Pentlinger Höhlenmensch: Er ist schon einmal abgehauen

Über Monate lebt Johannes K. in einer Felsspalte. Nun erklärt der "Höhlenmensch von Pentling" seine Gründe und warum er nicht zurück zu Frau und Kind will.
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Johannes K. steht vor seinem Unterschlupf, einer Felshöhle über der Donau.
Josef Eder Johannes K. steht vor seinem Unterschlupf, einer Felshöhle über der Donau.

Pentling - Sein Fall hat bundesweit Aufsehen erregt: Ein 65-Jähriger gilt als vermisst, Mitte 2014 verschwindet er aus Münster, lässt seine schwangere Frau zurück. Jetzt haben Spaziergänger Johannes K. entdeckt. Er hauste in einer Felsspalte im Wald – mit Blick auf die Donau. Dort, in der Gemeinde Pentling, hat der Oberpfälzer in seiner Kindheit gelebt. Der „Mittelbayerischen Zeitung“ sagt er nun, warum er einfach abgehauen ist: „Mir ist einfach wieder alles zu viel geworden“.

Wieder? Ja, denn bereits aus seiner ersten Ehe hat sich der 65-Jährige aus dem Staub gemacht, blieb für Monate verschwunden. Zu der damaligen Frau und seinen beiden erwachsenen Kindern hat er keinen Kontakt. Damals reiste er durch Ungarn und Kroatien, diesmal war er auch in Bulgarien, Rumänien und Moldawien unterwegs, schildert er seine Route. Auch auf einem holländischen Binnenschiff hat er mehrere Monate verbracht.

Er ernährt sich unter anderem von Pilzen und Waldfrüchten

Dann landet er unweit seines Elternhauses, in der Waldhöhle. Ernährt habe er sich von Pilzen und Waldfrüchten und mit Lebensmitteln aus dem örtlichen Supermarkt, ab und zu gibt’s Kaffe bei einem Bekannten. Geld verschafft ihm das Sammeln von Pfandflaschen. Viel habe er nicht gebraucht. Die Höhle ist fünf Meter tief, mit Planen und einem Tarnnetz verhängt. Feuer wärmt den Mann, ebenso wie mehrere Schlafsäcke. In der Schlucht sei ihm Sauberkeit wichtig gewesen, betont Johannes K. im Gespräch mit der „Mittelbayerischen Zeitung“. Lebensmittel habe er links, seine Kleidung rechts gelagert. Sich selbst wusch er in der Fernfahrerdusche an einer OMV-Tankstelle.

15 saubere Damenhöschen im Unterschlupf

Einsam war der Lebenskünstler, der früher Marinesoldat war und so das Leben in der Wildnis gelernt hat, scheinbar nicht: In seinem Unterschlupf fanden sich auch 15 saubere Damenhöschen – sie erinnern ihn laut eigener Aussage an diverse Liebeleien der vergangenen beiden Jahre. Nach Münster zu seiner Frau, die zwischenzeitlich einen Sohn geboren hat, will er gar nicht zurück. Der Grund: „Ich kann nicht mit Gewissheit sagen, dass ich der leibliche Vater dieses Kindes bin.“ Auch sie selbst möchte ihn ohnehin nicht wiedersehen. Schließlich hatte sie jahrelang vergeblich auf ein Lebenszeichen des verschwundenen Johannes K. gewartet.

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Momentan lebt Johannes K. in einer Obdachlosenunterkunft in Pentling. Im neuen Jahr möchte er sich um Behördengänge kümmern, damit seine Frührente wieder an ihn ausbezahlt wird. Wer sie momentan einkassiert, weiß er nicht. Er vermute aber, dass seine Frau das Geld erhalten hat.

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