Pilzsaison in Bayern beginnt mager
Eigentlich sollten Pilzsammler dieser Tage mit prall gefüllten Körben aus dem Wald kommen, bestückt mit Pfifferling, Steinpilz oder Maronenröhrling. Doch viele finden bei ihrer Suche wenig bis nichts: Die Pilzsaison beginnt in Bayern schlecht. "Es gab kaum Regen, es war extrem heiß", beklagt Christoph Hahn, Präsident der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft, in der sich Pilzsucher und -forscher organisieren. Die Folge des extremen Sommers: weit weniger Schwammerl als üblich.
Genau genommen fehlen Pilze in bayerischen Waldböden heuer keineswegs. Pilze bilden weitläufige Geflechte im Untergrund – was oben herauswächst und gegessen werden kann, ist der Fruchtkörper. "Sie müssen sich erst einmal regenerieren und haben keine große Möglichkeit, Fruchtkörper zu bilden", sagt Hahn. Pilze benötigen reichlich Wasser im Boden, dann könnten sie sich auch gut erholen – die Frage sei, wie lange das dauert.
Kaum Anrufe beim Giftnotruf
Dass die Saison schleppend anläuft, ist auch beim Giftnotruf der Technischen Universität München zu bemerken. In den vergangenen zwei Jahren seien dort zwischen 380 und 650 Anfragen pro Jahr zu Pilzvergiftungen hereingekommen, während die Zahl heuer "im niedrigen zweistelligen Bereich" liege, erklärt Florian Eyer, Leiter des Notrufs. Wenn es jedoch nicht so trocken weitergeht wie bislang, seien zwischen Mitte September und Anfang Oktober wieder mehr Anrufe zu erwarten.
Generell sind Giftpilze von der Trockenheit genauso betroffen wie essbare, doch bestimmte Arten haben einen Vorteil – beispielsweise der Falsche Wiesenegerling, der aus dem Mittelmeerraum zugewandert ist und Perioden mit wenig Feuchtigkeit gut verkraften kann. Er kann leicht mit dem essbaren Wiesenchampignon verwechselt werden. Die Ähnlichkeit ist so groß, dass manche Pilzberater Exemplare der Art generell nicht mehr als unbedenklich einstufen, wie Hahn berichtet.
Bei solchen Beratungen können Sammler ihre Fundstücke vorlegen, um nicht versehentlich Giftpilze heimzubringen. Auch daran sei abzulesen, wie mau die Saison laufe: Viele Pilzberater hätten derzeit kaum etwas zu tun, sagt Hahn. "Wo vorher 30 Leute gekommen sind, sind es jetzt zwei."
Besonders stark betroffen seien jene Pilze, die in Symbiose mit Bäumen leben: Weil die Wirte im Sommer Trockenschäden erlitten haben, stehe den Schwammerln weniger Wasser zur Verfügung. Andere Arten wie der Wiesenchampignon hätten es etwas leichter.
Kleine Pilze stehen lassen
Wer beim Sammeln nur kleine Exemplare entdeckt, sollte sie stehen lassen, empfiehlt der Pilzkundler. Kleine Pilze seien nämlich schwieriger zu identifizieren, was die Verwechslungsgefahr steigen lässt. "Dann sollte man sich einfach sagen: Es war zumindest ein schöner Waldspaziergang."
Sollte es bald reichlich regnen, dürften sich die Pilzbestände rasch erholen. Manche Arten brauchen dafür allerdings länger als andere. Auch sei die Lage etwa am Alpenrand wegen mehr Niederschlags besser als in Franken. Das kommende Pilzjahr ist laut Hahn vielversprechend, denn dann könnten die Pilze wieder richtig viele Fruchtkörper ausbilden – außer, es geht wieder ein dürrer Sommer voraus.
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