Passau: Pfarrer begeht wegen Pornosucht Selbstmord

Eine Gemeinde trauert um ihren Pfarrer. Der Geistliche nahm sich das Leben und bat darum, dass seine Gläubigen den Grund dafür erfahren.
| Ralph Hub
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Pfarrer Josef S. zerbrach an seiner Pornosucht. (Symbolfoto)
Pfarrer Josef S. zerbrach an seiner Pornosucht. (Symbolfoto)

Passau - Still war es in der Pfarrkirche St. Ägidius in Gattersdorf. Rund 1000 Gläubige hatten sich versammelt, um Abschied zu nehmen von ihrem Pfarrer Josef S. Der 59-Jährige war vergangenen Woche tot in der Pfarrei Halbmeile gefunden worden. Beim Requiem am Montag erfuhren die Gläubigen, dass Josef S. süchtig nach Pornos war und sich deshalb das Leben genommen hatte.

In seinem Abschiedsbrief hatte Josef S. den Wunsch geäußert, dass alle in seiner Gemeinde im Landkreis Passau den wahren Grund für seinen Freitod erfahren sollen.

Viele Stunden hatte Josef S. im Internet verbracht. Er besuchte regelmäßig Pornoseiten, lud sich Fotos und Videos auf seinem Computer runter. Immer mehr Zeit verbrachte er im Netz. Langsam wurde daraus eine Sucht, an der der Jurist und Theologe zerbrach.

 

Am Buß und Bettag aufgefunden

Was für einen normalen Mann bestenfalls peinlich ist, war Josef S. als katholischer Priester eine schwere Sünde, seinem Verlangen nach Erotik und Sex nachzugeben. Er habe Dinge getan, die seinem priesterlichen Gelübde der Keuschheit deutlich widersprochen hätten, schrieb er in einem Brief an den Passauer Bischof Stefan Oster.

Die verbotenen Leidenschaft, die Sucht nach Pornos und gleichzeitig die Sorge, entdeckt zu werden, dazu die Angst vor einem öffentlichen Skandal – all das zermürbte den Geistlichen. Am Ende war er so verzweifelt, dass er nicht mehr länger mit seinem Geheimnis leben wollte. Er beging Selbstmord. Gefunden wurde er am vergangenen Mittwoch, dem Buß- und Bettag, im Pfarrhof.

Die Gemeinde war schockiert. Josef S. wurde von allen respektiert, er war gesellig und überaus beliebt. Dass es dem 59-Jährigen gesundheitlich zuletzt nicht gut ging, dass er Probleme hatte, wussten viele im Pfarrverbund Isarhofen-Halbmeile. Vom digitalen Doppelleben ihres Pfarrers ahnten sie dagegen nichts. Das offenbarte Bischof Stefan Oster erst am Montag beim Requiem in der Kirche. Er habe mit Eltern und Geschwistern des Priesters gesprochen und in Abstimmung mit ihnen sich entschlossen, dem Wunsch des Verstorbenen entsprechend die wahren Gründe für dessen Suizid öffentlich zu machen.

Nach allem, was bisher bekannt sei, so der Bischof, habe Josef S. nichts getan, was zivilrechtlich zu belangen gewesen wäre. Es habe auch keinerlei Übergriffe durch den Pfarrer gegeben, schon gar nicht bei Kindern.

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