifersucht nennt die Anklage als Motiv für die Bluttat.
Eine Woche, nachdem die Tote entdeckt worden war, klickten in Spanien die Handschellen. Die Polizei nahm R. im spanischen Küstenort Lloret de Mar fest.

Auf der Flucht hatte er sich ein Tattoo auf den linken Oberarm stechen lassen: "Gracias por todo" ("Danke für alles"). Es benennt den 27. Oktober als Lisas Todestag. Am 1. Dezember wurde R. nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt er in U-Haft.
Zeugen waren am ersten Prozesstag keine geladen. "Dann sehen wir uns wieder am 4. September um 14 Uhr", sagt der Richter. Der Prozessauftakt ist beendet.

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