Per Brief oder Urne - Wie wählt Bayern und was sagt uns das?
Die Stimmzettel zur Kommunalwahl sind teils riesig. Da kann so mancher Wähler schnell den Überblick verlieren, der bisher nicht ganz sicher ist, für wen er sich entscheiden soll. Wohl dem, der das Blatt zu Hause auf dem Küchentisch ausbreiten und in Ruhe studieren kann. Die Wahl per Brief ist seit Jahren beliebt - und das wird aller Voraussicht nach auch bei der Kommunalwahl in Bayern am 8. März so sein. Etwa 10,1 Millionen Bürgerinnen und Bürger sind stimmberechtigt.
Wie viele Briefwähler gab es bei Kommunalwahlen zuletzt?
Ganz genau lässt sich das nicht sagen, denn das Landesamt für Statistik erfasste bisher nur die Anzahl der Wähler mit Wahlschein und nicht die Briefwähler gesondert. Zwar zählen Briefwähler auch zu den Wahlscheinwählern, aber auch solche Bürgerinnen und Bürger, die in einem anderen Wahllokal desselben Wahlkreises wählen – nicht nur im zugewiesenen. Wahlscheinwähler haben vorher einen Wahlschein beantragt und sind dadurch flexibler.
Da die Zahl der Wähler mit Wahlschein regelmäßig nur geringfügig über der Zahl der Briefwähler liegt, sind die Werte aus den zurückliegenden Kommunalwahl-Jahren allerdings vergleichbar. 2020 waren es der Behörde zufolge um die 60 Prozent Wahlscheinwähler, 2014 rund 49 Prozent und 2008 etwa 29 Prozent.
Könnte die Zahl der Briefwähler nun noch einmal steigen?
Ja, bisher sieht es ganz danach aus. In Aschaffenburg, Kempten, Fürth und Ingolstadt etwa zeichnet sich das anhand der Briefwahlanträge schon ab, aber auch in Nürnberg und Augsburg steigt der Anteil der Briefwähler seit Jahrzehnten kontinuierlich.
"Bisher hat das Wahlamt der Landeshauptstadt München mehr Briefwahlunterlagen verschickt als bei früheren Kommunalwahlen", teilt das Kreisverwaltungsreferat mit. "Wie viele davon tatsächlich genutzt werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen." Ob der Anteil der Briefwähler höher sein werde als bei früheren Kommunalwahlen, lasse sich ohnehin erst am Wahlabend sagen, wenn auch die Zahl der Urnenwähler bekannt sei.
Wie funktioniert die Briefwahl?
Wer die amtliche Wahlbenachrichtigung im Briefkasten findet, kann hiermit einen Wahlschein mit den zugehörigen Briefwahlunterlagen schriftlich oder persönlich beim Wahlamt der Wohnsitzgemeinde beantragen. Vielerorts reicht es mittlerweile auch, den QR-Code der Wahlbenachrichtigung zu scannen - und mit wenigen Klicks sind die Unterlagen angefordert.
Seit dem 16. Februar werden die Wahlscheine mit dem Stimmzetteln verschickt. Ohne Wahlschein kann man nicht im Abstimmungsraum und auch nicht per Briefwahl wählen.
Laut Innenministerium muss der Wahlschein vom Stimmberechtigten persönlich oder einer Hilfsperson unterschrieben sein. "Die Stimmzettel müssen zur Wahrung des Wahlgeheimnisses in den zugehörigen weißen Stimmzettelumschlag gelegt werden." Zukleben nicht vergessen. Dann nur noch den Stimmzettelumschlag zusammen mit dem ausgefüllten und unterschriebenen Wahlschein in den roten Wahlbriefumschlag stecken. "Auch der rote Wahlbriefumschlag ist dann zuzukleben."
Welche Fristen sind einzuhalten?
Dieser Wahlbrief muss spätestens am Wahlsonntag um 18.00 Uhr bei der auf dem Umschlag genannten Stelle eingehen. Die Verantwortung dafür liegt allein beim Briefwähler. Das Ministerium empfiehlt, den Wahlbrief grundsätzlich spätestens am Donnerstag vor der Wahl - das ist der 5. März 2026 - abzuschicken, damit er rechtzeitig ankommt.
Wer nicht auf die Post vertraut, kann seinen Wahlbrief bis zum Wahlsonntag auch in den Hausbriefkasten der Gemeinde einwerfen oder dort etwa einem Bediensteten des Wahlamts übergeben.
Zeugt der Briefwahl-Boom von einem Ende der Wahlmüdigkeit?
Bislang gibt es nur wenige robuste Befunde, warum die Briefwahl mittlerweile so beliebt ist. "Es ist aber begründet zu vermuten, dass der hohe Briefwahlanteil sowohl Teil der Tendenz zu einer seit Jahren höheren Wahlbeteiligung ist als auch einer von deren Treibern", sagt Politikwissenschaftler Lars Rensmann von der Universität Passau. "Die Covid-19-Pandemie hat die Briefwahl breit popularisiert (...) - als bequeme Option und Möglichkeit, "vom Sofa aus" zu wählen."
Die Zeit der Wahlmüdigkeit sei lange vorbei, wie man an der Wahlbeteiligung bei der vergangenen Bundestagswahl sehen könne. "Dieses Bedürfnis nach Partizipation bei Wahlen ist unter anderem Ausdruck einer starken Politisierung und Polarisierung, welche Wählerinnen und Wähler mobilisiert", erklärt Rensmann.
Wer wählt per Brief?
Insbesondere Rentner nutzen die Briefwahl zunehmend. "Zudem kann auch die arbeitsbedingte Mobilität eine Rolle spielen, wodurch der Anteil von Bürgerinnen und Bürger, die am Wahltag nicht am Hauptwohnsitz sind, zunimmt und die Briefwahl eine Alternative bietet", erläutert Rensmann.
Grundsätzlich gebe es regionale Unterschiede. "Gerade im Flächenland Bayern ist die Briefwahl besonders populär und Spitzenreiter in Deutschland. Selbst bei der Bundestagswahl 2025 haben hier 52,2 Prozent per Briefwahl abgestimmt."
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