Jennerbahn am Königssee: Zurück zur Pistenpräparierung?

Zwei Winter nach dem Aus für den alpinen Skibetrieb am Jenner gibt es Applaus vom Gemeinderat: Denn die Berchtesgadener Bergbahn AG will die Jennerwiese wieder mit einer oder zwei Spuren beschneien und bei Bedarf präparieren. Beim Restaurant Jenneralm gibt es ebenfalls eine Neuerung.
Kilian Pfeiffer |
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Gondeln der Jennerbahn am Königssee.
Gondeln der Jennerbahn am Königssee. © imago/B. Lindenthaler

Zwei Winter nach dem Aus für den alpinen Skibetrieb am Jenner deutet sich eine vorsichtige Rückkehr an. Die Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) will die Jennerwiese mit einer oder zwei Spuren beschneien und bei Bedarf präparieren.

Das kündigte Vorstand Thomas Mühlthaler in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats an. "Wetter und Kosten entscheiden", sagte er. "Wir wollen im Winter ein gutes Angebot haben und schauen, dass wir was draus machen." Das Gremium in Schönau am Königssee reagierte mit Applaus.

Der Beifall hat eine Vorgeschichte. Für den Winter 2023/24 hatte die Gemeinde noch 300.000 Euro für die Beschneiung der Talabfahrt übernommen. Die Freien Wähler im Gemeinderat hatten den Rückzug der Bergbahn damals als "untragbar" kritisiert.

Wie es zum Aus der Sesselbahn kam

Seit der Saison 2024/25 verzichtet die BBAG auf Pisten für Freizeitskifahrer, die Sesselbahn auf der Jennerwiese wurde an die Bergbahnen Dachstein West verkauft und abgebaut. Der Jenner sei als Winterberg wichtig, sagte Mühlthaler erneut, das Alpinskiangebot habe man aber nicht halten können.

Ein Winterbild aus dem Jahr 2006, das damals schneereich war. Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren geändert.
Ein Winterbild aus dem Jahr 2006, das damals schneereich war. Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren geändert. © imago/Lindenthaler

Das Ersatzkonzept mit Rodelbahn an der Bergstation, Schneeschuhtrails und Winterwanderwegen funktioniert. Von November bis Ende Februar kamen im vergangenen Winter im Schnitt 19 Prozent mehr Gäste, selbst im schwachen Januar lag das Plus bei 17 Prozent.

Ruhig sei der Januar trotzdem, sagte Mühlthaler. Man versuche, so viel wie möglich geöffnet zu haben, aber "man kann nicht alle Wünsche erfüllen". Wirtschaftlich bleibt der Winter ohnehin die kleinere Saison: Etwa 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Sommer.

Die Talstation der Jennerbahn.
Die Talstation der Jennerbahn. © Peter Hartenfelser/imago

Neu ist der Rennsport. Ende Februar testete der Internationale Rodelverband oberhalb der Mittelstation ein neues Sprint-Slalom-Format. Am Start waren 13 Frauen und 23 Männer aus zehn Nationen. Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland, wünschte sich danach einen echten Alpin-Rodel-Weltcup am Jenner.

"Pisten freizugeben, sehe ich aktuell nicht"

Für Tourengeher wird nach Bedarf präpariert, Ziel ist eine Abfahrt von der Berg- zur Mittelstation. Technisch sei vieles möglich, so Mühlthaler.

Der Krautkaserhang, vom DSV genutzt, bleibt für Einheimische allerdings auch künftig tabu. Seit mehr als 50 Jahren trainiert dort der Nachwuchs des Deutschen Skiverbands in unmittelbarer Nähe der CJD Christophorusschulen. Nur Wintersportvereine kämen gelegentlich zum Zug. "Pisten freizugeben, sehe ich aktuell nicht", sagte Mühlthaler.

60 Millionen für den Bahn-Neubau

Hinter der Zurückhaltung stehen harte Zahlen. Rund 60 Millionen Euro hat der Neubau der Bahn gekostet, geplant waren laut Mühlthaler 50 Millionen. 15 Millionen Euro seien bereits getilgt.

Zum 31. Oktober 2025 standen dennoch rund 21 Millionen Euro Bankschulden in der Bilanz, dazu 28 Millionen Euro an Gesellschafterdarlehen. Diese werden nicht getilgt und wachsen durch aufgelaufene Zinsen weiter.

Ich sehe für die Jennerbahn eine gute Zukunft

Das Geschäftsjahr 2024/25 schloss mit einem Fehlbetrag von knapp 3,5 Millionen Euro, vor allem wegen des Verkaufs der Jennerwiesenbahn unter Buchwert.

Blick auf die Jenneralm an der Bergstation der Jennerbahn. Sie bekommt im Frühjahr 2027 einen neuen Namen.
Blick auf die Jenneralm an der Bergstation der Jennerbahn. Sie bekommt im Frühjahr 2027 einen neuen Namen. © imago/Fotostand / Wassmuth

Ohne diesen Sondereffekt hätte das Minus bei rund 218.000 Euro gelegen. "Ich sehe für die Jennerbahn eine gute Zukunft", sagte Mühlthaler. "Die Investitionen waren halt doch sehr hoch."

Er hoffe, dass über die Bahn auch wieder einmal positiv gesprochen werde. Und, mit einem Augenzwinkern: auf drei Meter Schnee im nächsten Winter.

Gastro bekommt neuen Namen

Was Mühlthaler ebenfalls erwähnte: In der Bergstation steht eine Änderung an. Die Jenneralm sei groß und modern, "aber keine Alm". Ab April 2027 soll das Restaurant "Achtzehnhundert" heißen, nach der Höhe der Bergstation.

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