Pleite-Beben in Bayerns Gastro-Branche: Hoher Anstieg der Insolvenzverfahren
Schwierige Zeiten für die Gastronomie: Die Zahl der Insolvenzen in der Branche ist laut einer Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Jahr 2025 zum vierten Mal in Folge gestiegen. Nach vorläufigen Zahlen waren im vergangenen Jahr mehr als 2900 Betriebe betroffen. Das ist der höchste Stand seit 2011 und fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit trifft es die Branche deutlich härter als die Gesamtwirtschaft.
Zwischen 2020 und 2025 wurden in der Branche laut Creditreform mehr als 11.200 Insolvenzen gezählt. Insgesamt stellten in diesem Zeitraum 69.000 Unternehmen, die Gaststätten, Restaurants, Cafés oder Bars geführt haben, ihren Betrieb ein. "Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt", sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.
47,7 Prozent mehr Insolvenzverfahren in Bayern
Die Welle an Insolvenzen trifft zwar alle Bundesländer, aber nicht alle gleichermaßen. Die Insolvenzquote – die angibt, wie viele Unternehmen pro 10.000 pleitegehen – ist in Bayern mit am niedrigsten: Sie liegt bei 55, wie aus einem Report von Creditreform hervorgeht. Trotzdem gab es einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (51).
Eine ähnlich niedrige Quote haben auch Brandenburg (ebenfalls 55) und Thüringen (mit 48 die wenigsten Pleiten im Vergleich). Die höchste Quote hat Berlin mit 130 Insolvenzen pro 10.000 Betriebe.

Der Anstieg der Insolvenzen in Bayern ist trotz der vergleichsweise guten Werte massiv, wie Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik zeigen: Insgesamt gab es im vergangenen Jahr im Gastgewerbe 387 Insolvenzverfahren – das ist ein Anstieg von 47,7 Prozent im Vergleich zu 2024.
Viele Wirte könnten in der aktuell verschärften Wirtschaftslage mit hohen Lohnkosten nicht rentabel arbeiten. "Die steigenden Preise in Lokalen treffen auf eine Bevölkerung, die in vielen Bereichen spart."
Dehoga Bayern: Mehrwertsteuersenkung ist "letzter Rettungsring"
Die Menschen bestellten häufiger Essen nach Hause. Insgesamt gebe es weniger Restaurant- und Barbesuche, auch bei Bestellungen werde gespart. "Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein. Das schlägt auf den Umsatz." Laut einer Yougov-Umfrage sparen die Verbraucher bei Freizeitaktivitäten besonders. 42 Prozent geben an, sich bei Ausgaben für Kino, Theater, Konzerte und Restaurantbesuche am meisten zurückzuhalten.
Hantzsch erwartet 2026 eine Zunahme der Insolvenzen und ein weiteres Ausdünnen der Gastronomie. "Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe kämpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben." Vor allem in kleinen Städten und Dörfern dürfte der Wandel sichtbar werden.

Die finanzielle Lage vieler Betriebe ist der Analyse zufolge angespannt. Bei knapp 40 Prozent der Unternehmen liegen die Eigenkapitalquoten bei weniger als zehn Prozent. Knapp ein Drittel schreibt Verluste.
Um die Gastronomie zu entlasten, wurde die Mehrwertsteuer für Speisen zu Jahresbeginn von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Bayern, bezeichnet die Mehrwertsteuersenkung als "letzten Rettungsring" für viele Betriebe.
Wirte: "Wir wollen Gäste zurückgewinnen"
Demnach sind seit 2022 die Arbeitskosten um 34 Prozent, die Energiekosten um 27 Prozent und die Lebensmittelpreise um 26 Prozent gestiegen. Laut einer Dehoga-Umfrage wollen rund 63 Prozent der Wirte die Bezahlung der Mitarbeiter verbessern und knapp 30 Prozent weitere Mitarbeiter einstellen oder planen zumindest, das zu tun. "Wir wollen Gäste zurückgewinnen, Arbeitsplätze sichern und das Wirtshaussterben stoppen", sagt Geppert.
80 Prozent der bayerischen Gastrobetriebe haben weniger als zehn Beschäftigte. "Das sind Familienunternehmen. Wer sie schwächt, gefährdet regionale Arbeitsplätze und unsere Wirtshauskultur", warnt der Dehoga-Bayern-Chef.
Viele Gastronomen hatten angekündigt, dass die Steuersenkung genutzt werde, um die gestiegenen Kosten auszugleichen – und nicht, um die Preise zu senken. Der vom Datenspezialisten Meoton ermittelte Preisindex für Speisen lag deshalb Mitte Februar bei nur 99,6 im Vergleich zu 100 im Dezember.
- Themen:
