Prominentes Gebäude in Starnberg gerettet: Ein Hotel wird es nicht mehr
Seit Jahren ist der denkmalgeschützte Bayerische Hof in Starnberg geschlossen. Einsturzgefahr! Das historische Hotel entstand zu einer Zeit, als Ludwig II. König in Bayern war.
Zentral ist die Lage und ebenso die Bedeutung für die Entwicklung der Stadt der Schönen und Reichen am Starnberger See. Doch es drohte der Verfall. Und damit das Ende der Historie.
Seit Kurzem gibt es Entwarnung: Unternehmer Peter Löw will den Bayerischen Hof mit seiner Initiative "European Heritage Project" erhalten. Schon seit Jugendtagen hat er sich mit alter Bausubstanz und Restauration beschäftigt, wie er der AZ erzählt. Er hat unter anderem auch schon den Sonnenhof in Starnberg renoviert.
Kurz vor Weihnachten wurde das Geschäft mit der Stadt Starnberg besiegelt. Am Montag wurden letzte Ergänzungen zum Kaufvertrag vom Stadtrat mit großer Mehrheit angenommen. Die Bedingungen: eine denkmalgerechte Sanierung, neues Leben für die Gastronomie und die Umsetzung innerhalb von fünf Jahren.
Das ist die Motivation des "European Heritage Project"
Löw erklärt seinen Antrieb: "Mit dem ‚European Heritage Project’ kümmern wir uns um Baudenkmäler, bei denen die Gefahr besteht, dass sie abgerissen oder stark verändert werden. Das Ziel ist immer: das historische Erbe zu bewahren."
Denn: "Wenn sich erst einmal nach und nach die historische Substanz in einer Gegend stark verändert oder zerstört wird, geht damit auch ein Großteil des historischen Bewusstseins verloren." In den Steinen steckt eben auch Geschichte. Und Geschichten.

Im Bayerischen Hof gastierte zum Beispiel Sissi, so Löw. "Das Hotel wurde von der königlichen Familie genutzt, um Gäste unterzubringen. Wir wissen aus den stadtgeschichtlichen Unterlagen, dass auch Kaiserin Elisabeth von Österreich dort eingekehrt ist."
Seit 1998 steht das Gebäude unter Denkmalschutz
Seit 1998 ist das ehemalige Hotel in der Bayerischen Denkmalliste verzeichnet, wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege der AZ mitteilt. Die Entstehungszeit ordnet man dort nach 1865 und vor 1879 ein. "Mangels datierter Planunterlagen" lasse sie sich nicht eindeutiger bestimmen.
Investor Löw erzählt, dass er vor fünf Jahren von Starnbergern auf den Verfall des Bayerischen Hofes angesprochen wurde. Ob sich das marode Hotel für ihn als Sanierungsprojekt eignet? Die Auswahlkriterien: "Die Gebäude müssen erstens für eine Region prägend sein. Es muss zweitens eine Gefahrenlage bestehen und drittens muss es das 'European Heritage Project' mit seinen finanziellen sowie technischen Mitteln stemmen können."

Vor der Bahnlinie: "Ein ziemlich unbedeutendes Fischerdorf"
Dreimal: ja! Zu Punkt 1 erklärt Löw: "Starnberg hat zwei Phasen durchlebt: die Zeit vor und nach der Eisenbahn. Vor der Eisenbahn war Starnberg ein ziemlich unbedeutendes Fischerdorf mit Holzhütten."
In den 1850er Jahren brachte die Bahnlinie samt Bahnhof nach und nach mehr Besucher. Aber: "Wenn man aus dem Bahnhof rauskam, stand dort nichts." Das erste Haus, das gegenüber dem Bahnhof gebaut wurde, sei um 1865 der Bayerische Hof gewesen. Ein Meilenstein. "Es war zwar kein Palast-Hotel, aber es war ein repräsentatives Hotel für eine Klientel, die sich das leisten konnte."
Wer in Starnberg aufgewachsen ist, dort Eltern oder Großeltern hat: Sie kannten alle dieses Gebäude
Durch das Hotel entwickelte sich Starnberg weiter: "Erst daraufhin begann die Bebauung vom Bahnhof ausgehend Richtung Westen und Norden. Das Hotel hat insofern eine stadtgeschichtliche Bedeutung, es war der Ausgangspunkt der Bebauung der Unterstadt von Starnberg." Er sagt: "Wer in Starnberg aufgewachsen ist, dort Eltern oder Großeltern hat: Sie kannten alle dieses Gebäude." Die Bedeutung in Verbindung mit der Bahnlinie hebt auch das Landesamt für Denkmalpflege hervor.

Dem Unternehmer ist nun wichtig: "Wir wollen nicht nur den Charakter, sondern auch die Substanz erhalten. Das Haus sieht hinterher genauso aus wie jetzt. Aber eben renoviert. Es werden keine Anbauten gemacht, keine zusätzlichen Türme oder Erker." Löw erwartet daher eine gute Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz.
Pläne: Einen Hotelbetrieb wird es nicht mehr geben
Einen Hotelbetrieb wird es nach Löws Plänen in Zukunft aber nicht mehr geben. Dafür habe das Gebäude zu wenige Zimmer. Nur im ersten Stock hätten anno dazumal adäquate Hotelzimmer existiert. "In den zweiten und dritten Stock führt nur eine ganz schmale Personaltreppe." Auch seien in den oberen Stockwerken die Decken deutlich niedriger.
Was nach der Sanierung dagegen wiederbelebt werden soll: eine Gastronomie im Untergeschoss (wie ab 1905) und "ein Café im Kaffeehaus-Stil" im Erdgeschoss, ehemals das Café Prinzregent. Beim Restaurant stellt er sich einen angeschlossenen Biergarten vor. Der angestrebte Zustand: um 1910.

Was definitiv erneuert werden muss: "Die gesamte Elektrik muss überholt werden." Und: "Im Eifer der 1970er Jahre wurde in jedes der historischen Zimmer ein Bad eingebaut. Das führte dazu, dass die Zimmer merkwürdig aussehen und die Bäder winzig klein sind." Dies würde er gern zurückbauen.
Symbolischer Kaufpreis: "Keine Sammelstelle für wertvolle Immobilien"
Ebenso bedarf es eines zweiten Fluchtweges. Hier wird sich noch zeigen, wie dieser umgesetzt werden kann.
Für die weiteren Stockwerke könnte er sich Mitarbeiterzimmer oder ein paar wenige Gästezimmer vorstellen.
Für 100.000 Euro hat das "European Heritage Project" das Gebäude erworben. Ein eher symbolischer Betrag, der am Montag nochmal für eine kleine Diskussion im Stadtrat sorgte. Löw sagt: "Das 'European Heritage Project’ betrachtet sich nicht als Sammelstelle für wertvolle Immobilien. Bei uns steht die Rettung alter Bausubstanz im Vordergrund."

Es sind schätzungsweise Investitionen in Höhe von 15 Millionen Euro notwendig. Löw hat in seinem Team nach eigenen Angaben Fachkräfte, die mit solchen Projekten vertraut sind. Daher könnte der Betrag möglicherweise geringer ausfallen.
Einsturzgefahr? So schlimm ist die Lage wirklich
Aber wie schlimm steht es um das marode Hotel wirklich? Stichwort: Einsturzgefahr. "Einsturzgefährdet im Gesamten können wir nicht erkennen. An den Abstützungen an den Balkonen müssen wir Bohrungen machen, um zu sehen, ob es statische Probleme gibt."
Des Weiteren führt er an: "Wir haben Probleme unter dem Dach, insbesondere im rechten Bereich. Dort wird man an ein, zwei Stellen sicherlich Balken auswechseln müssen. Es gibt auch ein paar Absenkungen." Er ist aber optimistisch und will das Projekt am liebsten "so schnell wie möglich" umsetzen. Damit bald wieder Leben einkehrt in dieses Stück Starnberger Geschichte.
Das sagt der Landesverein für Heimatpflege zu den Plänen
Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege äußert sich auf AZ-Nachfrage positiv zu dem Vorhaben. Vinzenz Dufter, Fachbereichsleiter Baukultur, teilt mit: "Es ist begrüßenswert, dass geplant wird, das ehemalige Hotel denkmalgerecht zu sanieren. Die Grundhaltung, auf überdimensionale Erweiterungen und auf eine Tiefgarage zu verzichten, zeigt den Respekt gegenüber dem Denkmal."
Deshalb ist es eine richtige Entwicklung
Die heutigen Anforderungen an den Brandschutz und an die Barrierefreiheit lassen sich aus seiner Sicht "in Absprache mit dem Denkmalschutz sicherlich gut integrieren". Er sieht es als "nicht dringend notwendig" an, wieder ein Hotel wie anno dazumal daraus zu machen. Die Gastronomie im Erdgeschoss sei "an diesem Standort am S-Bahnhof in unmittelbarer Nähe zur Schiffsanlegestelle und zur Strandpromenade am Starnberger See sicherlich richtig". Und: "Auch gegen Mitarbeiterwohnungen im obersten Geschoss spricht nichts."
Dufter hebt auch die Bedeutung hervor: "Das Hotel Bayerischer Hof ist ein Kennzeichen und Merkmal im Bereich des Bahnhofs und der Strandpromenade. Deshalb ist es eine richtige Entwicklung, auch im Sinne einer lokalen Identität, im Bereich des Ufers am See das Gebäude im beabsichtigten Sinne zu sanieren.“

